# taz.de -- Bundesregierung einig: CO₂-Preis für Heizen und Tanken soll stabil bleiben
> Union und SPD wollen den CO₂-Preis für Heizen und Tanken nicht erhöhen.
> Das soll Bürger und Wirtschaft entlasten, reißt aber ein Loch in den
> Haushalt.
(IMG) Bild: Wie das entstehende Loch im Klimatopf gestopft werden soll, ist noch unklar
Die Bundesregierung will den CO2-Preis für Heizen und Tanken 2027 nicht
erhöhen. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur dpa unter Bezug auf
Teilnehmer*innen des Koalitionsausschusses am Dienstagabend.
Damit bleibt der CO2-Preis bei 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2, die beim
Verbrennen von fossilen Brennstoffen in Verbrennungsmotoren oder Heizungen
entsteht. Die Einnahmen aus dem CO2-Preis fließen in den Klima- und
Transformationsfonds (KTF), mit dem die Bundesregierung
Klimaschutzmaßnahmen finanzieren soll. Im vergangenen Jahr beschloss sie
allerdings, auch die Gasspeicherumlage aus dem KTF zu finanzieren,
[1][machte also mit für Klimaschutz vorgesehenem Geld fossiles Gas
billiger].
Die Unionsfraktionsspitze um Jens Spahn (CDU) und Alexander Hoffmann (CSU)
teilte den Unionsabgeordneten am Mittwoch mit, dass „angesichts der aktuell
hohen Energiepreise“ der CO2-Preis nicht erhöht werde. „Damit vermeiden wir
2027 zusätzliche Belastungen von bis zu 2,8 Milliarden Euro für Bürger und
Wirtschaft“, schrieben sie in einer SMS an die Abgeordneten, die der taz
vorliegt. Auch die SPD-Fraktionsspitze zeigte sich erfreut über die
Entlastung.
Diese Entlastung wirkt sich unmittelbar auf den Bundeshaushalt aus. Denn in
der Haushaltsplanung hatte das Bundesfinanzministerium unter Lars Klingbeil
(SPD) für 2027 mit einem CO2-Preis von 80 Euro pro Tonne gerechnet und
Einnahmen in Höhe von 21,3 Milliarden Euro vorausgesagt. 2026 geht das
Ministerium von 16,7 Milliarden Euro aus.
## Die Einigung reißt ein milliardenschweres Loch
Das heißt: Wenn der CO2-Preis so bleibt wie in diesem Jahr, „fehlen diese
circa 4 Milliarden Euro für die Finanzierung der Transformation“, wie die
Physikerin und Direktorin der Denkfabrik Zukunft KlimaSozial Brigitte Knopf
[2][auf LinkedIn schreibt]. „Es wäre fatal, wenn das zu Lasten der
Gebäudeförderung gehen würde“ – also den Geldern, die etwa den Einbau von
klimafreundlichen Wärmepumpen fördern soll.
Wie Klingbeil das entstehende Loch im Klimatopf stopfen will, ließ eine
Sprecherin des Finanzministeriums auf taz-Anfrage offen. Gleichzeitig nutzt
die Bundesregierung wachsende Teile des KTF, um die Energiepreise der
Industrie zu senken. „Was sich abzeichnet, ist eine schleichende Umwidmung:
Aus Klima- und Transformationsfonds wird Energiesubventionsfonds“, sorgt
sich der Ökonom Niklas Illenseer von der Denkfabrik Dezernat Zukunft
[3][auf LinkedIn]. Die Energiepreise der Industrie zu senken, löse das
Problem aber nicht. „Wer das eine subventioniert, ohne das andere in großen
Schritten zu dekarbonisieren, kauft sich nur Zeit – und die ist teuer
bezahlt.“
Die Grünen-Politikerin Lisa Badum verlangte: Statt den Preis zu
stabilisieren, solle die Koalition ein sozial gestaffeltes Klimageld
einführen, das an die Bürgerinnen und Bürger ausgezahlt würde. „Das wäre
eine echte Entlastung für Geringverdienende und gleichzeitig ein Anreiz für
klimafreundliches Verhalten. Leider ist der Merz-Regierung sozial gerechte
Klimapolitik schlicht egal“, sagte sie der dpa.
Die Einigung zum CO2-Preis 2027 war nötig geworden, weil das
[4][entsprechende Gesetz] einen Preispfad nur bis 2026 festlegt.
Ursprünglich war geplant, dass ab 2027 ein EU-weiter CO2-Preis für Gebäude
und Verkehr gilt. Vor allem osteuropäische Staaten wie Polen, Ungarn und
die Slowakei hatten sich dagegen allerdings gewehrt [5][und eine
Verschiebung auf 2028 erreicht]. CO2-Emissionen in Stromwirtschaft und
Industrie werden bereits jetzt auf EU-Ebene bepreist.
13 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Haushaltsplaene-von-Schwarz-Rot/!6100594
(DIR) [2] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7460220686742192129/
(DIR) [3] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7455603761634275328/
(DIR) [4] https://www.gesetze-im-internet.de/behg/BJNR272800019.html#BJNR272800019BJNG000100000
(DIR) [5] /EU-Klimaziel-2040-beschlossen/!6126983
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) CO2-Kompensation
(DIR) Klimaschutzziele
(DIR) Erdgas
(DIR) Fossile Brennstoffe
(DIR) klimataz
(DIR) Energiekrise
(DIR) Energiekrise
(DIR) wochentaz
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Ausbau Windenergie: Windräder zurückdrehen
Total Energies und BP haben offenbar das Interesse an der Nutzung
ersteigerter Seegebiete verloren. Diese waren für Offshore-Windflächen
vorgesehen.
(DIR) Konferenz zu Energiesicherheit: Reiche macht blau statt grün
Schwarz-Rot will von den bitteren Erfahrungen der Ukraine lernen – macht
jedoch das Gegenteil. Und das volle Ausmaß der Irankrise steht noch an.
(DIR) Alternative Klimakonferenz: Wenn es um das Wie geht, statt um das Ob
Um den Klimawandel zu stoppen, muss der Ausstieg aus den Fossilen gelingen.
Wie, das diskutierte in Santa Marta eine Koalition der Willigen.
Erfolgreich?
(DIR) Transformation und Wärmegewinnung: Reiches Heizungsgesetz ist fatal fürs Klima
Die Wirtschaftsministerin nährt selbst das Gerücht, sie sei Agentin ihrer
alten Branche. Für sie könnte beim Heizen alles so bleiben, wie es ist.
(DIR) Klimaschutz in Gefahr: Wie die Bundesregierung Schindluder mit dem Klimatopf treibt
Der Klima- und Transformationsfonds (KTF) soll Deutschland klimaneutral
machen. Doch die Bundesregierung nutzt ihn als ungerechten Lückenfüller.