# taz.de -- Finnland und Lettland: Neuer Sabotageverdacht in der Ostsee
       
       > Der Ostseeraum wird zum zentralen Schauplatz der hybriden Kriegsführung
       > Russlands in Europa. Erneut sollen Unterwasserkabel beschädigt worden
       > sein.
       
 (IMG) Bild: Kantvik, Kirkkonummi, Finnland, 31. Dezember: das verdächtige Schiff „Fitburg“
       
       Wegen des Vorwurfs, kritische Infrastruktur in der Ostsee angegriffen zu
       haben, sind in Lettland und Finnland zwei Schiffe festgesetzt worden. Am
       Sonntag enterte die lettische Staatspolizei ein Schiff im Hafen von
       Liepāja, inspizierte es und verhörte die Besatzung. Es soll laut lettischer
       Marine das 65 Kilometer lange Kabel eines privaten Telekom-Anbieters von
       Šventoji in Litauen nach Liepāja in Lettland beschädigt haben. Ermittler
       bestätigten diesen Verdacht am Montag allerdings nicht.
       
       Fünf Tage zuvor hatte Finnlands Polizei die Beschlagnahmung des
       Frachtschiffs „[1][Fitburg“] bekanntgegeben. Es stehe unter Verdacht, auf
       dem Weg aus dem russischen Sankt Petersburg Richtung Ostsee ein zwischen
       Helsinki und Estland verlaufendes Unterwasserkabel mit seinem über den
       Meeresboden geschleiften Anker beschädigt zu haben. Zwei der 14
       Besatzungsmitglieder wurden festgenommen, gegen zwei weitere wurden
       Ausreiseverbote verhängt.
       
       Die russische Botschaft in Helsinki teilte mit, es habe bisher noch niemand
       von der Besatzung um Hilfe nachgesucht. Das unter der Flagge von St.
       Vincent und den Grenadinen fahrende Schiff hatte auf der Strecke nach Haifa
       in Israel laut finnischem Zoll Stahlprodukte aus Russland an Bord.
       
       Seit 2024 kommt es vermehrt zu Angriffen auf die europäische
       Unterwasser-Infrastruktur. Die Militärdoktrin Russlands sieht Sabotageakte
       gegen kritische nationale Infrastrukturen als Teil seiner hybriden
       Kriegsführung. Teil davon ist nach westlichen Geheimdienstberichten die
       russische „Schattenflotte“: Auf etwa 800 Schiffen, zumeist sehr alt und
       unversichert, versucht der Kreml die Sanktionen des Westens gegen seine
       Ölexporte zu umgehen. Dabei kommt es immer wieder zu Sabotageakten an
       Unterseekabeln; auch Spähdrohnen steigen von diesen Schiffen auf, heißt es.
       
       [2][Die Ostsee wimmelt] von Telekommunikations- und Energieinfrastruktur.
       Hunderte [3][Windkraftanlagen] stehen vor den Küsten Dänemarks und
       Deutschlands, neue entstehen vor Polen. Die Ostseeküste beherbergen zehn
       LNG-Terminals, zwei weitere befinden sich im Bau. Erdgasleitungen verbinden
       Finnland und Estland sowie Norwegen und Polen. Kabel säumen den
       Meeresboden: Anfang 2024 haben Estland, Lettland und Litauen ihre
       Stromnetze vom russischen Netz getrennt. Von den vier Verbindungen, die sie
       jetzt mit dem europäischen Netz verbinden, liegen drei am Boden der Ostsee.
       
       5 Jan 2026
       
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