# taz.de -- Vermeintliche Terrorgruppe „Hayi“: Terror-Strohmann von Iran
> Sicherheitsbehörden warnen vor dem Terrornetzwerk „Hayi“. Doch statt
> einer eigenständigen Organisation ist die wohl eher Fassade für
> iranischen Staatsterror.
(IMG) Bild: Polizeimitteilung nach einem versuchten Brandanschlag auf die Kenton United Synagogue in Harrow, London, am 19.4.2026
Der Verfassungsschutz warnt vor dem Netzwerk „Hayi“, hinter dem die
iranische Regierung stecken soll. Angriffe auf jüdische und
US-amerikanische Einrichtungen in ganz Europa sollen auf dessen Mitglieder
zurückgehen. Gleichzeitig ist fraglich, ob es Hayi überhaupt in der Form
gibt, in der sie in den Medien oft beschrieben wird.
Hayi steht für „Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia“, auf Deutsch:
„Islamische Bewegung der Leute der rechten Hand“. Das Netzwerk hat bisher
die Verantwortung für 14 Anschläge in Großbritannien, den Benelux-Staaten
und zuletzt auch Deutschland übernommen. In München warfen Mitte April
bislang Unbekannte einen Molotowcocktail auf ein israelisches Restaurant.
Rund einen Monat zuvor hatte ein Brandanschlag in London für großes
Aufsehen gesorgt, bei dem mehrere Rettungswagen einer jüdischen
Hilfsorganisation zerstört wurden. Verletzt wurde bei den Attacken, die
Hayi für sich reklamierte, bislang niemand.
Dass Iran hinter Hayi steht, ist weitgehend unstrittig. Unklar ist aber, ob
die Organisation als eigenständige Terrorgruppe zu verstehen ist oder bloß
als Fassade für Aktivitäten iranischer Regierungsorganisationen selbst
dient. Bislang schreiben viele Medien von einer „Terrorgruppe“, die
„proiranische Ziele“ verfolge. Doch deutsche Sicherheitsexpert*innen
halten das für eine Fehleinschätzung.
Der Terrorismusexperte Hans-Jakob Schindler vom Counter Extremism Project
(CEP) mit Sitz in Berlin und New York sagt der taz etwa: „Es geht hier
weniger um eine Terrorgruppe als vielmehr um ein Narrativ des Regimes in
Teheran.“ Ein echtes Netzwerk bestehe zwischen den bisher festgenommenen
Verdächtigen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, es handle sich eher um
kurzfristig angeworbene Kriminelle als um Terroristen im klassischen Sinn.
## Iran heuerte Hells Angels an
Auf diese Strategie habe die iranische Führung schon 2022 gesetzt, als sie
ein Mitglied der Hells Angels dafür bezahlte, einen Molotowcocktail auf
eine Synagoge in Bochum zu werfen, wobei er allerdings eine nahegelegene
Schule traf.
Dagegen, dass Hayi eine eigenständige Organisation ist, spricht auch, dass
sie erst in diesem März zum ersten Mal öffentlich in Erscheinung trat – im
engen zeitlichen Zusammenhang mit den Ankündigungen der iranischen Führung,
„neue Fronten“ im Kampf gegen Israel und USA zu eröffnen. Zur Kommunikation
nutzt sie bereits bestehende Telegram-Kanäle irakischer Milizen, die mit
Iran verbündet sind und solche, die unmittelbar den iranischen
Revolutionsgarden zuzuordnen sind.
Für die Bekämpfung der Bedrohung bedeute dies, die zugrunde liegenden
Netzwerke der iranischen Revolutionsgarden in den Blick zu nehmen, so
Schindler. „Die Behörden sollten das Online-Monitoring hochfahren und mit
den Geheimdiensten von Partnerorganisationen benachbarter Länder
zusammenarbeiten.“ Die Bedrohung sei immerhin eine gesamteuropäische.
Schindler fordert: „Wir müssen einsehen, dass uns das iranische Regime in
Europa direkt angreift. Es kann auch deshalb nicht im Interesse der
Europäer sein, dass dieses Regime in dieser Form überlebt.“
Britische Sicherheitsbehörden warnten derweil noch im März davor, Hayi
vorschnell mit Iran in Verbindung zu bringen. Es könne sich durchaus auch
um einen eigenständigen Akteur handeln. Ähnlich argumentiert Bente
Scheller, Referatsleiterin Nahost und Nordafrika bei der Böll-Stiftung, im
Gespräch mit der taz: „Um Gefahren zu bekämpfen ist es wichtig, die Gefahr
zu verstehen.“ Ob sich die Attacken so eindeutig Iran zuordnen lassen, wie
es nun teils heiße, sei nicht sicher. „Als Strategie wäre das aus Sicht
Teherans eher kontraproduktiv“, drohten die Anschläge doch die europäischen
Regierungen auf die Seite der USA und Israels zu treiben. Das ändere aber
nichts daran, dass die Attacken ernst genommen werden müssen.
## Von Notz spricht von „neuer Qualität“ der Bedrohung
Politiker*innen betonen vor allem, dass die deutschen Behörden der
Gefahr durch Hayi konsequent entgegentreten. Der Grünen-Fraktionsvize
Konstantin von Notz sagte der taz: „Wenn sich nunmehr bewahrheiten sollte,
dass von iranischer Seite gezielt sogenannte ‚Wegwerf-Agenten‘ angeworben
werden, wäre dies zweifellos eine nochmals neue Qualität der Bedrohung.“
Darauf müsse die Bundesregierung reagieren. „Sie muss alle notwendigen
Sicherheitsvorkehrungen treffen, um geheimdienstliche Aktivitäten des Iran
in Deutschland effektiv einzuschränken, die Sicherheit aller in Deutschland
lebenden Menschen zu gewährleisten, ob Exil-Iranerin, Menschen jüdischen
Glaubens oder deutsche Soldatin.“
Die innenpolitische Sprecherin der Linken, Clara Bünger, sagte der taz, sie
nehme die Warnungen ernst, es sei „völlig klar, dass insbesondere jüdische
Einrichtungen geschützt werden müssen“. Auch beim Schutz iranischer
Oppositioneller und Aktivist*innen müssten die deutschen Behörden
nachbessern.
Gleichzeitig wandte sich Bünger aber gegen Forderungen nach mehr
Kompetenzen für Bundesnachrichtendienst und Verfassungsschutz. „Die
Geheimdienste stellen mit ihren unkontrollierbaren Methoden oftmals eher
eine Gefahr für die Menschen dar, als dass sie die Sicherheit erhöhen.“
Bünger verwies in diesem Zusammenhang auf jüngste Berichte der Zeit, wonach
ein V-Mann des Verfassungsschutzes offenbar Munition für Hamas-Mitglieder
beschaffte. Die Männer sollen konkrete Anschläge gegen jüdische und
israelische Einrichtungen geplant haben.
29 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Frederik Eikmanns
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