# taz.de -- Auftakt in Cannes: Leiter der Filmfestspiele vergleicht KI mit Radfahren
> Bei einer Pressekonferenz zum Auftakt der Filmfestspiele von Cannes zeigt
> sich der Leiter Thierry Frémaux für Fragen zu KI und Politik sehr wach.
(IMG) Bild: Festivals sollten nicht zur Verwirrung der Welt beitragen: Thierry Frémaux bei der Pressekonferenz in Cannes
Was haben Cannes und die Fußball-WM gemeinsam? Bei beiden ist Italien
draußen. Mit freundlich süffisanten Bemerkungen wie dieser zeigte sich der
künstlerische Leiter der Filmfestspiele von Cannes Thierry Frémaux am
Montag vor der Presse von zugewandt gelockerter Seite. Er reagierte damit
auf die Nachfrage einer italienischen Journalistin über den Zustand des
italienischen Kinos.
Bei Momentaufnahmen wie diesen wollte sich Frémaux allerdings nicht darauf
festlegen lassen, gleich einen „Trend“ dahinter zu vermuten. So wie
umgekehrt das spanische Kino dieses Jahr mit „fast drei Generationen“ von
Filmemachern vertreten ist, von Altmeister Pedro Almodóvar über Rodrigo
Sorogoyen (Jahrgang 1981) bis hin zum „jungen“ Regiduo Javier Ambrossi
(1984) und Javier Calvo (1991). Das spanische Kino sei derzeit von großer
Lebendigkeit geprägt, so Frémaux.
Beim Sprechen über Filme und die konkret damit verbundenen Fragen fühlte
sich Frémaux deutlich wohler als bei Fragen zu möglichen politischen
Begleiterscheinungen des Festivals. Auf die Berlinale im Frühjahr
angesprochen, um die es reichlich Polemik gab, erwiderte er, dass der
[1][Regisseur und Berlinale-Jurypräsident Wim Wenders] seiner Ansicht nach
bewusst falsch verstanden worden sei, als dieser sich, ebenfalls auf einer
Presskonferenz, zur Bemerkung hinreißen ließ, das Kino solle sich aus der
Politik heraushalten. Frémaux gab darauf Beispiele für Filme auf Festivals,
die klar politische Anliegen verfolgten, darunter der [2][Gewinner der
Goldenen Palme vom vergangenen Jahr, „Ein einfacher Unfall“ des iranischen
Regisseurs Jafar Panahi].
Zugleich erinnerte Frémaux an die Umstände, unter denen Cannes gegründet
wurde. Das älteste Filmfestival der Welt, die Filmfestspiele von Venedig,
war seinerzeit von Mussolini als Propagandaveranstaltung gedacht. Cannes
wurde bewusst als politisches Gegengewicht gegründet.
## Die Welt ist heute fragil
Frémaux zeigte in diesen Fragen eine Trennschärfe, die man sich in dieser
Konsequenz im Frühjahr auch in Berlin gewünscht hätte. Seine Funktion, die
er beim Festival wahrnehme, dürfe er nie seinen politischen Überzeugungen
unterordnen. Daher sollten sich die Organisatoren des Festivals nur zu den
Filmen äußern, nicht zu Politik im Allgemeinen. „Die Welt ist heute sehr
fragil“, so Frémaux, da sollte das Festival nicht seinerseits zur
Verwirrung beitragen. Film könne ein Mittel des Friedens ebenso wie ein
Aufruf zur Revolte sein, er jedoch müsse stets vor allem die künstlerischen
Aspekte dieser Filme betrachten.
Zur allgegenwärtigen Frage nach künstlicher Intelligenz und ihrer Rolle im
Kino stellte Frémaux einen interessanten Vergleich an. Er sehe das ein
bisschen wie bei einem elektrischen Fahrrad und einem normalen Fahrrad: Man
müsse zunächst normal Rad fahren können, um auch ein elektrisches fahren zu
können. Auch hätte Computertechnik längst schon Einzug gehalten beim Film.
[3][Einen Film wie „Apocalypse Now“], bei dem alle Hubschrauber im Bild
tatsächlich für den Film geflogen seien, würde man heute nicht mehr mit
diesem materiellen Aufwand machen. Vielleicht könnte künstliche Intelligenz
umgekehrt aber sogar eine Rückkehr zum alten handgemachten Ansatz mit sich
bringen.
Dass echte Schauspieler und KI-Schauspieler jedoch nicht dieselben Preise
erhalten dürften, hielt er für vollkommen richtig. Auch die Sorge, dass bei
heutigen KI-generierten Bildern alles zur „Lüge“ zu werden drohe, teilte
er. Ein Festival wie Cannes stehe daher auf der Seite aller Autoren,
Schauspieler, Stuntleute, all jener Berufsgruppen, die durch KI ihren Job
verlieren könnten. Womöglich könnten Filmkritiker dieser Gruppe irgendwann
ebenfalls zuzurechnen sein.
12 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tim Caspar Boehme
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