# taz.de -- Überwachungssoftware Palantir: Dobrindt hat für Thiel den Fuß in der Tür
       
       > Sicherheitsexperten raten von Palantir ab. Doch Innenminister Dobrindt
       > stört das nicht, wie die Antwort auf eine Grünen-Frage zeigt.
       
 (IMG) Bild: Trumps trojanisches Pferd: Die Software Palantir wurde vom Trump- und J.-D.-Vance-Unterstützer Peter Thiel gegründet
       
       Die viel kritisierte Analyse-Software der Firma Palantir hatte zuletzt
       immer weniger Unterstützer: Der Präsident des Bundeskriminalamts Holger
       Münch plädiert für digitale Souveränität in Europa und [1][weniger
       Abhängigkeit von einzelnen IT-Firmen]. Der Bundeswehr-Vizeadmiral und
       Cyber-Chef Thomas Daum spricht sich offen [2][gegen die Nutzung von
       Palantir-Software aus]. Und der Präsident des Bundesamtes für
       Verfassungsschutz, Sinan Selen, plädiert für [3][europäische Alternativen
       der Datenanalyse].
       
       Einer hat den Schuss auch nach dem autoritären [4][Manifest des
       Palantir-CEO Alex Karp] noch immer nicht gehört: Innenminister Alexander
       Dobrindt (CSU). Der CSU-Politiker hält auch weiterhin für die Firma seinen
       Fuß in der Tür – trotz immer lauter werdender Kritik an der vom bekennenden
       Antidemokraten und Trump-Unterstützer Peter Thiel gegründeten Firma.
       
       In einer der taz vorliegenden Antwort auf eine schriftliche Frage des
       Grünen-Abgeordneten Konstantin von Notz heißt es, dass die Bundesregierung
       unverdrossen an ihrer bisherigen Position festhalte: „Entscheidungen über
       etwaige Beschaffungen werden von den jeweils zuständigen Ressorts im Rahmen
       der geltenden Zuständigkeitsordnung und unter Berücksichtigung der
       fachlichen Bedarfe getroffen.“ Eine gesonderte Positionierung der
       Bundesregierung sei nicht erforderlich.
       
       Ob Bundesstellen oder Nachrichtendienste die Software bereits nutzen oder
       planen diese zu nutzen, lässt das Innenministerium mit Hinweis auf
       Geheimschutz unbeantwortet. Hessen, Bayern und NRW nutzen die Software
       bereits. In Baden-Württemberg wollen [5][Grüne mit Palantir abgeschlossene
       Verträge am liebsten wieder kippen].
       
       ## Schaut Mordor zu?
       
       Dass Dobrindt trotz allem weiter ein Herz für die Autokraten-Software hat,
       mag auch an seinem Parteibuch liegen: Die CSU war immer im deutschen
       Sprachraum der größte Fürsprecher der Thiel-Software. Die deutsche
       Konzernzentrale liegt nur ein paar Kilometer von der Bayerischen
       Staatskanzlei entfernt und dort betont man immer wieder, wie toll die
       Ermittlungsarbeit mit der dort unprätentiös „Vera“ genannten Software
       laufe.
       
       Das dabei gern ausgeblendete Problem von vielen Datenschützer*innen: Bei
       der Software ist es letztlich [6][wie bei den sehenden Steinen („Palantir“)
       aus dem Herr-der-Ringe-Universum] – niemand weiß, welche dunklen Mächte
       sonst noch zuschauen könnten (Mordor, Trump). Viele Expert*innen halten
       die Nutzung auch wegen der noch größeren Abhängigkeit von US-Firmen bei
       kritischer Infrastruktur für einen Fehler – hohe Kosten gibt’s obendrauf.
       
