# taz.de -- Andreas Jung wird Kultusminister in BaWü: Profilierter CDU-Klimapolitiker verlässt Bundestag
> Der Bundestagsabgeordnete Andreas Jung wird Kultusminister in
> Baden-Württemberg. Berlin verliert damit einen der seltenen
> CDU-Klimapolitiker.
(IMG) Bild: Unions Klimamann Andreas Jung lässt seine Fraktion allein
Zuletzt hat Andreas Jung mal wieder das Schlimmste verhindert. Erfolgreich
versuchte der CDU-Klimapolitiker, der stellvertretender Vorsitzender sowohl
in der Bundestagsfraktion als auch in der Partei ist, Wirtschafts- und
Sozialflügel der Christdemokraten von einem gemeinsamen Antrag für den
Bundesparteitag abzubringen. In seltener Einheit hatten die beiden Flügel
nicht nur gefordert, das Ziel der Klimaneutralität zeitlich nach hinten zu
verschieben, sondern diese inhaltlich auch neu zu definieren. Viel
Klimaschutz wäre nicht übrig geblieben. Nachdem Jung und NRWs
Sozialminister Karl-Josef Laumann mit den Antragstellern verhandelt hatten,
[1][wurde der Antrag massiv abgeschwächt] – und so Mitte Februar auf dem
Bundesparteitag in Stuttgart angenommen.
In Stuttgart wird Jung künftig auch arbeiten: Der 50-Jährige geht als
Kultusminister nach Baden-Württemberg. Mit dieser überaus überraschenden
Personalie verliert die Union einen der wenigen profilierten und
überzeugten Klimapolitiker, die in der Fraktion noch [2][übrig geblieben
sind].
In einer Zeit, in der Teile der Fraktion Wirtschaftsministerin
[3][Katherina Reiche (CDU) und ihrer fossilen Politik begeistert zujubeln],
wird er als Gegengewicht fehlen. Jung wird sein Bundestagsmandat abgeben,
die baden-württembergische Landesgruppe der Unionsfraktion muss sich einen
neuen Vorsitzenden suchen. Vize-Chef der Bundes-CDU wird er bleiben.
Für den Mann vom Bodensee ist das ein durchaus gewagter Schritt: Er hat
zwei schulpflichtige Kinder, als Bildungs- und Kulturminister ist Jung aber
unerfahren.
## Jung will sich nicht um das Amt bemüht haben
Er sitzt seit über 20 Jahren im Bundestag, seit 2005 hat er sechsmal in
Folge für die CDU das Direktmandat im Wahlkreis Konstanz geholt. Als Klima-
und Umweltpolitiker ist er weit über die eigene Partei hinaus anerkannt, er
gilt als liberal und pragmatisch, freundlich und zugewandt, als einer, der
mehr für Ausgleich als für Spaltung steht.
Manuel Hagel, Spitzenkandidat und Chef Landes-CDU, habe ihn gebeten, nach
Baden-Württemberg in die grün-schwarze Koalition zu kommen, „um Brücken zu
bauen, gesellschaftlich und politisch“, das hat Jung dem [4][Südkurier in
einem Interview] gesagt. Hagel selbst wird in der Koalition der
Stellvertreter von Ministerpräsident Cem Özdemir und Innenminister werden.
Er habe nichts unternommen, um sich für einen Posten in der Landesregierung
ins Gespräch zu bringen und nach dem Angebot mit sich gerungen, sagte Jung
weiter. Ausschlaggebend sei die große Gestaltungsmöglichkeit gewesen, die
das Amt des Kultusministers mit sich bringt.
In kaum einem anderen Bereich haben die Bundesländer einen so großen
Einfluss wie in diesem. Es gehe darum, jedem Kind und jedem Jugendlichen
das Beste mitzugeben: „Dafür lohnt es sich zu arbeiten.“
Gestaltet hätte Jung wohl gerne auch auf Bundesebene. Als die Union im
vergangenen Jahr die Bundestagswahl gewann, galt er durchaus als
ministrabel. Doch bei der Bildung der schwarz-roten Regierung ließ
Friedrich Merz den profilierten Politiker leer ausgehen. Das Umwelt- und
Klimaschutzministerium bekam die SPD, Wirtschafts- und Energieministerin
wurde Reiche. Als stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion,
zuständig unter anderem für Klima- und Umweltschutz und wirtschaftliche
Zusammenarbeit, war er am Dienstag erst mit über 90 Prozent wiedergewählt
worden.
11 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Entschaerfter-Antrag-fuer-Parteitag/!6148937
(DIR) [2] /Ministerin-Reiche-und-das-EU-Klimaziel/!6168847
(DIR) [3] /Auf-fossiler-Energiekonferenz-in-Texas/!6165526
(DIR) [4] https://www.suedkurier.de/baden-wuerttemberg/warum-andreas-jung-neuer-kultusminister-in-baden-wuerttemberg-wird-114176323
## AUTOREN
(DIR) Sabine am Orde
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