# taz.de -- Digitalisierte Gewalt: EU will KI für Missbrauch-Deepfakes verbieten
> Laut EU-Ratspräsidentschaft gibt es eine Einigung auf eine Anpassung des
> KI-Gesetzes. Die Reform könnte Anfang Dezember wirksam werden.
(IMG) Bild: Im Netz werden viele manipulierte pornografische Bilder geteilt
dpa/rtr | KI-Anwendungen zum missbräuchlichen Erstellen von sexualisierten
Deepfakes sollen in der EU künftig verboten sein. Vertreter der
Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments einigten sich auf eine
entsprechende Anpassung des KI-Gesetzes, wie die zyprische
EU-Ratspräsidentschaft mitteilte. Zugleich sollen andere KI-Regeln
vereinfacht werden, um das wirtschaftliche Potenzial von künstlicher
Intelligenz in Europa auszuschöpfen.
Bevor die Änderungen in Kraft treten können, muss die Einigung noch vom
Plenum des EU-Parlaments und dem Rat der Regierungen der Mitgliedstaaten
bestätigt werden. In der Regel gilt das als Formalie. Geht die Reform
durch, würde das Verbot ab 2. Dezember 2026 federführend vom KI-Amt der EU
durchgesetzt werden, das vor zwei Jahren geschaffen wurde.
Bei sogenannten Deepfakes wird etwa das Gesicht einer Frau in ein anderes
Video – etwa eine Porno-Sequenz – eingefügt oder die Stimme künstlich
nachgeahmt, sodass es wirkt, als würde sie Dinge tun oder sagen, die
tatsächlich nie passiert sind. Durch die Entwicklung von KI ist die
Erstellung täuschend echter Inhalte sehr viel einfacher geworden.
Das neue Verbot soll explizit auch auf das Erstellen von Inhalten abzielen,
die sexuellen Kindesmissbrauch darstellen. Die FDP-Europaabgeordnete Svenja
Hahn begrüßte die Einigung: „KI darf kein Werkzeug für sexualisierte Gewalt
gegen Kinder sein“, teilte sie nach den bis tief in die Nacht andauernden
Verhandlungen mit.
„Bis Ende dieses Jahres werden alle, insbesondere jedoch Frauen und
Mädchen, vor schrecklichen Nacktbild-Apps sicher sein, die auf dem
EU-Markt weit verbreitet sind“, sagte die niederländische EU-Abgeordnete
Kim van Sparrentak. Ab diesem Datum soll auch eine obligatorische
Kennzeichnung für KI-generierte Inhalte gelten.
## Grok-Skandale und deutsche Debatte über digitale Gewalt
Auf EU-Ebene rückte das Thema Ende vergangenen Jahres durch den KI-Chatbot
Grok in den Fokus: Bis die von Tech-Milliardär Elon Musk geführte US-Firma
hinter der Software diese Funktion einschränkte, befahlen Menschen der KI
immer wieder, Frauen in von ihnen ausgewählten Bildern zu entkleiden. An
Silvester entschuldigte sich der Chatbot selbst dafür, ein Bild von zwei
Mädchen im Teenager-Alter „in sexualisierten Outfits“ erstellt zu haben.
In Deutschland bekam die Debatte über sexualisierte digitale Gewalt Ende
März neue Dringlichkeit, als Collien Fernandes mit Vorwürfen gegen ihren
Ex-Mann Christian Ulmen an die Öffentlichkeit ging. Bei diesen Vorwürfen
geht es nicht um Deepfakes. Fernandes wirft ihm vor, Fake-Profile in ihrem
Namen erstellt und darüber pornografische Inhalte verbreitet zu haben. Für
Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe gibt es
bundesweit eine große Diskussion über digitale und sexualisierte Gewalt
gegen Frauen – und breite Medienberichterstattung darüber. Tausende
Menschen zogen für Demonstrationen auf die Straße und forderten mehr Schutz
für Opfer. Im Zusammenhang mit dieser Debatte ging es auch immer wieder um
sexualisierte Deepfakes und Deepfake-Pornografie. Material dieser Art
kursiert schon seit Jahren im Netz.
7 May 2026
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