       Der Innenminister steht nun zwischen den Stühlen. Er klang zuletzt fast so,
       als wenn ihm eine europäische Software lieber wäre, aber für eine klare
       Absage an Palantir [7][reichte es bisher nicht]. Und Fakt ist: Die gerade
       von Dobrindt durchs Kabinett gebrachte Erweiterung der digitalen
       Ermittlungsbefugnisse wäre auch für Palantir-Bedürfnisse maßgeschneidert –
       wohlgemerkt während Trump gleichzeitig neue Strafzölle gegen die EU
       verhängt und den Abzug von Truppen und den Rückbau des atomaren
       Schutzschirms erwogen.
       
       Der grüne Innenpolitiker Konstantin von Notz fordert nun Dobrindt auf,
       endlich Abstand von Palantir zu nehmen: „Trotz der ernstzunehmenden
       Bedenken aus gleich mehreren dem Innenministerium unterstellten
       Sicherheitsbehörden hält Bundesinnenminister Dobrindt weiter völlig
       unbeirrt an Palantir fest.“ Mit seinen Entwürfen zur Erweiterung digitaler
       Ermittlungsbefugnisse lasse er die Tür für Palantir bewusst offen.
       
       Von Notz verweist darauf, dass die Mehrheit der Landesinnenminister
       mittlerweile die Software ebenso ablehnen wie wenigstens drei von Dobrindts
       Kabinettskollegen: die Justizministerin Stefanie Hubig, der
       Verteidigungsminister Boris Pistorius (beide SPD) sowie der
       [8][Digitalminister Karsten Wildberger (CDU)]. Von Notz fragt: „Wen will
       Dobrindt eigentlich mit Palantir beglücken? Und was ist bei alledem
       eigentlich die Position der Bundesregierung?“
       
       Das Agieren des Ministers werde mittlerweile selbst ein Stück weit „zum
       sicherheitspolitischen Risiko“, kritisiert der Grünen-Innenpolitiker. Von
       Notz verweist auf [9][mögliche europäische Alternativen] – und verlangt:
       Angesichts „des völlig erratischen Agierens des Bundesinnenministers muss
       nötigenfalls der Bundeskanzler ein Machtwort in dieser für die Sicherheit
       unseres Landes zentralen Frage sprechen.“
       
       Der Gegenwind reicht offenbar mittlerweile bis ins bayerische
       Innenministerium. Auf taz-Anfrage lobt man dort zwar wie gewohnt abermals
       den Funktionsumfang der Software. Selbst das autoritäre Karp-Manifest
       kommentiere man nicht, aber: „Gleichwohl verfolgt Bayern das Ziel,
       langfristig unabhängiger und digital souveräner zu werden“, weswegen man
       derzeit eine Marktschau nach deutschen und europäischen Alternativen
       durchführe. „Es zeichnet sich aktuell ab, dass einige Unternehmen aus
       Deutschland und Europa Anwendungen entwickeln, die perspektivisch das
       Potenzial haben könnten, die relevanten Funktionen – analog zu den
       Produkten von Palantir – abzubilden.“
       
       4 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.zeit.de/news/2026-03/11/bka-chef-muench-keine-abhaengigkeit-von-einzelnen-it-firmen
 (DIR) [2] https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/software-palantir-fuer-die-bundeswehr-sehe-ich-momentan-ueberhaupt-nicht/100217143.html
 (DIR) [3] https://www.heise.de/news/Verfassungsschutzpraesident-Selen-will-EU-Alternativen-zu-Palantir-11107523.html
 (DIR) [4] /Thesen-des-Palantir-CEO-Alex-Karp-Geschaeftsmodell-Kontrolle/!6170381
 (DIR) [5] https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/urabstimmung-gruene-bw-zu-palantir-100.html
 (DIR) [6] /Die-Bundeswehr-bedient-sich-bei-Tolkien/!6119847
 (DIR) [7] /Mehr-Ermittlungsbefugnisse-fuer-Polizei/!6174997
 (DIR) [8] https://www.heise.de/news/Digitale-Souveraenitaet-Wildberger-will-weniger-Microsoft-und-Palantir-11257484.html
 (DIR) [9] https://gruen-digital.de/2025/08/verhindert-das-bundesinnenministerium-bewusst-eine-debatte-um-moegliche-palantir-alternativen/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gareth Joswig
       
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