# taz.de -- Kleine Anfrage der Linksfraktion: Mit Fake News gegen Entwicklungspolitik
> Eine russische Kampagne hetzt gegen Entwicklungshilfe. Die
> Bundesregierung kennt das Problem – tut aber zu wenig, so die Kritik der
> Linksfraktion.
(IMG) Bild: Ministerin Reem Alabali-Radovan bei einer Schulspeisung in Sierra Leone: Ihr Etat wurde von 11,2 auf 10 Milliarden Euro gekürzt
Deutschland soll 1,4 Milliarden Euro in ein Fußballstadion in der
brasilianischen Stadt Belém investiert haben – ein Beispiel, wie die
Regierung Steuergeld verschwende. [1][Das meldete eine brasilianische
Website im Januar 2026.] Und Angelina Jolie soll in die Ukraine gereist
sein auf Kosten der US-Steuerzahler, die der Trip der Schauspielerin 20
Millionen Dollar gekostet haben soll.
Beides sind klassische Fake News, die zweierlei verbindet. Sie haben einen
ähnlichen Spin und sollen westliche Entwicklungshilfe als korruptes
Geschäft denunzieren, in dem Steuergeld sinnlos verschwendet wird. Mit
Erfolg: Die gefälschte Story über das von Deutschland bezahlte Stadion in
Brasilien wurde auf X mehr als drei Millionen Mal geklickt.
Erfunden wurden diese von Rechtsextremen global weiterverbreiteten
Falschmeldungen laut einer Studie des Centers für Monitoring, Analyse und
Strategie (CeMAS) vom März 2026 von einer russischen
Desinformationskampagne namens Storm 156.
Das hat die Bundesregierung nun amtlich in einer Antwort auf eine Kleine
Anfrage der linken Abgeordneten Maren Kaminiski bestätigt, die der taz
vorliegt. Die Erkenntnisse der CeMAS-Studie über die Verbreitung von
Desinformation und Verschwörungsnarrativen über deutsche
Entwicklungszusammenarbeit „stimmen mit jenen der Bundesregierung überein“.
## Fehlende Rechtsgrundlage
Die Fake News, so die Bundesregierung, würden seit 2024 vor allem über
deutschsprachige Telegram-Kanäle und andere soziale Medien verbreitet. Dass
Storm-156 von Russland aus agiert und agitiert, hatte das Auswärtige Amt
bereits im Dezember 2025 bestätigt. [2][CeMAS hatte 36.420
Telegram-Nachrichten aus rund 3.000 Kanälen und 2.000 Gruppen im Zeitraum
Oktober 2024 bis November 2025 ausgewertet] .
Laut Bundesregierung ist auch erwiesen, woher die Fake News kommen – unter
anderem von dem „Center for Geopolitical Expertise“, das der russische
Rechtsextremist Alexander Dugin begründet hatte und das dem russischen
Militärgeheimdienst GRU untersteht.
Was tun? Die Bundesregierung analysiere „ausländische
Informationsmanipulation“ und verweist etwas wolkig auf „diplomatische“
Mittel, die man ergreifen könne. Das zuständige Ministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) „sensibilisiert im
Rahmen seiner Zuständigkeit“ für das Problem. Ansonsten sieht die Regierung
aber offenbar keine Möglichkeit, zu reagieren.
Es gebe laut Digital Services Act (DSA) „keine Rechtsgrundlage“, um solche
Falschnachrichten auf Telegram zu unterbinden. Um dort Desinformation
bekämpfen zu können, müsse die Europäische Kommission den Kanal erst als
„sehr große Online-Plattform“ anerkennen.
## Rechte Desinformation lässt sich nicht wegkürzen
Die Linke Maren Kaminiski hält das für zu wenig und kritisiert, dass die
Regierung „keine Initiative zur Regulierung von Telegram auf EU-Ebene
ankündigt“. Generell vermisst Kaminski eine brauchbare Antwort der
Bundesregierung auf die Frontalangriffe, die „Russland und die radikale
Rechte seit Monaten auf Telegram, X und anderen Plattformen mit
Millionenreichweite verbreiten“.
Staat Gegenwehr finde das Gegenteil statt. 2025 und 2026 wird der Etat von
BMZ-Ministerin Reem Alabali-Radovan (SPD) von 11,2 auf 10 Milliarden Euro
gekürzt. Gerade weil die Bundesregierung nun amtlich bestätigt, dass der
massive aus Russland gesteuerte Angriff auf das BMZ zielt, so Kaminski,
seien diese Kürzungen „umso unverständlicher“.
„[3][Wer die Entwicklungszusammenarbeit schwächt], stärkt die
Glaubwürdigkeit derer, die sie delegitimieren wollen“, so die linke
Abgeordnete. Denn die Bekämpfung rechter Desinformation und Kürzungspolitik
passten nicht zusammen.
21 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.tagesschau.de/faktenfinder/kontext/russland-deutschland-storm1516-100.html
(DIR) [2] https://cemas.io/publikationen/desinformation-ueber-entwicklungszusammenarbeit/
(DIR) [3] /Global-Disability-Summit-Entwicklungszusammenarbeit-braucht-Barrierefreiheit/!6076334
## AUTOREN
(DIR) Stefan Reinecke
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