# taz.de -- Petersberger Klimadialog und Irankrieg: Nicht jeder hört den Weckruf
> Auf dem Petersberger Klimadialog betonen viele, wie wichtig in Zeiten
> hoher Ölpreise Klimaschutz ist. Doch das Bild wird schnell rissig.
(IMG) Bild: Bundeskanzler Merz beim 17. Petersberger Klimadialog in Berlin
Oft haben Gipfel der internationalen Klimadiplomatie etwas Weltfremdes:
Während draußen immer mehr Öl, Gas und Kohle verbrannt, Wälder gerodet und
Moore trockengelegt werden, lobpreisen Politiker*innen drinnen die
Vorzüge von Sonnenstrom und E-Autos. Nicht so auf dem [1][Petersberger
Klimadialog] in Berlin, der am Mittwoch zu Ende ging. Die echte Welt hielt
in Form der fossilen Energiekrise, ausgelöst durch den Irankrieg, Einzug in
die Konferenzhalle.
Kaum ein Redebeitrag kam ohne einen Verweis auf die [2][rasant gestiegenen
Ölpreise] aus. „Jetzt ist nicht die Zeit zu zögern beim Ausbau sauberer,
verlässlicher Energie“, sagte Australiens Klimaminister Chris Bowen, der
die nächste UN-Klimakonferenz leiten wird. „Fossile bieten keine
Energiesicherheit“, stimmte sein türkischer Kollege Murat Kurum zu.
Erneuerbare dagegen, sagte der deutsche Umweltminister Carsten Schneider
(SPD), seien „Sicherheitsenergien“.
Nur Friedrich Merz schaffte es, die hohen Ölpreise in seiner Rede
auszublenden. Er betonte zwar, dass Deutschland hinter seinem Klimaziel
stehe und seinen „fairen Beitrag“ zum globalen Klimaschutz leisten wolle.
Dass saubere Industrien in der Erneuerbarenbranche und der
Kreislaufwirtschaft ein Wachstumstreiber und die Märkte für Rohmaterial
wankelmütig seien. Aber die Verbindung zur europäischen Abhängigkeit von
fossilen Brennstoffen und damit von Autokraten in Moskau, Washington und im
Mittleren Osten stellte er nicht her.
Überraschend aber ist, dass Merz ankündigte, die Verknüpfung von Klima,
Frieden und Sicherheit zu stärken. In seinem [3][Nationalen Sicherheitsrat]
fehlten bislang Umweltexperten, obwohl der BND selbst die Klimakrise als
genauso gefährlich für die europäische Sicherheit wie Russland, China und
den internationalen Terrorismus einschätzt.
Die Lösungen, die Merz präsentiert, bleiben aber hinter dieser Ankündigung
zurück: Wie schon bei seiner Rede vor dem UN-Klimagipfel in Brasilien
stellte er Innovation ins Zentrum seiner Klimapolitik, obwohl die nötigen
Technologien – billiger Strom aus Wind und Sonne, Batterien, E-Autos,
Wärmepumpen, Züge – längst erfunden wurden.
„Idealerweise wären wir schneller, wenn wir könnten“, sagte Merz, ohne mit
der Wimper zu zucken, während Referentenentwürfe seiner
Bundeswirtschaftsministerin [4][Katherina Reiche] zirkulieren, die den
Ausbau der Erneuerbaren ausbremsen und den Bau von zu vielen Gaskraftwerken
forcieren sollen.
Nicht nur das, die Bundesregierung setzt sich auch kein neues Ziel für die
finanzielle Unterstützung ärmerer Länder bei Klimaschutz und -anpassung,
obwohl das alte 2025 auslief. Dadurch stärkt sie den Eindruck:
Energiesicherheit wollen wir vor allem für uns selbst. Der Rest kann
schauen, wo er bleibt.
22 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
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