# taz.de -- Die Mokka-Milch-Eis-Bar öffnet wieder: Keine nostalgischen Gefühle
       
       > Natacha und Alex Neumann wollen Ende Mai das DDR-Baudenkmal wieder
       > eröffnen. Als Community-Hub mit Gastronomie, Veranstaltungen und
       > Coworking.
       
 (IMG) Bild: Innen noch leer, hier wird sich bald ein Café und Restaurant befinden
       
       Menschen zusammenbringen – das sollte kein Problem sein, die „Mokka Milch“
       befindet sich in bester Lage. Touristisch betrachtet, denn der
       Alexanderplatz ist nur einen Katzensprung weit entfernt. Kinofans werden
       hier vielleicht zu Abend essen, bevor sie im gleich nebenan liegenden
       [1][Kino International] einen Film sehen. Und auch die Kieznachbarschaft
       guckt schon neugierig durch die großen Fenster, sieht ja, dass da etwas vor
       sich geht, und fragt, wann es losgeht. Und ob es hier endlich wieder Eis
       geben wird? „Wird es!“, verspricht Natacha Neumann. Ende Mai soll es so
       weit sein.
       
       Baustellenrundgang in der [2][„Mokka Milch“] mit Natacha und Alex Neumann.
       Das Unternehmerpaar tritt, man muss es so formulieren, ein
       geschichtsträchtiges Erbe an. Hier in der Karl-Marx-Allee 35 in Mitte
       befand sich die historische „MOKKA MILCH EIS BAR“, wie die riesigen
       Versalbuchstaben auf dem Flachdach des langgestreckten Hallenbaus bis heute
       verkünden. Die Leuchtbuchstaben sind original, nun saniert und mit
       energieeffizientem LED ausgestattet.
       
       Die von [3][Walter Franek entworfene Mokka-Milch-Eis-Bar] steht wie die
       Nachbarbauten unter Denkmalschutz und wurde vom privaten Eigentümerpaar
       denkmalgerecht saniert, erzählt Alex Neumann: „Sie haben großes Interesse
       daran, dieser Ort wiederzubeleben.“ Der Architekt wäre mit viel Liebe fürs
       Detail bei der Sache gewesen.
       
       Zu DDR-Zeiten war die Mokka-Milch-Eis-Bar ein beliebter Treffpunkt und ab
       Mitte der 1980er Jahre bei jungen Leuten angesagt, als hier Diskos
       veranstaltet wurden. Daran knüpfen Natacha und Alex Neumann mit ihrem
       Konzept an. „Wir wollen der Ikone der 1960er Jahre neues Leben einhauchen“,
       sagt Natacha Neumann. „Wir wollen einen Raum für Austausch und Anregung,
       für Kreativität und Freude etablieren, einen Ort der Begegnung, in dem
       Menschen zusammenkommen können.“ Die „Mokka Milch“ – so der neue, kürzere
       Name – wird als Community-Hub mit Gastronomie, Veranstaltungsflächen und
       Coworking öffnen.
       
       ## Historischer Ort mit modernem Flair
       
       Das Gebäude ist Bestandteil des zweiten Bauabschnitts des Prachtboulevards,
       der von 1961 bis 1964 von Friedrichshain nach Mitte verlängert wurde. In
       unmittelbarer Nachbarschaft steht das gerade wieder eröffnete und aufwendig
       sanierte Kino International. Und vis-à-vis das ebenfalls sanierte und ab
       und an für private Events genutzte Café Moskau und auch der Salon Babette –
       einer von fünf gleich aussehenden Pavillons im Karree.
       
       Die historische Mokka-Milch-Eis-Bar wurde in der Wendezeit geschlossen. Ab
       1993 gab es hier ein Restaurant samt Nachtclub im Keller, 2019 wurde der
       Betrieb aber ganz eingestellt. Es stand einige Jahre leer. Die
       denkmalgerechte Sanierung wurde Ende 2024 abgeschlossen.
       
       Nach Jahren des Leerstands herrscht wieder Hochbetrieb. Im Keller röhrt
       gerade eine schwere Bohrmaschine, auf der Galerie im Erdgeschoss wird
       Teppich verklebt, und im oberen Stockwerk wuseln eine Handvoll Handwerker.
       „Die Glastür war vorhin noch nicht drin“, sagt Natacha Neumann. „Das geht
       alles so schnell.“ Und doch ist noch allerhand bis zur Eröffnung zu tun.
       
