# taz.de -- Ministerpräsident in Baden-Württemberg: Özdemir fehlen 19 Stimmen
       
       > Cem Özdemir ist zum neuen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs gewählt
       > worden. Er bekam aber nur 93 Stimmen, die grün-schwarze Koalition hat 112
       > Abgeordnete.
       
 (IMG) Bild: Nochmal gut gegangen: Cem Özdemir nach der Wahl im Landtag in Stuttgart
       
       dpa/taz | Cem Özdemir ist neuer Ministerpräsident von Baden-Württemberg.
       Die Abgeordneten des Landtags wählten den Grünen-Politiker in Stuttgart zum
       Regierungschef: 93 Parlamentarier stimmen mit Ja, 26 mit Nein, es gab 4
       Enthaltungen. Die grün-schwarze Koalition hat eine Mehrheit von 112 Stimmen
       im Parlament – mindestens 19 Abgeordnete der grün-schwarzen Koalition
       verweigerten Özdemir damit die Gefolgschaft. Die erforderliche Mehrheit lag
       nur bei 79 Stimmen. Aber jeder sechste Abgeordnete der Koalition hat
       Özdemir nicht gewählt.
       
       „Alle können halt nicht Minister und Staatssekretäre werden. Dass da der
       eine oder andere enttäuscht ist, das verstehe ich schon. Das halten wir
       aus“, sagte Özdemir im Landtag nach seiner Wahl. Er ist nun der erste
       Regierungschef mit türkischen Wurzeln in der Geschichte der Bundesrepublik.
       Özdemir folgt auf Langzeit-Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der nach
       15 Jahren aus dem Amt scheidet, und ist nach ihm der zweite grüne
       Ministerpräsident Deutschlands.
       
       Zuvor hatte die AfD-Fraktion den CDU-Chef Manuel Hagel, der
       Vizeregierungschef der neuen Regierung werden soll, als Gegenkandidaten für
       das Amt des Ministerpräsidenten vorgeschlagen. Hagel kam auf 34 Stimmen. In
       der AfD-Fraktion sitzen 35 Abgeordnete. Die Wahl erfolgte geheim.
       
       ## Opposition sieht Fehlstart für neue Koalition
       
       Die Tatsache, dass eine ganze Reihe von Abgeordneten der grün-schwarzen
       Koalition nicht für Özdemir stimmten, löste unterschiedliche Reaktionen
       aus. „Das bringt eine Zweidrittelmehrheit mit sich“, sagte
       Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz dem SWR nach der Abstimmung. „Bei
       einer so großen Mehrheit kann das einfach mal vorkommen, das tut dem
       Ergebnis nichts ab.“ CDU-Fraktionschef Tobias Vogt sagte: „Es ist eine
       geheime Wahl. Das ist ein gutes Ergebnis. Es zeigt, dass die
       Regierungskoalition funktioniert.“
       
       Die Opposition sieht das Ergebnis hingegen als Klatsche für Özdemir. „Ein
       überraschender Fehlstart“, kommentierte SPD-Fraktionschef Sascha Binder im
       SWR. „Es scheint so, dass der Ministerpräsident erstmal die Probleme im
       eigenen Lager lösen muss, bevor er sich um die wichtigen Probleme im Land
       kümmern kann.“
       
       13 May 2026
       
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