# taz.de -- Argentinien vor der Fußball-WM: Panini-Sammel-Fieber in Buenos Aires
> Vor der Fußball-WM gibt es an jedem Kiosk Tauschbörsen für
> Panini-Sticker. Und das trotz Konkurrenz durch Supermärkte. Und
> steigender Preise.
(IMG) Bild: In Argentinien steigt das Sammelfieber: Jede Packung enthält sieben Bildchen und kostet 2.000 Peso
Es sind Codes wie an der Börse: „Late“ und „Nolate“. Sie stehen für „La
tengo“ und „No la tengo“ – „Habe ich“ und „Habe ich nicht“ – und meinen die
Sammelbildchen von Panini zur Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Wie alle vier
Jahre grassiert in Buenos Aires das Sammelfieber. Auch vor dem Kiosk von
Ernesto Acuña im Stadtteil Villa Urquiza schwirren wieder jedes Wochenende
die Codes hin und her. Dann, wenn dort die Tauschbörse für die Figuritas
beginnt, wie die Panini-Sticker in Argentinien genannt werden.
„Das Tauschen ist so wichtig wie das Kaufen und Sammeln überhaupt“, meint
ein Vater, dessen Tochter gerade voll konzentriert „Late“ oder „Nolate“
sagt, während sie einen Stickerstapel durchcheckt. „Wir wohnen hier um die
Ecke, aber wenn sie nicht fündig wird, dann schleppt sie mich zum Parque
Rivadavia, wo gefühlt Tausende tauschen.“ Zwar kann auch übers Internet
getauscht werden, aber: „Nichts ersetzt das direkte Tauscherlebnis“, sagt
der Vater.
Seit Ende April ist „Hay Figuritas?“ – „Gibt es Figuritas?“ – die am
häufigsten gestellte Frage an den zahllosen Kiosken. Und ja: „Es gibt
ausreichend Päckchen mit Figuritas“, sagt der Kiosquero Ernesto Acuña und
zeigt auf die große Auswahl. Lieferschwierigkeiten? Nein, die gebe es
keine. „Nur die Alben sind derzeit noch knapp“, fügt er hinzu.
Acuña muss es wissen. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Unión de
Kiosqueros de la República Argentina (UKRA), die landesweit über 100.000
Kioske vertritt. Und er weiß auch, dass die Situation vor vier Jahren noch
ganz anders war.
Jahrzehntelang basierte der Markt auf vier Akteuren: dem Hersteller Panini,
dem Vertriebshändler sowie dem sogenannten Figuretero, einem
Zwischenhändler, der schließlich die Kioske beliefert. Bis zur Fußball-WM
2018 waren die Kioske die einzigen Orte, an denen die Päckchen verkauft
werden durften. Logisch, dass sich die Kiosqueros alle vier Jahre auf die
für sie wichtigen Einnahmen freuen. „Was für den Einzelhandel der Muttertag
oder Weihnachten ist, sind für einen Kioskbetreiber die Panini-Sticker vor
jeder WM“, sagt Ernesto Acuña.
[1][Doch vor der WM 2022 in Katar] begannen auch die großen
Supermarktketten mit dem Verkauf. Es kam zu Lieferausfällen bei den
Kiosken, wo oftmals nur die „Ausverkauft“-Schilder prangten. Es gab
Drohungen mit juristischen Klagen, weil die Supermärkte mutmaßlich
bevorzugt beliefert wurden und die Päckchen billiger verkauften, als die
Kioske es konnten. Schließlich wurde sogar die damalige Regierung von
Präsident Alberto Fernández um Hilfe gebeten. Letztlich war alles
vergebens, die Kiosqueros mussten sich mit der neuen Konkurrenz abfinden.
## Steigende Sticker-Preise
Ernesto Acuña beruhigt: Man habe damals eine Vereinbarung mit Panini
getroffen und die Verkaufspreise standardisiert. [2][Wegen der Größe der
Fußball-Weltmeisterschaft 2026] mit 48 Mannschaften ist auch das Album mit
112 Seiten die umfangreichste Ausgabe aller Zeiten, und mit insgesamt 980
Stickern sind es 310 mehr als vor vier Jahren.
Jede Packung enthält sieben Bildchen und kostet 2.000 Peso. Das Album
kostet 12.000 Peso. Im nahezu ausgeschlossenen Fall, dass man nur Päckchen
ohne doppelte Sticker erwischt, braucht man 140 Päckchen. Das wären dann
Gesamtkosten von 293.000 Peso, umgerechnet rund 215 Euro – ähnlich viel wie
in Deutschland.
Vor vier Jahren kostete das Päckchen mit fünf Stickern übrigens nur 150
Peso, vor acht Jahren waren es 15 Peso. Jetzt sind zwar sieben Sticker
drin, aber es kostet eben 2.000 Peso. „Ja, so ist Argentinien halt“, seufzt
der inflationserfahrene Kiosquero Ernesto Acuña. „Trotz allem bleiben die
Argentinier ihren Leidenschaften treu und geben dafür viel Geld aus.“
Und das Sammeln der Panini-Sticker vor jeder Fußball-WM ist eine besonders
ausgeprägte Leidenschaft. „Wir wissen aber auch“, sagt Ernesto Acuña zum
Abschied, „dass viele außen vor bleiben. Weil sie entscheiden müssen, ob
sie Figuritas kaufen – oder etwas zu essen.“
19 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jürgen Vogt
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