# taz.de -- Deutsch-israelische Beziehungen: Israelischer Minister teilt gegen Merz aus
       
       > Auf Kritik von Bundeskanzler Merz am israelischen Vorgehen im
       > Westjordanland reagiert der rechte Hardliner Smotrich mit einem heftigen
       > Angriff.
       
 (IMG) Bild: Smotrich schießt jetzt auch gegen den Bundeskanzler
       
       Ausgerechnet Bundeskanzler Merz, der von den einen dafür gelobt und von
       anderen dafür gerügt wird, fest an der Seite Israels zu stehen, ist nun in
       die Kritik der israelischen Regierung geraten. In einem Telefongespräch mit
       dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu hatte er das
       israelische Vorgehen im Westjordanland kritisiert. „In meinem Telefonat mit
       Premierminister Netanjahu habe ich deutlich gemacht: [1][Eine faktische
       Teilannexion des Westjordanlandes darf es nicht geben“], schrieb Merz am
       Montagabend auf X.
       
       Während des Krieges in Gaza und in Iran hat sich die Situation im
       Westjordanland immer weiter zugespitzt. Menschenrechtsorganisationen
       berichten von nahezu täglichen Siedlerangriffen auf Palästinenser*innen,
       immer mehr palästinensische Communitys werden vertrieben.
       
       Vor wenigen Tagen hat das Sicherheitskabinett die Errichtung von 34 neuen
       Siedlungen beschlossen. Insgesamt hat die Regierung seit ihrem Amtsantritt
       im Dezember 2022 102 neue Siedlungen genehmigt und damit die Besiedlung des
       Westjordanlandes rapide vorangetrieben.
       
       Ganz vorn mit dabei ist der rechte Hardliner und Finanzminister Bezalel
       Smotrich. Er wollte Merz’ Kritik nicht auf sich sitzen lassen und ging in
       die Offensive. Er teilte Merz’ Mitteilung auf X und kommentierte: [2][„Herr
       Bundeskanzler, die Zeiten, in denen Deutsche den Juden diktierten, wo sie
       leben durften oder wo es verboten war, sind vorbei.“] Außerdem fügte er
       hinzu: „Sie werden uns nicht erneut in Ghettos zwingen, schon gar nicht in
       unserem eigenen Land.“
       
       ## Merz soll um Verzeihung bitten, statt zu kritisieren
       
       Vielmehr solle der deutsche Bundeskanzler tausendfach im Namen Deutschlands
       um Verzeihung bitten, zumal am Vorabend des Holocaust-Gedenktages. Der
       israelische Holocaust-Gedenktag fällt ins Frühjahr, anders als der
       internationale Holocaust-Gedenktag, der jedes Jahr am 27. Januar begangen
       wird.
       
       Mit Merz trifft diese harsche Attacke nun einen, der bislang kaum als
       Kritiker Israelis aufgefallen ist – im Gegenteil. Am Abend der
       Bundestagswahl am 23. Februar 2025 etwa nahm Merz telefonisch die
       Glückwünsche seines künftigen Amtskollegen Netanjahu entgegen und sprach
       mit ihm über einen möglichen Besuch in Deutschland. Dabei hatte der
       Internationale Strafgerichtshof im November 2024 wegen Verbrechen gegen die
       Menschlichkeit einen Haftbefehl gegen Netanjahu erlassen.
       
       Merz zufolge habe er Netanjahu in dem Telefonat gesagt, dass man sich nach
       der Regierungsbildung bald sehen solle. Sollte Netanjahu einen
       Deutschlandbesuch planen, habe er ihm zugesagt, „Mittel und Wege dafür zu
       finden“. Zu einem Besuch von Netanjahu in Deutschland kam es nicht, im
       Dezember 2025 reiste Merz jedoch nach Israel.
       
       ## Die „Drecksarbeit“ der Israelis
       
       Auch ansonsten steht Merz fest an der Seite Israels. Während des Krieges
       zwischen Iran und Israel/USA im Juni 2025 etwa sprach er von der
       [3][„Drecksarbeit“, die die Israelis für alle erledigen würden.] „Wir
       hätten sonst möglicherweise Monate und Jahre weiter diesen Terror dieses
       Regimes gesehen und dann möglicherweise auch noch mit einer Atomwaffe in
       der Hand.“ Während des jüngsten Krieges blieb er in Bezug auf
       völkerrechtliche Fragen uneindeutig und sprach lediglich von einem
       „Dilemma“.
       
       Auf eine Anfrage der taz äußerte sich Merz’ Büro bis Redaktionsschluss
       nicht zu Smotrichs Attacke. Der israelische Botschafter in Deutschland, Ron
       Prosor, [4][der sich wiederum nicht vor Kritik an der deutschen Politik
       scheut,] schaltete sich mäßigend ein und stellte sich an die Seite des
       deutschen Bundeskanzlers.
       
       Smotrichs Angriff verurteilte Prosor scharf. Dieser „untergrabe die
       Erinnerung an den Holocaust“, sagte er in einem Gespräch mit dem
       israelischen Radiosender Kan. Zwar seien „viele Dinge, die Deutschland tut,
       für uns nicht akzeptabel und Dinge, die wir tun, für sie nicht akzeptabel“.
       Doch Deutschland habe, betonte Prosor, „gerade inmitten all der Kritik an
       Israel in Europa“ bewiesen, dass es unser „Freund Nummer eins“ sei.
       
       14 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/bundeskanzler/status/2043780873837821964
 (DIR) [2] https://x.com/bezalelsm/status/2043796245395976413
 (DIR) [3] /Die-Sprache-von-Friedrich-Merz-Wenigstens-ehrlich/!6091664
 (DIR) [4] /Ausweitung-der-Todesstrafe-in-Israel/!6167758
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Judith Poppe
       
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