       Im lichtdurchfluteten Erdgeschoss – jetzt noch völlig leer – wird linker
       Hand ein Café eingerichtet, das sich abends in eine kleine Bar verwandeln
       soll; rechter Hand ein Restaurant. Auf der offenen Galerie im oberen Teil
       des hohen Raumes, über eine Treppe zu erreichen, soll eine „Lounge
       einladen, die tagsüber auch zum spontanen Arbeiten genutzt werden kann“,
       sagt Alex Neumann. Das würde eher an ein Wohnzimmer erinnern, so der Plan,
       „nicht zu modern und eher schlicht, aber eben gemütlich“ mit Sesseln,
       Pflanzen, Teppich. Natacha Neumann ergänzt, dass niemand auf Holzstühlen
       aus den 1960er Jahren im Café oder Restaurant sitzen muss. „Wir wollen eine
       gute Mischung von historischem Stil und modernem Flair.“
       
       ## Coworking im Obergeschoss und eine Tanzfläche im Keller
       
       Im Keller stehen Wärmepumpen, dort gibt es neben Funktionsräumen eine 100
       Quadratmeter große Tanzfläche und, wichtig: 100 Prozent Schallschutz wegen
       der Anwohnerschaft ringsum. Der Boden muss noch verlegt werden, alle
       Leitungen sind neu, und endlich gibt es auch einen Fahrstuhl im Haus.
       
       Im hinteren Bereich des Erdgeschosses gibt es Besprechungsräume für
       Workshops und Tagungen, im Obergeschoss wird es typische
       Coworking-Arbeitsplätze geben, die man mieten kann, sagt Natacha Neumann.
       „Eine perfekte Liaison für Leute, die alleine arbeiten: ein Büro mit
       Café-Anschluss“, sagt Neumann, „damit man sich vernetzen kann.“ Die
       Restaurantküche wird mediterran-levantinisch ausgerichtet sein
       
       „Mokka Milch“ richtet sich an Selbstständige, Initiativen, Unternehmen und
       zivilgesellschaftliche Akteur:innen, die einen zentralen Ort für
       Zusammenarbeit und öffentliche Debatte suchen. Ideen sind deshalb auch von
       außen gesucht, „gern einfach melden“, sagt Natacha Neumann.
       
       Den Austausch erleichtern sollen verschiedene Veranstaltungen, das können
       ein Tanz- oder Malkurse sein, ein Yogakurs oder ein Schachspiel, sagt
       Natacha Neumann, die mit ihrem Konzept auch der Vereinsamung etwas
       entgegensetzten möchte: „Einsamkeit ist ein Tabuthema unserer Zeit“, sagt
       sie. Und Alex Neumann ergänzt: „Wir wollen mit unserem Angebot dem ernsten
       Thema Einsamkeit etwas Leichtigkeit entgegensetzen, gerade in diesen
       schwierigen Zeiten.“
       
       ## Ein bekannter Schlager aus den 1960ern
       
       Das Unternehmerpaar kommt aus der Lebensmittelbranche, wie sie erzählen,
       sie wollten schon länger ins Gastrogewerbe wechseln und waren in der Stadt
       und auf Portalen nach geeigneten Lokalitäten auf der Suche. Gar nicht so
       einfach, wie sich herausstellte. In die Mokka-Milch-Eis-Bar haben sie sich
       sozusagen sofort verliebt, sagt Natacha Neumann.
       
       Beide leben seit 15 Jahren in Berlin, wohnen im Prenzlauer Berg, also quasi
       „um die Ecke“. Sie kommt aus Frankreich, er aus dem Rheinland. Mit
       DDR-Ostalgie haben die beiden also beileibe nichts am Hut. Aber das war
       „hier schon damals ein Ort der Innovation und der Begegnung“, sagt Natacha
       Neumann, „eben etwas Besonderes“ – und „diese Energie“ sei hier immer noch
       spürbar, sagt sie und erinnert an dieses eine bestimmte Lied: „Das kennen
       Sie bestimmt!“
       
       Und ob: Ende der 1960er hat Schlagersänger Thomas Natschinski mit seiner
       Gruppe mit dem Lied „Mokka-Milch-Eisbar“ über die junge Liebe in der
       Eisdiele einen Riesenhit gelandet, den viele ältere Ostberliner sicher noch
       mitsingen können. „Das Lied werden wir bestimmt zur Eröffnung im Mai
       spielen“, sagt Alex Neumann.
       
       Beide hoffen, dass das klappt mit dem Eröffnungstermin Ende Mai, und sind
       zuversichtlich, dass die letzten Arbeiten dann abgeschlossen sind und auch
       alle Genehmigungen vorliegen. Fahrradbügel vor der Bar zum Beispiel gibt es
       bislang überhaupt nicht. „Die sind angefragt beim Bezirk“, sagt Alex
       Neumann. So wie die Außenbestuhlung – die hat es hier früher natürlich auch
       gegeben.
       
       7 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Grand-Opening-im-Kino-International/!6159703
 (DIR) [2] https://mokkamilch.de/index.html
 (DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Mokka-Milch-Eisbar
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Hergeth
       
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