# taz.de -- Nachrichten im Ukraine-Krieg: Drohnenkrieg eskaliert
> Nach verheerenden russischen Angriffen schlägt die Ukraine mit Hunderten
> Drohnen zurück. Zwei Drohnen gehen auch in Lettland und Estland nieder.
(IMG) Bild: In der westukrainischen Großstadt Lwiw wurden historische Gebäude in der Altstadt durch russische Drohnen beschädigt, 24.3.2026
afp/dpa/rtr | Die ukrainischen Streitkräfte haben Russland in der Nacht mit
großen Drohnenschwärmen angegriffen und mehrere Brände in dem Ostseehafen
Ust-Luga ausgelöst. Das Verteidigungsministerium in Moskau berichtete von
398 feindlichen Langstreckendrohnen über vielen Teilen Russlands, die
angeblich abgefangen worden seien. Nach Angaben der staatlichen russischen
Nachrichtenagentur Tass war es der schwerste bislang verzeichnete
Drohnenangriff aus der Ukraine.
Er folgte auf einen Tag, an dem Russland neben Raketen auch eine Höchstzahl
von fast 950 Kampfdrohnen Richtung Ukraine gestartet hatte. Durch zwei
Angriffswellen am Dienstag in der Nacht und über Tag gab es Tote, Verletzte
und schwere Schäden. In der westukrainischen Großstadt Lwiw wurden
historische Gebäude in der Altstadt beschädigt, die zum Weltkulturerbe
zählt.
## Ölhafen am Finnischen Meerbusen als Ziel
Russische Stellen bestätigten am Mittwoch Brände in dem für den Öl- und
Gasexport wichtigen Hafen Ust-Luga. Er liegt am Finnischen Meerbusen etwa
hundert Kilometer von St. Petersburg entfernt. Verletzte habe es nicht
gegeben. Von der Insel Kronstadt, die ein wichtiger Marinestützpunkt der
russischen Ostseeflotte ist, wurden Häuserschäden gemeldet. Ebenfalls
angegriffen wurde der Hafen der Stadt Wyborg, der nur wenige Kilometer von
der Grenze zu Finnland entfernt liegt. Am Montag hatten ukrainische Drohnen
Öltanks im Ostseehafen Primorsk in Brand geschossen.
In und um die russische Großstadt Belgorod dicht an der Grenze zur Ukraine
fiel durch ukrainischen Beschuss der Strom für etwa 450.000 Menschen aus,
wie Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow auf Telegram mitteilte. Viele Menschen
hätten mit Unterbrechungen bei der Heizungs- und Wasserversorgung zu
kämpfen. Die Nachttemperaturen in Belgorod werden in den kommenden Tagen
voraussichtlich um den Gefrierpunkt liegen. Gladkow zufolge haben die
Reparaturarbeiten bereits begonnen, ihr Abschluss werde jedoch mehrere Tage
in Anspruch nehmen. Die Oblast Belgorod grenzt an die Ukraine, die
gleichnamige Stadt liegt etwa 40 Kilometer von der Grenze entfernt und ist
immer wieder Ziel ukrainischer Drohnen- und Raketenangriffe.
## Luftangriffe auch auf die Ukraine
Die Ukraine versucht, den seit mehr als vier Jahre dauernden Krieg zurück
ins Land des Angreifers zu tragen. Sie greift gezielt Anlagen der
russischen Öl- und Gasindustrie an, [1][weil Moskau den Krieg über
Energieexporte finanziert]. Zivilisten kommen dabei eher selten zu Schaden.
Die russischen Luftangriffe treffen dagegen in der Ukraine regelmäßig auch
Wohnhäuser; Zivilisten werden getötet oder verletzt. [2][In Odessa] wurde
in der Nacht auf Mittwoch eine Frau getötet. In der nordukrainischen Stadt
Tschernihiw und Umgebung fiel nach Behördenangaben [3][die Stromversorgung]
für etwa 150.000 Haushalte aus.
## Geheimdienst: Russische Drohne trifft Kraftwerk in Estland
Eine aus Russland kommende Drohne hat nach Angaben des estnischen
Inlandsgeheimdienstes ein Kraftwerk in dem Nato-Mitgliedstaat getroffen.
Die Drohne habe „den Schornstein des Kraftwerks Auvere“ getroffen, teilte
der Geheimdienst ISS am Mittwoch mit. Die Drohne drang den Angaben zufolge
„aus dem russischen Luftraum in den estnischen Luftraum ein“, verletzt
worden sei niemand. Auch in Lettland wurde eine aus Russland kommende
Drohne gemeldet.
Das in Estland von der Drohne getroffene Kraftwerk wird von dem Unternehmen
Enefit Power Group betrieben und liegt im Nordosten nahe der russischen
Grenze. Die estnischen Behörden machten keine Angaben dazu, ob es sich um
eine aus Russland abgefeuerte Drohne handelte oder die Drohne lediglich
zuvor den russischen Luftraum durchquert hatte.
Sie wiesen jedoch darauf hin, dass die Ukraine in der Nacht zum Mittwoch
zahlreiche Angriffe in Russland geflogen hatte. Diese zielten insbesondere
auf den wichtigen Hafen von Ust-Luga im an die estnische Küste grenzenden
Finnischen Meerbusen. Der ISS übernahm die Untersuchungen zu dem
Drohnenvorfall.
## Auch Lettland meldet Drohnenvorfall
In dem ebenso wie Estland der Nato und EU angehörenden Lettland stürzte
nach Regierungsangaben eine ebenfalls aus dem russischen Luftraum kommende
Drohne ab. Die Drohne sei vermutlich aus der Ukraine abgefeuert worden,
teilte Ministerpräsidentin Evika Silina im Onlinedienst X mit. Nähere
Angaben zu diesem Drohnenvorfall wurden zunächst nicht gemacht. Lettland
liegt auf der möglichen Flugbahn für ukrainische Drohnenangriffe auf das
Gebiet von Ust-Luga.
Bereits am Montag war eine ukrainische Drohne in einen See nahe der Stadt
Varena im Süden Litauens abgestürzt, als die ukrainischen Streitkräfte den
russischen Hafen Primorsk nahe der finnischen Grenze angegriffen hatten.
„Das sind die Folgen des groß angelegten Angriffskriegs Russlands“,
erklärte ISS-Generaldirektor Margo Palloson zu dem Drohnenvorfall in seinem
Land. Der Geheimdienstchef zeigte sich besorgt, dass es künftig weitere
solche Drohnen-Vorfälle geben könnte.
25 Mar 2026
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