# taz.de -- Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter: Eine Art Onkel
       
       > Zwei Freunde sollen den Anschlag auf das Haus von Andreas Büttner verübt
       > haben. Der Politiker vermischt seit Jahren Politik, Geschäft und
       > Privates.
       
 (IMG) Bild: Ein Mann mit vielen Rollen: Andreas Büttner im Brandenburger Landtag
       
       In der Nacht auf den 4. Januar 2026 [1][geht der Schuppen im Garten von
       Andreas Büttner in Flammen auf], und an die Haustür des brandenburgischen
       Antisemitismusbeauftragten wird ein rotes Dreieck geschmiert – ein Symbol
       der Hamas und ihrer Unterstützer. Zwei Tage später sagt Büttner, damals
       noch in der Linkspartei, der Jüdischen Allgemeinen, diese Nacht habe sich
       ihm „unauslöschlich eingebrannt“. Das rote Dreieck sei ein Zeichen
       „dschihadistischer Gewalt“, für ihn und seine Familie sei das ein Schock.
       Über konkrete Täter wollte er aber „nicht spekulieren“.
       
       [2][Ende April wird bekannt, wen die Polizei der Tat verdächtigt: Lucas S.
       und Daniel R., 25 Jahre alt] – die beiden sind Freunde und Geschäftspartner
       Büttners. Vieles an ihrer Beziehung zu Büttner wirft nun Fragen auf.
       Recherchen der taz zeigen, dass ihr Verhältnis in ein Muster passt, das
       Büttners Biografie seit Jahrzehnten durchzieht: Eines, in dem die Grenzen
       zwischen Politik, Geschäft und Privatem verschwimmen.
       
       Die Polizei führt Büttner bis heute nicht als Verdächtigen, sondern als
       Zeugen und Geschädigten. Er bestreitet, etwas von den Anschlagsplänen
       gewusst zu haben. Die jüdische Gemeinde in Brandenburg hat Büttner
       inzwischen ihrer Unterstützung versichert. Auch Israels Botschafter in
       Deutschland, Ron Prosor, stellte sich öffentlich hinter ihn.
       
       ## Ein politisches Chamäleon
       
       Der 52-jährige Büttner ist gelernter Polizist und eine schillernde Figur.
       Seine politische Karriere führte ihn von der Jungen Union in Hessen über
       die FDP zur Linken und ins Amt des Antisemitismusbeauftragten. Seit 1997
       lebt der bei Kassel aufgewachsene Büttner mit seiner Ehefrau in der
       Uckermark bei Berlin. Dort baute er unter anderem einen queeren Verein auf
       und versuchte sich als Unternehmer.
       
       Neben seinen politischen Mandaten geht er immer neue, oft kurzfristige
       Geschäftsbeziehungen ein – meist mit deutlich jüngeren Partnern. Am Ende
       steht eine Serie von Unternehmen, die Büttner aufgebaut hat oder bei denen
       er eingestiegen ist: in Branchen wie Webdesign, Consulting, Solarwirtschaft
       und bei einer Strategieberatung, die „Terrorismusabwehr“ und die
       US-Rüstungsindustrie im Blick hat.
       
       Die Vielzahl von Firmengründungen und -beteiligungen ist keine biografische
       Randnotiz. Wahlkreismitarbeiter werden Geschäftspartner, Büro- und
       Geschäftsadressen überschneiden sich, gemeinsame Firmen und Projekte machen
       aus politischen Kontakten persönliche Nähe. In diesem Umfeld bewegten sich
       auch die beiden Verdächtigen, gegen die nun wegen des Brandanschlags in
       Brandenburg ermittelt wird.
       
       ## Nach dem Brand tritt er aus der Linken aus
       
       Die Polizei fand in der Nacht des Anschlags einen Maleroverall,
       Grillanzünder und Einweghandschuhe. Einer der Verdächtigen soll die
       Utensilien mit seiner Kreditkarte gekauft haben. Ein antisemitischer
       Drohbrief an Büttner, der kurz danach im Landtag einging, soll DNA von
       Lucas S. tragen.
       
