# taz.de -- Lebensmittelpreise: Schokolade wird günstiger
       
       > Wegen der stark gestiegenen Preise essen viele Menschen weniger
       > Schokolade. Nun deutet sich jedoch Entspannung an.
       
 (IMG) Bild: Gute Nachrichten: Die Preise für Schokolade fallen wieder
       
       dpa | Gute Nachricht für Schokoladenfans: Weil [1][mehr Kakao] geerntet
       wurde, geben die Preise in Geschäften zumindest teilweise wieder leicht
       nach. „Die Ernten in der Elfenbeinküste und Ghana sind deutlich höher
       ausgefallen, die Exportmengen höher und Einkaufspreise entsprechend
       gesunken“, sagt Finn Ole Semrau, Handelsexperte am Kiel Institut für
       Weltwirtschaft.
       
       Die großen deutschen Lebensmitteleinzelhändler haben kürzlich die
       Verkaufspreise zahlreicher Eigenmarkenprodukte erstmals seit langem
       reduziert. So kostet etwa eine Tafel Vollmilchschokolade nun 89 Cent, eine
       mit ganzen Haselnüssen 1,29 Euro – jeweils 10 Cent weniger als vorher. Auch
       andere Artikel wurden billiger.
       
       Die Rohkakaopreise an den Rohstoffbörsen sind zuletzt deutlich gefallen.
       Der von der internationalen Kakaoorganisation (ICCO) ermittelte Tagespreis
       lag Ende vergangener Woche nur noch bei knapp 3.500 Euro pro Tonne. Laut
       Semrau liegt er damit auf dem Stand vor der Krise. Dass auch die
       Verbraucherpreise wieder das frühere Niveau erreichen könnten, glaubt er
       jedoch nicht.
       
       [2][In den vergangenen Jahren ist Schokolade deutlich teurer geworden.]
       Ursache sind gestiegene Rohstoffkosten. 2024 stieg der ICCO-Tagespreis pro
       Tonne zeitweise auf deutlich mehr als 10.000 Euro. Hintergrund waren
       befürchtete Ernteausfälle in Westafrika durch Pflanzenkrankheiten [3][und
       Extremwetter.] In der Folge zogen die Verbraucherpreise kräftig an. Laut
       Statistischem Bundesamt kostete eine Schokoladentafel im Dezember im
       Schnitt 69 Prozent mehr als 2020, Riegel oder andere Schokoladenerzeugnisse
       fast 72 Prozent. Besonders stark fiel der Anstieg bei den nun reduzierten
       Eigenmarken der Handelsketten aus. Der Preis für eine Tafel Vollmilch war
       laut der Vergleichsapp Smhaggle zwischen 2022 und 2025 von 49 auf 99 Cent
       gestiegen.
       
       ## Verbraucher „ein bisschen verwöhnt“
       
       Die Konsumenten griffen zuletzt seltener zu Schokolade. Einer
       YouGov-Umfrage zufolge kauft jeder Zweite (52 Prozent) deutlich oder etwas
       weniger als vor zwei Jahren, 39 Prozent etwa gleich viel, nur 5 Prozent
       mehr. Dies spüren auch die Hersteller. Laut der Marktforschungsfirma NIQ
       ging die Zahl der verkauften Packungen 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,8
       Prozent zurück, bei Weihnachtsschokolade sogar um 12 Prozent. Verbraucher
       kauften häufiger Sonderangebote und Eigenmarken.
       
       Markenhersteller verzeichneten deshalb teilweise Verluste. Ritter Sport
       schrieb im vergangenen Jahr trotz höherer Umsätze rote Zahlen. Die höheren
       Preise führten vor allem in Deutschland zu enormen Absatzrückgängen. Dies
       liege auch daran, dass Verbraucher „ein bisschen verwöhnt“ seien, schreibt
       das Unternehmen in seinem Blog. Deutschland sei lange eines der
       Industrieländer mit den günstigsten Lebensmitteln gewesen. Die Abgabepreise
       spiegelten die tatsächlichen Kosten vielfach noch nicht wider, heißt es.
       Ritter Sport verweist auch auf höhere Ausgaben für Verpackung, Logistik und
       Energie.
       
       ## Wird auch Schokolade von Milka und Lindt wieder billiger?
       
       Die jüngsten Preissenkungen betreffen bislang nur Eigenmarken von
       Discountern und Supermärkten. Der Handel gebe Vorteile im Einkauf aktuell
       direkt an Verbraucher weiter, sagt Philipp Hennerkes, Geschäftsführer des
       Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels. Ökonom Semrau rechnet
       damit, dass weitere Anbieter folgen und Preise ebenfalls senken. „Einige
       Marktteilnehmer haben die Preise stärker erhöht, als die zugegeben
       schwierige Marktlage es rechtfertigen lässt.“
       
       Ob auch Markenprodukte günstiger werden, ist bislang offen. Der
       Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli teilte auf Nachfrage mit, die Preise
       derzeit nicht senken zu können. Kakao werde langfristig eingekauft, zudem
       lägen die Preise über dem Niveau der vergangenen Jahre. Ritter Sport und
       Mondelez (Milka) äußerten sich nicht. Mondelez hatte im vergangenen Jahr
       nicht nur die Preise erhöht, sondern auch den Packungsinhalt etlicher
       Milka-Sorten reduziert.
       
       In Ländern wie Ghana und der Elfenbeinküste legen staatliche Stellen vor
       der Ernte den Abnahmepreis für Rohkakao fest. Auf dieser Basis werden
       Termingeschäfte an den Börsen abgeschlossen. Der Börsenpreis bildet eine
       Grundlage für den weltweiten Kakaopreis. Nur ein Teil der weltweiten
       Bestände wird direkt an der Börse gehandelt. Preisänderungen wirken sich
       für Verbraucher meist verzögert aus.
       
       4 Feb 2026
       
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