# taz.de -- Eis in Berlin: Zwischen Waffel und Wahnsinn
> Die Gelato Week bringt Berlins Eisdielen auf Touren – mit Einheitspreis,
> Experimentierfreude und der Frage, wann die Erbsensuppe im Eis landet.
(IMG) Bild: Abkühlung, kulinarisches Erlebnis und Luxus: Der Gang zur Eisdiele wird immer teurer
Das erste warme Wochenende liegt hinter uns, der Erste Mai ist verraucht –
und kaum jemand in Berlin wird sich die Gelegenheit entgehen lassen haben,
nebenher zumindest ein, zwei Kugeln Eis als saisonale Selbstvergewisserung
einzuplanen. In diese Stimmung hinein platzt, wie jedes Jahr zur rechten
Zeit, die Gelato Week vom 7. bis 17. Mai: ein stadtweites Versprechen auf
Abkühlung, Abwechslung und [1][finanziellen Ruin].
Rund 50 Eisdielen machen diesmal mit, jede steuert eine eigens für die
Woche ersonnene Sorte bei – zum demokratisch anmutenden Einheitspreis von
1,80 Euro pro Kugel. Eine übersichtliche Summe, die in Berlin inzwischen
fast schon nostalgische Gefühle weckt. Wer möchte, kann sich systematisch
durch die Stadt schlecken: von Diele zu Diele, von Idee zu Idee. [2][Zur
Orientierung gibt es wie jedes Jahr eine Karte, gedruckt oder digital.]
Und tatsächlich: 1,80 Euro, das wirkt im Jahr 2026 fast wie ein
nächstenliebender Rechenfehler. In Berlin eine Kugel Eis zu erwerben, die
weniger als 2 Euro kostet, ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, und
wenn, dann ganz weit draußen – etwa in Spandau. In der Innenstadt beginnen
die Preise bei soliden 2,50 Euro, und wer sich in die Sphären der besonders
ambitionierten Eismachkunst vorwagt, landet schnell jenseits der
Drei-Euro-Marke.
Ein Besuch bei der Eispatisserie-Kette Hokey Pokey etwa ist nicht nur
geschmacklich, sondern auch finanziell ein Ereignis. Mit Kindern im
Schlepptau, die erfahrungsgemäß weder Maß noch Kompromiss kennen – und
zugegebenermaßen bei sauleckeren Sorten, wie Banane mit Erdnussbutter, auch
gar nicht kennen sollen –, kann sich der spontane Eisdielenbesuch rasch in
eine Familienkrise auswachsen. Am Abend gibt’s dann jedenfalls nur noch
Butterbrot.
Doch nicht nur die Preise ziehen an, auch die Fantasie kennt kaum noch
Grenzen. Eis ist ein Experimentierfeld geworden, hin und wieder auch eine
Mutprobe: Süßkartoffel, Brezel, Bier-Sorbet – man hört so einiges. Die
Gelato Week steht dem nicht nach: Schwarzer Sesam trifft auf
Erdbeer-Matcha-Latte, Käsekuchen begegnet Pistazie und Ingwer, und getoppt
wird das Ganze mit Milcheis mit Rosmarin-Infusion, Zitrone und einem Hauch
scharfem Olivenöl. Man kann das aufregend finden oder leicht übermotiviert.
Aber gut: Noch hat niemand ernsthaft versucht, Linsensuppe oder
Erbseneintopf in Kugelform zu pressen. Und solange das so bleibt, ist in
dieser Stadt offenbar noch nicht alles verloren.
4 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Susanne Messmer
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