       Mit Daniel R. gründete Büttner 2023 die Unternehmensberatung advanced
       analytics, in die Lucas S. als Gesellschafter einsteigt. Laut Tagesspiegel
       verbringt das Trio kurz vor dem Anschlag eine Nacht in einem Hotel im Harz
       – zur „Gesellschafterversammlung“ ihrer gemeinsamen Firma, wie Büttner
       sagt. Kurz vor dem Anschlag überweist Büttner 3.000 Euro an R., weil eine
       seiner Firmen in Liquiditätsprobleme geraten sei. Kurz nach der Tatnacht
       besuchen die drei gemeinsam die Oper in Leipzig, als wäre nichts gewesen.
       
       Hört man sich in der Linken zu Büttner um, entsteht das Bild eines
       engagierten rhetorischen Talents, das durch sein großes Geltungsbedürfnis
       und Sendungsbewusstsein immer wieder aneckt. Er äußert sich unermüdlich zu
       Nahostthemen und verteidigt Israels Vorgehen im Gaza- und Irankrieg.
       [3][Neun Linken-Politiker fordern 2025 seinen Ausschluss], weil er
       Parteibeschlüsse ignoriere und völkerrechtswidrige Aktionen Israels
       verteidige. [4][2026 tritt Büttner selbst aus der Linken aus] – nach seiner
       Aussage wegen deren Haltung zu Israel, aber auch wegen mangelnder
       Unterstützung nach dem Brand im Januar.
       
       ## Wahlkreisbüro in der Uckermark
       
       R. und S., gegen die wegen des Anschlags ermittelt wird, engagierten sich
       als Schüler in gemeinnützigen Projekten. Über einen Protegé Büttners lernen
       sie diesen 2019 kennen. Bei einem Besuch campen sie in seinem Garten. Ab
       2020 bauen die beiden einen Bildungsträger auf, der mit der Zeit
       sechsstellige Beträge für Demokratieprojekte einsammelt. Bei einer
       Spendenaktion für ein Projekt zu jüdischer Geschichte führen sie Büttner
       als Schirmherrn auf.
       
       Büttner lebt mit seiner Familie in einer abgelegenen Siedlung [5][in der
       Uckermark]. Von hier führt eine schmale Straße nach Templin. Dort hatte
       Büttner ein Wahlkreisbüro angemietet, in dem er zwei weitere junge Männer
       beschäftigt hat, mit denen er ebenfalls Geschäftsbeziehungen einging. Heute
       schirmen schwarze Vorhänge die Bürofenster des ehemaligen
       Landtagsabgeordneten ab.
       
       Auf dem Klingelschild und der Tür stehen Büttners Name und der eines
       weiteren ehemaligen Mitarbeiters. Dass Büttner sich nicht nur als Mentor
       für jüngere Parteikollegen betätigt, sondern auch in der Partei unbekannte
       junge Männer einstellt, hat seinerzeit einige Genossen irritiert.
       „Mindestens ambivalent“ sei der Ruf Büttners in der brandenburgischen
       Linken gewesen, sagt ein Ex-Genosse.
       
       ## Eine Firmengründung nach der anderen
       
       Im Jahr 2011 wird Büttner Geschäftsführer bei der Medienagentur seines
       damals 25-jährigen Wahlkreismitarbeiters. Der Geschäftsbereich des
       Unternehmens wird daraufhin um „Handel und Vertrieb von Sicherheitstechnik“
       erweitert. 2013 steigt Büttner aus der Firma wieder aus.
       
       2014 gründet er die Strategieberatungsfirma AM Global – gemeinsam mit
       seinem Mitarbeiter im Landtag, dem damals 29-jährigen FDP-Politiker Martin
       H. Die Firma unterhält eine Adresse in den USA, die sie sich mit einem
       Rüstungsunternehmen teilt: Hooker Tactical in Idaho Falls. Hooker Tactical
       verkauft Nachtsichtsysteme, Überwachungstechnik und Spezialmunition für
       Militär und Polizei. In einem Hooker-Firmendokument ist sogar von einer
       geplanten Übernahme durch AM Global die Rede – mit einem Kredit der
       „Sparkasse und der Deutschen Bundesbank“.
       
       Im Oktober 2015, nachdem er kurzzeitig Büroleiter der proisraelischen
       Lobbyorganisation Elnet war, tritt Büttner der Linken bei. 2017 wird er
       Direktkandidat für die Bundestagswahl. Seine Position als Geschäftsführer
       von AM Global gibt er erst im September 2018 auf – einen Monat, bevor er
       Linken-Staatssekretär in Potsdam wird.
       
