# taz.de -- Visumspolitik in Japan: Wenn Politik Existenzen zerstört
> In Japan müssen zahlreiche Kleinbetriebe und Restaurants von Ausländern
> schließen, oft nach vielen Jahren. Schuld ist eine Verschärfung der
> Visumsanforderungen.
(IMG) Bild: Traditionelle Markthalle in Tokio, in der Einheimische und Touristen gerne essen. Restaurants von „Ausländern“ müssen wegen der Visumspolitik schließen
Manish Kumar brach auf einer Protestkundgebung in Tränen aus. Die
japanischen Behörden verweigerten dem Inder die Verlängerung seines
Business-Manager-Visums, da er die verschärften Eigenkapitalanforderungen
nicht erfüllen konnte. Nun muss er sein Restaurant bei Tokio schließen, das
er seit 18 Jahren führt. „Meine Kinder sind in Japan geboren, sie sprechen
nur Japanisch. Ich habe ein Haus gebaut, doch man sagt uns, wir sollen nach
Indien zurückkehren“, klagte er.
Seine Unterstützer sammelten bisher 67.000 Unterschriften. Der Fall
entfachte eine polarisierte Debatte in Japans wichtigstem sozialen Netzwerk
X. Anfangs überwogen Solidarität und Empörung. Die Journalistin Isoko
Mochizuki nannte den Visum-Bescheid „unbarmherzig“, da „ernsthaft
arbeitende“ Ausländer betroffen seien. Doch dann [1][verspottete User
@cam_i8 die Unterschriftensammlung]. Jeder Unterstützer solle doch einfach
630 Yen (3,40 Euro) spenden, damit Kumar bleiben könne.
## Zahl der Visumsanträge um 96 Prozent gesunken
Kumar ist kein Einzelfall. Seit der Verschärfung der Visumsanforderungen im
Oktober 2025 sank die Zahl der Anträge auf ein Business-Manager-Visum von
1.700 um 96 Prozent auf nur noch 70 pro Monat. Ausländer müssen nun 30
Millionen Yen (163.000 Euro) Eigenkapital nachweisen, statt bisher 5
Millionen Yen. Außerdem müssen sie mindestens einen Mitarbeiter in Vollzeit
beschäftigen, Geschäftsräume mieten und einen schwierigen Japanisch-Test
bestehen.
Diese Verschärfung zielte auf den Missbrauch des Visums durch wohlhabende
Ausländer, vor allem aus China, die für Aufenthaltsgenehmigungen
Scheinfirmen gründeten. Jedes zweite der 42.000 erteilten Visa ging an
Chinesen.
Der Kollateralschaden ist offensichtlich: Viele echte Kleinbetriebe von
Ausländern stehen vor dem Aus. Es gibt zwar eine dreijährige
Übergangsfrist, doch die Visumsverlängerung liegt im Ermessen der Behörde.
Viele Ausländer haben ihre Läden schon jetzt geschlossen. So erklärte
Tee-Importeur Jagmohan Chandrani [2][der Zeitung Asahi Shimbun], dass viele
Inder Japan verlassen müssen. Dadurch würde das Stadtviertel Little India
im Osten von Tokio zerstört.
Die Neuregelung wurde schon beschlossen, bevor [3][Sanae Takaichi] im
Oktober Premierministerin wurde. Doch ihrer Regierung kommt es zupass, dass
Ausländer nur Gastarbeiter sein und sich nicht dauerhaft in Japan
niederlassen sollen. Deswegen erschwert Takaichi auch das Leben von anderen
Ausländern mit Wohnrecht. So will sie gegenüber rechtspopulistischen
Parteien punkten und davon ablenken, dass ihre Regierung 800.000 Fachkräfte
im Ausland bis 2029 anwerben will.
## Viele Ausländer können sich Japan plötzlich nicht mehr leisten
Japan rühmt sich seiner Gastfreundlichkeit („omotenashi“), doch
[4][Takaichi setzt auf Gastunfreundlichkeit] durch hohe Gebühren, die das
Parlament gerade diskutiert. So soll die Änderung oder Verlängerung des
Aufenthaltsstatus künftig bis zu 100.000 Yen (543 Euro) und damit um das
Zehnfache mehr als bislang kosten. Das würde Familien mit Kindern stark
belasten. Die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung soll bis zu 300.000 Yen
(1.630 Euro) kosten, 30 Mal mehr als bisher. Praktisch könnten so weniger
Ausländer länger in Japan bleiben, da sie meist schlicht zu wenig
verdienen.
Die Regierung rechtfertigt sich damit, dass solche Gebühren in anderen
Ländern viel höher seien. Doch in Deutschland zum Beispiel zahlen Ausländer
dafür weniger als 100 Euro. Die liberale Zeitung Mainichi Shimbun fordert
deshalb eine Überprüfung des Systems. Spielraum wäre vorhanden: Die
Ausländerbehörde kann die Gebührensätze auch unter den gesetzlichen
Obergrenzen festlegen.
30 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/cam_i8/status/2055672451691151647
(DIR) [2] https://www.asahi.com/ajw/articles/16560614
(DIR) [3] /Sanae-Takaichi/!t6135767
(DIR) [4] /Unterhauswahl-in-Japan/!6152409
## AUTOREN
(DIR) Martin Fritz
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