# taz.de -- Vorwürfe gegen Argentiniens Fußballboss: Chef auf Bewährung
> Gegen Claudio Tapia wird wegen Steuerhinterziehung und Korruption
> ermittelt. Bei den argentinischen Fans und Klubs genießt er großen
> Rückhalt.
(IMG) Bild: Präsident mit einem Faible für Pokale: Claudio Tapia nach dem Gewinn des Copa America 2024
Wenn der Präsident des argentinischen Fußballverbands am Samstagabend beim
Champions-League-Finale auf der Ehrentribüne sitzt, dann nur mit Erlaubnis
der Justiz. Claudio Tapia ist selbstverständlich von der Uefa nach Budapest
eingeladen worden. Zuvor musste er eine Kaution von umgerechnet rund 18.000
Euro hinterlegen, damit ihm Auslandsreisen gestattet werden.
Auch zur WM 2026 nach Mexiko, Kanada und in die USA darf der
Verbandspräsident des amtierenden Fußballweltmeisters nur nach Hinterlegung
der Kaution fahren. Hintergrund sind mehrere Ermittlungsverfahren gegen
Claudio Tapia und die Asociación del Fútbol Argentino (AFA) wegen des
Verdachts auf Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben in Höhe von mehr
als elf Millionen Euro. Zudem sollen zwischen 2023 und 2025 Rechnungen über
Dienstleistungen ebenfalls in Millionenhöhe ausgestellt worden sein, die
möglicherweise nie erbracht wurden. Fehlende Transparenz und Klientelismus
[1][prägen den Verband jedoch bereits seit Jahrzehnten.]
Auch US-Behörden beschäftigen sich inzwischen mit den Geschäften des
argentinischen Fußballverbands. Ein US-Bundesrichter hat den Zugriff auf
Bankkonten im Zusammenhang mit internationalen Verträgen der AFA genehmigt.
Dabei soll ein paralleles Finanzsystem entdeckt worden sein, über das fast
300 Millionen Euro außerhalb der offiziellen Kontrolle des Verbands bewegt
worden sein sollen. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden mutmaßlich Gelder
an Offshore- und Briefkastenfirmen in den USA, Großbritannien und Uruguay
transferiert sowie Luxusausgaben für Yachten und Privatjets finanziert.
Claudio Tapia ist seit 2017 AFA-Präsident. Unter seiner Führung [2][gewann
Argentinien die WM 2022] in Katar sowie zweimal die Copa América, die
Südamerika-Meisterschaften von 2021 und 2024. Erfolge, die nach einer
langen titellosen Durststrecke in dem fußballverrückten Land für einen
immensen Rückhalt des Verbandspräsidenten sorgten.
## Mit 30 Klubs in der ersten Liga
Der 58-jährige Tapia trat die Nachfolge des verstorbenen Julio Grondona an.
„Grondona verkörperte ein hierarchisches, äußerst abgeschottetes und
personalistisches System, das sich zudem auf die großen Klubs aus und um
die Hauptstadt Buenos Aires stützte“, erklärt der Sportjournalist Leonel
Mendez. Dagegen bilden Tapias Machtbasis die Erstligisten und die Vereine
aus den unteren Ligen des Landesinneren, so Mendez. Das erklärt auch, warum
in der Ersten Liga seit einigen Jahren 30 Klubs spielen.
Seit Wochen dominiert der AFA-Präsident die Titelseiten der Presse mit
negativen Schlagzeilen. Mit immer neuen Enthüllungen und Berichten über
Durchsuchungen in den Büros des Verbandes, aber auch in Fußballvereinen und
Privatwohnungen sorgt vor allem die Clarín-Gruppe für eine umfangreiche
mediale Öffentlichkeit. Dabei dürfte es dem mit Abstand größten
Medienunternehmen des Landes um mehr als nur journalistische
Berichterstattung gehen.
Zu Grondonas Zeiten erhielt vor allem die Grupo Clarín die TV-Rechte für
Fußballspiele. Das änderte sich unter Tapia. „Seitdem werden Spiele der
unteren Ligen zunehmend auf der eigenen Plattform des Verbandes, AFA Play,
übertragen und vermarktet“, sagt Sportjournalist Mendez. Dies könnte eines
Tages auch für Spiele der Ersten Liga gelten. Weshalb für Clarín viel auf
dem Spiel steht. Dass sich jedoch nur große Klubs wie River Plate, Racing
Club und Estudiantes de La Plata mit Kritik an Tapia aus der Deckung wagen,
hat einen anderen Grund.
Bereits kurz nach seinem Amtsantritt schlug [3][der libertäre
Staatspräsident Javier Milei] vor, den Klubs die Umwandlung in
Aktiengesellschaften zu erlauben. Private Investoren, Fonds und
Unternehmensgruppen könnten sich an den Vereinen beteiligen. Das würde
internationale Investoren ins Land locken und so die Finanzprobleme vieler
Klubs lösen, erläuterte Milei.
Tapia und die AFA lehnen diesen Vorschlag strikt ab. Die Vereine müssten
soziale Institutionen bleiben und dürften nicht zu Wirtschaftsunternehmen
werden, lautet die Verbandsposition. Die meisten Vereine sind – ähnlich wie
in Deutschland – Vereinigungen, die ihren Mitgliedern gehören, deren
Führungen von diesen Mitgliedern gewählt werden. Mit seiner Haltung stellt
sich Tapia zwar gegen den Staatspräsidenten, sichert sich dagegen die
Unterstützung der landesweit zahllosen kleinen Vereine.
29 May 2026
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## AUTOREN
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