# taz.de -- Brüchiger Waffenstillstand in Libanon: Aufregung um zertrümmerte Christusfigur
       
       > In einem christlichen Dorf in Südlibanon zertrümmert ein israelischer
       > Soldat eine Christusfigur. Ein Bild davon geht viral und sorgt für
       > Aufruhr.
       
 (IMG) Bild: Ein am 19. April auf X veröffentlichtes Bild zeigt einen israelischen Soldaten, der eine Jesusfigur im Libanon beschädigt
       
       In den vergangenen Tagen sorgte ein Bild für Wirbel, an dessen Echtheit
       einige zunächst Zweifel hegten: Ein israelischer Soldat zertrümmert den
       Kopf einer auf den Boden gekippten Christusfigur. Am Montag bestätigte das
       israelische Militär dann die Echtheit des Bildes.
       
       Aufgenommen wurde das Bild im christlich geprägten Dorf Debel in
       Südlibanon, einem der wenigen Dörfer im Süden des Landes, aus dem die
       Bewohner*innen während des Krieges zwischen Israel und der Miliz
       Hisbollah nicht geflohen sind. Weiterhin sind dort Tausende israelische
       Soldaten stationiert, [1][auch nachdem am Freitag ein von den USA
       vermittelter Waffenstillstand zwischen Israel und Libanon in Kraft getreten
       war.]
       
       Das israelische Militär nehme den Vorfall „sehr ernst“, das Verhalten des
       Soldaten „sei in keiner Weise mit den Werten vereinbar, die von seinen
       Truppen erwartet werden“. Gegen die Beteiligten würden „angemessene
       Maßnahmen“ ergriffen. Am Dienstag wurden der israelische Soldat, der die
       Statue zertrümmert hat, sowie der Soldat, der ihn dabei fotografiert hat,
       vom Kampfeinsatz abgezogen und zu 30 Tagen Haft verurteilt, wie das Militär
       mitteilt.
       
       Auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte den
       Vorfall „aufs Schärfste“ und kündigte an, dass das Militär „harte
       Disziplinarmaßnahmen gegen den Täter“ verhängen werde.
       
       ## Scharfe Kritik aus dem katholischen Polen
       
       Doch international schlugen die Wellen da schon hoch. Aus dem katholisch
       geprägten Polen meldete sich Vizepremier Radosław Sikorski mit einem
       wütenden Kommentar. „Man muss diesen Soldaten bestrafen, aber auch Lehren
       ziehen hinsichtlich der Art und Weise, wie sie ausgebildet werden“,
       schreibt Sikorski auf X.
       
       Außenminister Gideon Saar konterte: „Ich schlage vor: Statt anderen
       Moralpredigten zu halten, sollten Sie persönlich den schändlichen
       Antisemitismus verurteilen, den wir im polnischen Parlament gesehen haben.“
       Am Holocaustgedenktag hatte der rechtsradikale Abgeordnete Konrad Berkowicz
       im polnischen Parlament eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz
       entrollt.
       
       Der Vorfall könnte auch für das israelisch-amerikanische Verhältnis Folgen
       haben. [2][Evangelikale Christen gelten in den USA als eine treue
       proisraelische Gruppierung]; Angriffe israelischer Soldaten auf
       Christ*innen dürften jedoch auch ihnen nicht gefallen, etwa dem
       US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee. Er forderte „rasche, strenge und
       öffentliche Konsequenzen“.
       
       Die ehemalige US-Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene, ebenfalls
       evangelikale Christin (und einst glühende Trump-Anhängerin, nun seine
       Gegnerin) teilte das Bild und schrieb: „‚Unser größter Verbündeter‘, der
       jedes Jahr Milliarden unserer Steuergelder und Waffen erhält.“
       
       ## Beliebtheit Israels in den USA sinkt
       
       Der Vorfall kommt zu einer Zeit, in der die Beliebtheit Israels in der
       US-amerikanischen Öffentlichkeit sinkt. Im vergangenen Jahr hatten einer
       Studie des Pew Research Centers zufolge 53 Prozent der erwachsenen
       US-Bürger*innen kein gutes Bild von Israel, in diesem Jahr sind es 60
       Prozent.
       
       150 jüdische Rabbiner*innen und Führungspersönlichkeiten
       veröffentlichten am Dienstag einen offenen Brief, bei dem sie sich bei der
       christlichen Gemeinschaft „für diese abscheuliche Tat“ entschuldigten. Sie
       tun dies auch vor dem Hintergrund von zunehmenden Belästigungen von
       Christ*innen in Israel durch radikale nationalistische Juden.
       
       Dabei geht es etwa um das [3][Anspucken von Christ*innen], das besonders
       in der Altstadt Jerusalems zu einem Phänomen geworden ist. Es geht aber
       auch um Schäden an Kirchenbesitz. Laut einer Studie des Rossing Instituts
       gab es im Jahr 155 gemeldete Fälle von Belästigungen von Christ*innen. Das
       Institut betont, dass es sich bei diesen Fällen lediglich um die Spitze des
       Eisbergs handele.
       
       21 Apr 2026
       
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