# taz.de -- Podcasterin über Frauen im NS-Widerstand: „Wir zeigen, dass Einzelpersonen viel ausrichten können“
       
       > Diana Ringelsiep und Sabrina Waffenschmidt stellen Frauen vor, die sich
       > gegen die Nazi-Diktatur wehrten. Darunter sind auch völlig Unbekannte.
       
 (IMG) Bild: Späte Ehrung: Emilie Schindler hat mit ihrem Mann Oskar jüdische Zwangsarbeiter vor der Ermordung bewahrt
       
       taz: Frau Ringelsiep, Sie machen zusammen mit Sabrina Waffenschmidt einen
       Podcast zum Thema „Frauen im NS-Widerstand“. Geht es Ihnen dabei um mehr
       als Erinnerungskultur? 
       
       Diana Ringelsiep: Ja! Wir leben in schwierigen Zeiten und das Resultat
       davon ist, dass man sich oft ohnmächtig und hilflos fühlt. Und darum haben
       wir uns gedacht, dass wir den Menschen ein paar gute Vorbilder an die Hand
       geben, die zeigen, dass Einzelpersonen viel ausrichten können.
       
       taz: Welche Frauen stellen Sie vor? 
       
       Diana Ringelsiep: Zum Beispiel [1][Emilie Schindler], die Ehefrau von Oskar
       Schindler, der ja durch den Film „Schindlers Liste“ sehr bekannt geworden
       ist. Aber kaum jemand weiß, dass seine Ehefrau maßgeblich an der Rettung
       der 1.200 Juden und Jüdinnen beteiligt war. Er hätte das ohne sie gar nicht
       stemmen können. Sie ist nach dem Krieg zusammen mit ihrem Mann nach
       Argentinien ausgewandert, aber er hat sie dann verlassen und ist zurück
       nach Deutschland, wo er als Held gefeiert wurde. Obwohl sie eine Zeitzeugin
       war, die das alles mit initiiert hatte, haben weder Regisseur Stephen
       Spielberg noch der Autor Thomas Keneally, auf dessen Roman der Film
       basiert, sie je dazu befragt. Der Film hat mehr 300 Millionen Dollar
       eingespielt und sie ist in Armut gestorben.
       
       taz: Über welche Frauen sprechen Sie noch? 
       
       Diana Ringelsiep: Wir haben Berühmtheiten wie Marlene Dietrich und
       Josephine Baker dabei, die als Diven kollektiv in Erinnerung sind, doch
       über deren immenses antifaschistisches Engagement nicht so viel bekannt
       ist. Aber haben auch nach ganz unbekannten Frauen gesucht.
       
       taz: Zum Beispiel? 
       
       Diana Ringelsiep: [2][Hedwig Porschütz, die in sehr armen Verhältnissen in
       Berlin lebte] und damals vielen Menschen geholfen hat, der Deportation zu
       entkommen. Als sie dann nach dem Krieg einen Antrag auf Anerkennung als
       politisch Verfolgte gestellt hat, wurde dieser aufgrund ihrer „frivolen
       Lebensumstände“ abgelehnt, weil Sie, als ihr Ehemann arbeitslos wurde,
       gezwungen war als Prostituierte zu arbeiten. Diese Frau hat kein Grab und
       es existiert kein Foto von ihr.
       
       taz: Es geht in Ihren Podcasts mit dem schönen Namen „Krawalle und Liebe“
       um [3][feministische Selbstermächtigung]. Warum sind Sie dabei oft sehr
       selbstkritisch? 
       
       Diana Ringelsiep: Als wir vor drei Jahren mit dem Podcast anfingen, haben
       wir schnell gemerkt, dass wir uns oft feministischen Ambivalenzen widmen.
       Wir sind ja selber feministisch aktiv, aber wir stoßen auch an unsere
       Grenzen, sodass wir uns manchmal fragen, ob wir vielleicht schlechte
       Feministinnen sind. Wir sind ja als Frauen in einem patriarchalen System
       aufgewachsen und auch wir haben darum [4][misogyne Vorurteile] und
       verinnerlichte Rollenbilder.
       
       taz: Mögen Sie dafür ein Beispiel nennen? 
       
       Diana Ringelsiep: Viele Frauen schauen sich gerne plumpe romantische
       Komödien an, die voller sexistischer Klischees sind. Man ist sich dessen
       bewusst, aber dennoch tut es irgendwie gut, durch sie den Kopf
       freizukriegen und abzuschalten. Wir haben darüber einen Podcast mit dem
       Titel „Romantik am Arsch“ gemacht.
       
       taz: Heißt es deshalb in der Ankündigung zu Ihrer Veranstaltung in Hamburg,
       dass Sie „dahin gehen wo es weh tut“? 
       
       Diana Ringelsiep: Wir haben auch eine Folge über Billigmode gemacht. Da
       schauten wir auf die Etiketten von allen Kleidungstücken, die wir gerade
       anhatten. Und die kamen aus Ländern wie Bangladesch, Hongkong und der
       Türkei. Dann haben wir den Weg dieser Produkte zurückverfolgt. Dabei ging
       es dann von Umweltaspekten wie Mikroplastik und die extrem umweltbelastende
       Färbung der Jeans zu den Arbeitsbedingungen. In Bangladesch [5][kommt es
       immer wieder zu schweren Unfällen in Fabriken] und die Arbeiter*innen
       haben keinen Atemschutz, damit wir für zehn Euro T-Shirts kaufen können.
       Das war eine Folge, in der wir die Leichen im eigenen Keller, oder
       Kleiderschrank, untersucht haben.
       
       Hinweis: Der [6][Name von Hedwig Porschütz] war fehlerhaft wiedergegeben
       worden und ist inzwischen korrigiert. Wir bitten um Entschuldigung, d. Red.
       
       4 May 2026
       
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