# taz.de -- Steigende Preise für Öl und Gas: Eine Übergewinnsteuer verfehlt ihren Zweck
> Die Ölkonzerne scheinen vom Irankrieg zu profitieren. Statt neuer Steuern
> braucht es eine Zerschlagung ihres Oligopols.
(IMG) Bild: Benzinpreise an einer Tankstelle in Bad Vilbel am 26. März
Haben Sie auch ein Déjà-vu? [1][Krieg], explodierende Energiepreise,
schmerzverzerrte Gesichter beim Blick auf die Zapfsäule, öffentliche
Empörung – und eine Politik, die hektisch einzugreifen versucht.
[2][Tankrabatt]? [3][Übergewinnsteuer]? Kartellamt? Herzlich willkommen
zurück im Jahr 2022.
Während der Tankrabatt keinen guten Ruf mehr hat, kündigt selbst
Finanzminister Lars Klingbeil an, die Wiedereinführung einer
Übergewinnsteuer zu prüfen. Nicht im Alleingang, sondern gemeinsam auf
EU-Ebene. Auch Linke und Grüne wollen die Ölkonzerne nicht mit Übergewinnen
davonkommen lassen.
Nur: Ist die Übergewinnsteuer wirklich das richtige Instrument? Nein. Denn
gegen das Oligopol der Ölriesen hilft nur ein schärferes Kartellrecht.
Der Krieg macht das Öl knapp, weil Tanker vor Iran festhängen. In der Folge
drehen nicht nur die Preise an der Börse nach oben, sondern auch an der
Zapfsäule. Und zwar schneller als die Tanker das neue, teure Öl liefern
können. Ist das gerechtfertigt oder nutzt da jemand die hohen Börsenpreise
als Alibi für unverschämte Margen?
Die ehrliche Antwort: Man weiß es nicht. 2022 hat das Kartellamt eine große
Untersuchung eingeleitet, Preisveränderungen und Margen überwacht. Beweise,
die harte Eingriffe in den Markt rechtfertigen, konnte es jedoch nicht
finden.
## Markt wird beherrscht von einem Oligopol
Gerade in Krisenzeiten ändern sich die Preise zwar schnell, nicht unbedingt
aber die Margen. Für manche Preissteigerung gibt es gut nachvollziehbare
Gründe. Zum Beispiel kann der Wiederbeschaffungswert für Öl, das für die
Zukunft gekauft werden muss, die Preise schon heute nach oben treiben.
Das Grundproblem: Der Markt wird beherrscht von einem Oligopol. Fünf
Mineralölkonzerne kontrollieren nicht nur den Großteil der Raffinerien,
sondern auch den Großhandel und die Tankstellennetze.
## Konzerne lassen Vorsicht walten
Doch effektive Kontrolle durch das Kartellamt ist bei diesen Riesen kaum
möglich. Der „Smoking Gun“-Beweis für illegale Absprachen fehlt. Die
Konzerne sind vorsichtig, klagen gegen Auskunftsersuchen, liefern Daten nur
scheibchenweise oder verschleiern sie gleich ganz. Gleichzeitig orientieren
sich viele Marktteilnehmer an Preisindizes privater Anbieter – deren
Berechnungen sind kaum nachvollziehbare Blackboxes, die aber offensichtlich
von den Ölkonzernen selbst beeinflusst werden. Perfekte Koordination ohne
offenkundige Absprache.
Dagegen hilft eine Übergewinnsteuer nicht. Denn im Zweifel schlagen die
Ölkonzerne die Steuerlast einfach auf den Preis drauf. In der Folge wird
die Steuer nicht zur Belastung für die Konzerne, sondern für die
Verbraucher.
Was stattdessen helfen würde, wäre eine echte Entflechtung der
Machtstrukturen. Raffinerien in unabhängige Hände, mehr Transparenz im
Großhandel, regulierte Preisindizes. Vor allem aber ein Kartellamt, das
nicht nur zuschaut, sondern durchgreifen kann – und will. Konzerne wie
Shell oder BP dürften nicht länger gleichzeitig Raffinerien und
Tankstellennetze kontrollieren. Und sie müssten offenlegen, zu welchen
Preisen sie ein- und verkaufen. So würde klarer, wo und wieso die Preise
steigen.
Eine Übergewinnsteuer kann weder eine dysfunktionale Marktwirtschaft heilen
noch ein zahnloses Kartellamt ersetzen. Wer ein Problem mit den obszönen
Gewinnen der Ölkonzerne hat, muss sich trauen, da anzusetzen, wo sie ihren
Ursprung haben: in ihrer enorm konzentrierten Marktmacht.
28 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Maurice Höfgen
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