# taz.de -- Studie zu Entwicklungszusammenarbeit: Wenn Hilfe verschwindet, gibt es mehr Gewalt
       
       > Die Trump-Regierung begründete das Ende der Entwicklungshilfe der USA mit
       > angeblicher Wirkungslosigkeit. Eine neue Studie kommt zu einem anderen
       > Ergebnis.
       
 (IMG) Bild: USAID oder Eine humanitäre Brandauer aus Soft Power gegen Gewalt
       
       ## Worum geht’s?
       
       Im Januar 2025 hat USAID, die United States Agency for International
       Development, ihre [1][Hilfszahlungen weltweit abrupt eingestellt]. Kurze
       Zeit später, in den turbulenten Anfangsmonaten der zweiten
       Trump-Präsidentschaft, wurde die Behörde komplett abgewickelt. USAID war
       zuvor der weltweit größte nationale Geldgeber für humanitäre Unterstützung,
       Mittel flossen unter anderem in die Bereiche Gesundheit, Landwirtschaft und
       Katastrophenhilfe. Die Trump-Regierung ließ verkünden, dass die
       vorgesehenen Entwicklungsziele nur selten erreicht worden seien und
       Instabilität sich sogar oft verschlimmert habe.
       
       Auch in der Fachwelt gilt es als strittig, ob Entwicklungsgelder Konflikte
       zuverlässig eindämmen oder sogar zusätzlich befeuern können. Empirische
       Daten zu sozialen und politischen Folgen vom Aussetzen von
       Entwicklungshilfen gibt es bisher wenig. Oft spielen viele Variablen eine
       Rolle, sodass sich der Einfluss der Entwicklungszusammenarbeit nur schwer
       isoliert betrachten lässt.
       
       Umso interessanter sind die Ergebnisse eines internationalen
       Forschungsteams, das den Effekt der plötzlichen Streichung der
       Entwicklungshilfe von USAID in allen Ländern Afrikas auf die [2][Entstehung
       von Konflikten] untersucht hat. Es kam zu dem Ergebnis, dass es einen
       deutlichen Anstieg von Gewalt und Konflikten in instabilen Regionen gegeben
       hat, die zuvor eine hohe Pro-Kopf-Hilfe durch die USA erhalten hatten. Die
       Studie wurde kürzlich [3][im Fachmagazin Science] veröffentlicht.
       
       ## Die Studie
       
       Das Forschungsteam untersuchte große Datensätze, dabei wurden detaillierte
       Geodaten zu Konfliktgeschehen, Protesten, Kämpfen, Aufständen und Gewalt
       gegen Zivilisten aus einem Zeitraum von zehn Monaten vor und nach dem Stopp
       der US-Gelder ausgewertet. Diese wurden in Zusammenhang mit der Höhe der
       zuvor erhaltenen Förderung pro Kopf gestellt. Die relative
       Wahrscheinlichkeit für Konflikte stieg in Regionen, die zuvor hohe
       Hilfszahlungen pro Kopf erhalten hatten, um durchschnittlich 6,5 Prozent im
       Vergleich zu Regionen, die vorher keine finanziellen Hilfen ehalten hatten.
       Die Wahrscheinlichkeit für kampfbezogene Todesfälle nahmen sogar um 9,3
       Prozent zu.
       
       ## Was bringt’s?
       
       Uwe Sunde, Ökonom an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der an der
       Studie beteiligt war, stellt klar, dass das Forschungsteam nicht die
       grundsätzliche Frage beantworten könne, welchen Einfluss Entwicklungshilfe
       auf Konfliktentstehung habe. „Wir können nun aber klar sagen, wenn man auf
       einen Schlag die Hilfen instabilen Regionen entzieht, sieht die Sache
       anders aus: Die Konflikte nehmen zu.“ Auch für die Planung von
       Entwicklungszusammenarbeit sei dies relevant, sagt Sunde, man sollte sich
       den plötzlichen Entzug von Hilfen gut überlegen, „denn diese Effekte können
       nicht gewollt sein“.
       
       8 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /USAID-stellt-Zahlungen-ein/!6063648
 (DIR) [2] /Gewalt-in-Afrikas-Sahelzone/!6162521
 (DIR) [3] https://doi.org/10.1126/science.aed6802
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Judith Rieping
       
       ## TAGS
       
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