       ## „Unverbindliche Überlegungen“
       
       Wie gehen solche Kontakte in die Rüstungsbranche mit der Mitgliedschaft bei
       einer antimilitaristischen Partei zusammen? „Behauptungen über Verbindungen
       zu internationalen Rüstungsgeschäften entbehren jeder Grundlage“, erklärt
       Büttners Anwalt. Das Dokument von Hooker Tactical zeige nur „unverbindliche
       und nicht weiter verfolgte Überlegungen“.
       
       Deutlich unverfänglicher ist die Kommunikationsagentur, die er 2020 als
       Linken-Abgeordneter mit einer Fraktionskollegin gründet. Doch hier
       beschäftigt er 2023 auf Minijobbasis den Templiner Dirk Schulz*, damals
       Ende 20, den er nach dessen Angaben knapp zehn Jahre zuvor privat
       kennengelernt hat. In einer Whatsapp-Nachricht beschrieb Büttner die Stelle
       als „Mitarbeiter eines Landtagsabgeordneten“.
       
       Schulz sagt, er habe während seiner mehrmonatigen Anstellung im Homeoffice
       keinerlei Aufgabe erhalten. Büttners Anwalt sagt dazu, es habe sich „um
       eine reale Tätigkeit“ gehandelt, zu der das „Ordnen von Unterlagen“ und
       Buchhaltung für die Agentur gehörten. Den von der taz angesprochenen
       Verdacht einer „Scheinbeschäftigung“ weist Büttner über seinen Anwalt
       „ausdrücklich zurück“.
       
       ## Mentor, Unternehmer und politischer Experte
       
       Zusammen mit einem weiteren, damals 25-jährigen Templiner, der zuvor sein
       Wahlkreismitarbeiter war, wird Büttner zudem 2022 Mitgesellschafter der
       Unternehmensberatung Advisor Coaching & Consulting UG. Die Firma wird im
       März 2026 wieder aufgelöst. Büttner sagt, die Firma sei im
       „Löschungswartejahr“, er selbst „nur noch formal Liquidator ohne operative
       Tätigkeit“.
       
       Im Karrierenetzwerk LinkedIn listet Büttner bis vor wenigen Tagen zwei
       seiner Firmen noch auf. Mittlerweile sind die Hinweise auf sein
       privatwirtschaftliches Engagement gelöscht, ebenso wie seine Tätigkeit bei
       Elnet.
       
       Die Offenheit, mit der er seine geschäftlichen Aktivitäten zuvor
       präsentierte, passt aber ins Bild eines umtriebigen, ehrgeizigen Mannes,
       über den Parteikollegen sagen, er habe immer „hoch hinaus“ gewollt. Immer
       wieder bindet Büttner dabei jüngere Mitarbeiter und Weggefährten in neue
       Rahmenkonstruktionen ein und versucht, gleichzeitig Mentor, Unternehmer und
       politischer Experte zu sein.
       
       ## Welches Motiv könnte hinter dem Anschlag stehen?
       
       Büttner sagt, er sei für Lucas S. und Daniel R., die den Anschlag verübt
       haben sollen, „eine Art Onkel“ gewesen. Über das Motiv der Tatverdächtigen
       ist bislang nichts Belastbares bekannt. Büttner bestreitet, von möglichen
       Anschlagsplänen gewusst zu haben; die Polizei führt ihn nach bisherigem
       Stand nicht als Beschuldigten. Fest steht nur: Der Anschlag hat ihm
       bundesweite Aufmerksamkeit eingebracht, überregionale Medien berichteten
       über ihn und seinen Fall.
       
       Zu seinem Ehrgeiz passt, dass Büttner zuletzt Ambitionen gezeigt haben
       soll, die Nachfolge des Bundes-Antisemitismusbeauftragten Felix Klein zu
       übernehmen, der sein Amt im Sommer abgeben will. Der Tagesspiegel
       berichtete unter Berufung auf ihm vorliegende Kommunikation, Büttner habe
       geschrieben: „Mach mal was, dann kannst du mich ins Gespräch bringen.“
       
       Büttner sagte dazu, dabei habe es sich um einen Scherz gehandelt.
       
       21 May 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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