# taz.de -- Deepfake-Affäre in der CDU Niedersachsen: Die CDU steckt den Elefantenpimmel einfach wieder weg
       
       > Die CDU Niedersachsen hat am Rande ihrer Klausurtagung die
       > Deepfake-Affäre für beendet erklärt. Also ist jetzt alles wie immer? Na
       > ja, nicht für alle.
       
 (IMG) Bild: CDU-Fraktionschef Lechner im niedersächsischen Landtag
       
       War da was? Na ja, irgendwas war da wohl schon. Immerhin ist die
       niedersächsische CDU-Landtagsfraktion um zwei Mitarbeiter mit Glied ärmer.
       Eine Rückblende für alle, die mit Wichtigerem befasst waren ([1][Wal],
       Weltgeschehen, was auch immer): Am 1. April gibt die Fraktion eine
       bemerkenswerte Pressemitteilung heraus.
       
       „An die CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag ist ein Sachverhalt
       herangetragen worden, in dem es um die Verbreitung eines möglichen
       KI-Deepfakes mit sexualisiertem Inhalt im Rahmen einer privaten
       Whatsapp-Gruppe mit Bezug zur Mitarbeiterschaft der Fraktion geht“, heißt
       es darin geziert vernebelnd.
       
       Man habe das Ganze der Staatsanwaltschaft übergeben, wolle eine lückenlose
       und transparente Aufarbeitung und hüllt sich ansonsten erst einmal in
       Schweigen – zum Schutz der Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten, erklärt
       man weiter.
       
       In den nächsten Tagen enthüllt sich scheibchenweise die Wahrheit hinter
       diesem Aprilscherz. Die private Whatsapp-Gruppe hieß „MitGLIEDER“,
       erkennbar am Profilbild, das einen Elefanten mit erigiertem Penis zeigt.
       Der Bezug zur Mitarbeiterschaft der Fraktion: Zwei Drittel der männlichen
       Fraktionsmitarbeiter gehörten ihr an.
       
       ## Schwer erträglich, frauenverachtend, erniedrigend
       
       Das KI-Deepfake mit sexualisiertem Inhalt: Ein Video, von dem es zunächst
       nur hieß, es zeige eine junge Mitarbeiterin der Fraktion, die im Bikini
       lasziv herumtanze. Später: Sie soll auf die Knie gegangen sein und die
       Lippen zum Oralverkehr geschürzt haben.
       
       „Schwer erträglich, frauenverachtend, erniedrigend“, nennt das
       Fraktionschef Sebastian Lechner in einem Interview mit der Hannoverschen
       Allgemeinen Zeitung (HAZ). Aber der ist ja auch Vater einer Tochter.
       
       Man kennt diese elende Empathiekrücke, die viele Männer seltsamerweise zu
       brauchen scheinen, weil sie sich keinesfalls direkt in Frauen
       hineinversetzen können – sondern nur in solche, mit denen sie nach den
       Gesetzen des Patriarchats irgendwie verbunden sind. Aber das ist ein
       anderes Thema.
       
       Die Konsequenzen? Nun ja, da wird es schwierig. Zunächst einmal soll den
       Jungs (man tut sich ja schwer, sie Männer zu nennen) in der Whatsapp-Gruppe
       relativ schnell aufgefallen sein, dass das jetzt ein bisschen zu weit geht.
       
       Schon im Januar soll der damalige Fraktionsgeschäftsführer und
       Bürgermeisterkandidat Adrian Mohr die anderen stolzen Penisträger
       angewiesen haben, das Video ganz schnell zu löschen, sich die Hände zu
       waschen und die Klappe zu halten. Der Ersteller soll eine Abmahnung
       erhalten haben. Zumindest an diesem Punkt soll auch die Parlamentarische
       Geschäftsführerin Carina Herrmann im Bilde gewesen sein.
       
       ## Opfer erfährt es erst nach drei Monaten
       
       Darüber, wie scharf dieses Bild gewesen ist, gibt es immer noch Streit.
       [2][Herrmann sagt, sie habe zu diesem Zeitpunkt weder das Video noch das
       Profilbild] und den Namen der Whatsapp-Gruppe gekannt. Der
       Fraktionsgeschäftsführer hat das anders in Erinnerung.
       
       Das Thema kocht just in dem Moment wieder hoch, als der Fall von Collien
       Fernandes Schlagzeilen macht und eine bundesweite Debatte darüber anfacht,
       wie viel die Persönlichkeitsrechte und das Selbstbestimmungsrecht einer
       Frau im Netz wohl wert sind.
       
       Nun – mit drei Monaten Verspätung – erfährt auch das Opfer, warum die
       Kollegen immer so schmierig grinsen, wenn sie den Raum betritt. Einer der
       Elefantenpimmel-Jungs hat am Ende doch gepetzt. Die Fraktionsspitze trifft
       sich noch in den Osterferien zu Krisensitzungen und beschließt schließlich
       die Flucht nach vorn: mit ebenjener Pressemitteilung vom 1. April.
       
       Dem [3][Ersteller des Videos wird fristlos gekündigt], der
       Fraktionsgeschäftsführer wird suspendiert. Strafrechtlich werde sich da
       aber wohl nicht viel machen lassen, erklärt die zuständige
       Staatsanwaltschaft nach kurzer Prüfung. Möglicherweise ein Verstoß gegen
       das Kunsturhebergesetz, aber ansonsten erfüllt so etwas weder den
       Tatbestand der sexuellen Belästigung noch der Beleidigung.
       
       ## Ein Husarenstück der Krisen-PR
       
       Die CDU erklärt derweil, sie wolle Schutzmaßnahmen für [4][dieses und
       potenzielle weitere Opfer] ergreifen. Man benennt die
       Ex-Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast als Ombudsfrau und
       Ansprechperson, bestellt eine externe Mediation, um das beschädigte
       Arbeitsklima zu reparieren – und erklärt am 5. Mai, gut einen Monat nach
       der ersten Presseerklärung, am Rande der Klausurtagung in Hitzacker die
       Sache für erledigt. Weitere arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen werde es
       nicht geben.
       
       Das ist natürlich eine Chuzpe, die einem schon Bewunderung abnötigt. Ein
       echtes Husarenstück in Sachen Krisen-PR. Und vielleicht kann man – mit ganz
       viel gutem Willen – daraus sogar so etwas wie einen Fortschritt lesen.
       Immerhin mussten zwei Männer ihren Posten räumen. Nachgerückt sind jeweils
       Frauen.
       
       Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack. Denn für die restlichen Mitglieder
       des Elefantenpimmelklubs hat das Ganze keine Konsequenzen. Es ist nicht mal
       sicher, dass sie verstanden haben, dass dieser Klub – der über mehrere
       Jahre bestanden haben soll – an sich schon ein Problem ist. Und: Das Opfer
       und die anderen Frauen müssen [5][weiter mit ihnen zusammenarbeiten].
       
       Eigentlich müsste man denen doch mindestens eine Schmutzzulage zahlen – und
       die direkt vom Gehalt der MitGLIEDER abziehen.
       
       5 May 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [5] https://cdultnds.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nadine Conti
       
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