# taz.de -- 22 Thesen des Palantir-Chefs Alex Karp: Geschäftsmodell Kontrolle
> In der Welt des Palantir-Chefs Alex Karp geht es um Konkurrenz, um
> Gegner, um Gewinner und Verlierer. Manche sehen Technofaschismus am Werk.
(IMG) Bild: Alex Karp, CEO von Palantir Technologies
Dass Menschen fehlbar sind und der Körper Grenzen hat, das ist in einer
leistungsoptimierten Gesellschaft wahrlich kein vertuschtes Thema. Doch
selten wurde uns diese Fehlbarkeit derart bitter vorgeführt wie in dieser
Woche. Bei einem Halbmarathon in Peking schaffte ein Roboter in nur 50
Minuten und 26 Sekunden die Strecke von 21 Kilometern, deutlich schneller
als der menschliche Weltrekord.
Klar, die Gewinnermaschine muss nicht atmen, nicht trinken, hat keine
Schmerzen, sondern läuft und läuft und läuft – bis der Saft aus ist oder
eben bis ins Ziel. Dem Menschen geht die Puste aus, er schafft es im besten
Fall mit mehr Eleganz und natürlich mehr Sportsgeist über die Ziellinie als
die Konstruktion aus Blech, Draht und KI.
Der Marathon der Maschine wäre wohl ein Kuriosum geblieben – eine
Nachricht, die ein mulmiges Gefühl über die menschliche Ersetzbarkeit
hinterlässt, aber als Phänomen aus dem weit entfernten China gewertet
werden kann. Ein Zukunftsszenario also. Doch diese Zukunft ist wohl längst
Gegenwart. Glaubt man Alex Karp, Autor des Buches „The Technological
Republic“ und CEO von [1][Palantir Technologies].
Via X postete Karp 22 Thesen, eine Art Kurz- und Zusammenfassung seines
Buchs. In seiner Welt geht es um Konkurrenz, um Gegner, um Gewinner und
Verlierer. Das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz kommt, denn das
Atomzeitalter neigt sich dem Ende, heißt es dort. Es geht um Wachstum und
Sicherheit, um Überwachung und Gesellschaften, in denen nichts unbemerkt
bleibt. Das ganze garniert mit MAGA-Buzzwords gegen Pluralismus, gegen Soft
Power, gegen demokratische staatliche Strukturen. Manche sehen darin auch
ein Manifest für den Technofaschismus.
## Bereits im Einsatz, auch in Deutschland
Die Thesen sind doch eher ein entlarvendes Statement eines Unternehmens,
das sich die Fehlbarkeit der Menschheit zunutze macht und in Gewinn
umwandelt. Natürlich ideologiegetrieben und am Rande der Illegalität. Daran
ist nichts zu beschönigen.
Etliche US-Behörden nutzen trotzdem Software-Angebote von Palantir, etwa
[2][in Waffensystemen]. Oder um Straftäter zu finden, oder um die
Bevölkerung zu durchleuchten. Auch in Deutschland, in Baden-Württemberg
etwa, kommt die umstrittene Technologie zum Einsatz. Das Geschäftsmodell
ist Kontrolle dort, wo der Mensch scheitert.
Übrigens: Palantir, das sind die sehenden Steine in Tolkiens „Der Herr der
Ringe“. Die Feinde der freien Völker Mittelerdes benutzen diese Steine, um
zu kommunizieren und um andere auszuspähen.
27 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tanja Tricarico
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