# taz.de -- Vorwahlen in Arizona: Das Märchen von der manipulierten Präsidentschaftswahl
> In Arizona hat Donald Trump 2020 die Wahl gegen Joe Biden verloren. Bis
> heute nährt er das Gerücht der „gestohlenen“ Wahl. Was das aktuell
> bedeutet.
(IMG) Bild: Scott Jarrett ist Wahlleiter von Maricopa County, Arizona – und hat es nicht leicht
Scott Jarrett seufzt laut bei der Frage, wie denn die letzten Wochen so für
ihn waren. Der kleine, korrekt gekleidete Mann formuliert nach einer Pause
seine Antwort möglichst vorsichtig: „Ganz ehrlich, es war kein Spaß“, sagt
er.
Jarrett ist Wahlleiter von Maricopa County, dem Landkreis rund um die
Metropole Phoenix im Zentrum Arizonas, mit mehr als 2 Millionen
Wahlberechtigten. Wie Jarrett hier im Wahlzentrum von Phoenix erläutert,
ist Maricopa damit politisch gesehen der drittgrößte Landkreis der USA.
Mehr noch – hier laufen acht Wahlbezirke zusammen und 60 Prozent der
Bevölkerung Arizonas leben hier. All das zusammen macht Maricopa zu einem
der politisch wichtigsten Landkreise der USA.
Das weiß der Rest von Amerika spätestens seit 2020. Bei der
Präsidentschaftswahl gegen Biden verlor damals Trump als erster
Republikaner seit 1948 in Maricopa. Damit verlor er auch Arizona und somit
die Präsidentschaft. [1][Doch Trump wollte das einfach nicht eingestehen.]
Er erwirkte gerichtlich eine Neuauszählung der Stimmen. Die ergab zwar
nichts anderes, aber bis heute behauptet er, die Wahl in Arizona sei ihm
gestohlen worden.
## Erneute Untersuchung der Wahlergebnisse von 2020
Das bekommt Scott Jarrett jetzt zu spüren, obwohl er damals noch nicht im
Amt war. Trump hat [2][erneut eine Untersuchung des Wahlergebnisses von
2020] angeordnet, bei dem er rund 10.000 Stimmen weniger bekam als Joe
Biden. Dazu mobilisierte sowohl das Ministerium für Heimatschutz als auch
das FBI. Im März kamen FBI-Agenten ins Wahlzentrum von Phoenix und
beschlagnahmten ein gutes Dutzend Computer. Die Originalstimmzettel waren
bereits 2023 gemäß dem Wahlgesetz vernichtet worden.
Doch das ist nicht der einzige Stolperstein bei Jarretts Bemühungen, in
Maricopa faire und transparente Wahlen zu gewährleisten. Die Durchführung
und Beaufsichtigung der Wahlen in Arizona werden auf zwei gewählte Behörden
verteilt: Den sogenannten Recorder, der für die Wählerregistrierung, die
Briefwahl und für Frühwähler zuständig ist; und dem „Board of Supervisors“,
dem die eigentliche Wahldurchführung zufällt.
## Chaos und Verwirrung
Die letzte „Recorder-Wahl“ gewann mit Justin Heap einen MAGA-Hardliner,
unter anderem weil er Trumps Behauptungen von den gestohlenen Wahlen 2020
unterstützte. Nun möchte er sicherstellen, dass die bevorstehenden Midterms
„ordentlich und fair“ verlaufen.
Bislang stiftet er jedoch vor allem Chaos und Verwirrung. Zunächst wollte
er 207 Wähler aus dem Jahr 2020 identifiziert haben, die angeblich keine
US-Staatsangehörige seien. Namen rückte er jedoch auch nach Aufforderung
durch Arizonas Justizministerin nicht heraus.
Dann zettelte er einen gerichtlichen Streit mit dem „Board of Supervisors“
an, bei dem er versuchte, einen großen Teil dessen Kompetenzen an sich zu
reißen. Dabei ging es um die Anerkennung von Frühwahllokalen, um die
staatlich geforderte Überprüfung von Unterschriften bei Briefwahlen und um
das Auszählungsverfahren. Nach mehrmonatigem Rechtsstreit entschied ein
Gericht zu Heaps Gunsten.
## Wenig Vertrauen in der Bevölkerung
All das erschwerte natürlich Jarretts Vorbereitung der Vorwahlen, die in
Maricopa County im Juli stattfinden. Und die Interventionen durch Heap und
das FBI stärkten nicht gerade das Vertrauen der Bevölkerung in den
Wahlvorgang.
Jarrett und sein Team tun derweil ihr Bestes, dieses Vertrauen zu retten.
Durch wöchentliche Führungen im Wahlzentrum für die interessierte
Bevölkerung etwa, bei denen Jarrett haarklein den Auszählungsvorgang und
alle eingebauten Sicherheitsvorkehrungen erläutert. Oder durch Livekameras,
die rund um die Uhr aus dem Wahlzentrum streamen. „Prima, wenn Sie nicht
einschlafen können“, witzelt Jarrett.
Ob das ausreicht, den Glauben an faire und freie Wahlen in Maricopa County
zu retten, bleibt fraglich. Die Behauptung, dass 2020 etwas faul war, hält
sich bis heute. Ganz gleich, wie oft sie widerlegt wird.
6 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sebastian Moll
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