# taz.de -- Filmfestspiele von Cannes beginnen: Travolta statt Mandalorian
       
       > An diesem Dienstag beginnen die Filmfestspiele von Cannes. Es gibt viel
       > Autorenkino aus Europa und weniger Hollywoodspektakel als sonst.
       
 (IMG) Bild: Gibt es Cannes diesmal mit weniger Glamour? Oder einfach eleganterem Glamour?
       
       Schade ist es schon. Wenn ein Blockbuster wie „Star Wars: The Mandalorian
       and Grogu“ während der Internationalen Filmfestspiele von Cannes in die
       Kinos kommt, bringt das Festival diese in der Regel als Premiere in seinem
       Programm unter. Doch wenn das 79. Festival de Cannes heute eröffnet, bleibt
       es mit hoher Wahrscheinlichkeit bei dem bisherigen Stand: Die Fortsetzung
       der Vorgeschichte der „Star Wars“-Saga unter der Regie von Jon Favreau
       spielt am 21. Mai anderswo, aber nicht an der Croisette.
       
       Den Wechsel seiner Streamingserie „The Mandalorian“ auf die Leinwand will
       der Disneykonzern anscheinend nicht mit einem pompösen Festivalauftritt
       begleiten, wie Branchenblätter berichten. Auch Guy Ritchies neue
       Actionkomödie „In the Grey“, die in derselben Woche in Deutschland startet,
       kommt nicht nach Cannes.
       
       Dort mischt man gewohnheitsmäßig großes Arthousekino mit ein paar Filmen
       mit viel Krawumm. Davon gibt es jetzt weniger. In den vergangenen Jahren
       feierten etwa „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ (2025),
       [1][„Furiosa: A Mad Max Saga“ (2024)] oder eben [2][„Solo: A Star Wars
       Story“ (2018)] ihre Premiere in Cannes. Das in der Regel außer Konkurrenz,
       aber mit reichlich Spektakel drumherum.
       
       Stattdessen stellt dieser Tage der Schauspielstar und Scientologe John
       Travolta sein einstündiges Regiedebüt „Propeller One-Way Night Coach“ in
       Cannes vor, einen Familienfilm. Sein Schauspielkollege Andy Garcia steuert
       unter dem Titel „Diamond“ immerhin einen Neo-Noir bei.
       
       ## Offener Brief an die EU
       
       Weniger spektakelheischend geben sich die Filme im Wettbewerb, die
       traditionell vor allem aus Europa stammen. Rund drei Viertel der
       Kandidaten, die zum aktuellen Wettbewerb eingeladen sind, entstanden in
       europäischen Staaten und unter der Regie von europäischen Filmemachern.
       Darunter der Spanier Pedro Almodóvar, der [3][Rumäne Cristian Mungiu,
       zuletzt 2022 in Cannes im Wettbewerb], die Französin Léa Mysius, der
       [4][polnische Regisseur Paweł Pawlikowski, der seinerseits 2018 mit „Cold
       War“ im Wettbewerb vertreten war], dazu aus Ungarn László Nemes, aus
       Deutschland Valeska Grisebach, die zum ersten Mal in den Wettbewerb
       eingeladen wurde, ebenso wie die österreichische Regisseurin Marie
       Kreutzer.
       
       Aus den Vereinigten Staaten gibt es im Wettbewerb zwei „seriöse“
       Filmemacher, James Gray und Ira Sachs, auf deren Filme man sich genauso
       freuen kann wie auf Neues von den Japanern Hirokazu Koreeda und Ryūsuke
       Hamaguchi, selbst wenn Letzterer für seinen in Frankreich gedrehten Beitrag
       „Soudain“ mit Virgine Efira in der Hauptrolle mehr als drei Stunden
       beansprucht.
       
       Die Jury und ihr Präsident, der koreanische Regisseur Park Chan-wook,
       können sich bei der Auswahl für die Goldene Palme über das Angebot nicht
       beklagen. Eine Sorge, dass dies in Zukunft schwieriger werden könnte,
       äußerten jetzt über 4.700 Unterzeichner aus der Filmbranche in einem
       offenen Brief an die EU. Darin kritisieren sie die geplanten Änderungen
       beim Programm Creative Europe MEDIA, das der Förderung der „audiovisuellen
       Industrie“ dient. Die EU-Staaten wollen von heute an, zeitgleich zur
       Eröffnung der Filmfestspiele von Cannes, beraten, wie dieses Programm in
       Zukunft aufgebaut sein wird.
       
       So gebe es Pläne, die Filmproduktion mit Projekten der Zivilgesellschaft
       oder mit Computerspielen und Journalismus in einem Fördertopf zu vereinen.
       Unterzeichner wie die Regisseure Francis Ford Coppola und Paweł Pawlikowski
       oder die Schauspielerinnen Juliette Binoche und Sandra Hüller zeigen sich
       besorgt, dass mit einer solchen Zusammenführung die Sicherheit der
       Filmförderung in Europa nicht mehr gewährleistet sein könnte. Daher fordern
       sie eine garantierte Summe für Filmförderung. „Dank MEDIA gewinnt Europa
       fast jedes Jahr einen Oscar“, heißt es in dem offenen Brief. Darunter viele
       Filme, die in Cannes im Wettbewerb liefen.
       
       12 May 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tim Caspar Boehme
       
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