# taz.de -- Ende der Orban-Ära: Jetzt packt er die Koffer
       
       > Der scheidende Ministerpräsident gibt auch sein parlamentarisches Mandat
       > ab. Bald flüchtet er nach New York und vor seiner bröckelnden Partei.
       
 (IMG) Bild: Orban ist weg, und kommt auch hoffentlich nicht wieder
       
       In Ungarn geht es jetzt Schlag auf Schlag: Zwei Wochen [1][nach seiner
       Niederlage kündigte Viktor Orbán] am Wochenende an, auch seinen Sitz im
       Parlament aufzugeben. „Jetzt werden wir nicht im Parlament, sondern bei der
       Neuorganisation des nationalen Lagers gebraucht“, sagte der scheidende
       Ministerpräsident, offenbar Freund des majestätischen Plurals, in einer
       Videobotschaft. Damit ist Orbán erstmals seit 1990 nicht mehr Teil der
       Nationalversammlung.
       
       In fast vier Jahrzehnten habe die von ihm gegründete Fidesz Erfolge und
       Niederlagen erlebt. Eines jedoch habe sich nicht verändert, so [2][Orbán:]
       „Dieses Lager war stets die geeinteste und am besten zusammenhaltende
       politische Gemeinschaft Ungarns.“
       
       Ist das Wunschdenken oder Realitätsflucht? Der innerparteiliche
       Zusammenhalt ist längst brüchig geworden. Die Risse entstanden nicht erst
       in der Wahlnacht, sondern über Jahre. Bestes Beispiel ist [3][Péter Magyar,
       der Wahlsieger und künftige Regierungschef.] Er war Bestandteil des
       Orbán-Systems, bis er vor zwei Jahren öffentlich mit seiner Partei brach.
       Es war der Anfang von Orbáns Ende.
       
       In den Wochen vor der Wahl traten zudem immer mehr Fidesz-Insider ans Licht
       der Öffentlichkeit. Am folgenreichsten: Bence Szabó, leitender
       Cybercrime-Ermittler. Er beschrieb, wie seine Einheit unter politischem
       Druck stand, Ermittlungen gegen die Tisza-Partei in eine regierungskonforme
       Richtung zu lenken. Wenn ein hoher Staatsbeamter auspackt, markiert das
       ganz klar eine neue Qualität des Vertrauensverlusts.
       
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       Noch größere Risse zeigten sich unmittelbar nach der Wahl. Zwei Beispiele:
       András Cser-Palkovics, Bürgermeister der Großstadt Székesfehérvár,
       kritisierte die Partei als zu aggressiv und forderte einen völlig neuen
       Führungsstil. Das Nachrichtenportal Telex berichtete von einem
       Fidesz-Bürgermeister, der zugegeben hatte, Magyars Tisza gewählt zu haben.
       
       Der Mann, der den Wahlkampf dominiert hatte, muss nun auch die Niederlage
       tragen. Dazu passt es, erstmals aus dem Parlament auszutreten. Ohnehin ist
       Orbán, nach 16 Jahren an der Macht, kaum als Oppositioneller im drögen
       parlamentarischen Tagesgeschäft vorstellbar. Neuer Fraktionsvorsitzender
       wird Gergely Gulyás, der unter Orbán zuletzt die Staatskanzlei leitete.
       
       Orbán dürfte schon bald Zuflucht in den USA suchen, zumindest für einige
       Tage. Das hat der ungarische Journalist Panyi Szabolcs von Insidern
       erfahren. Auf dem Programm des bekennenden Fußballfans Orbán steht unter
       anderem der Besuch der Fußball-WM. Dass Tochter Ráhel, Schwiegersohn István
       Tiborcz und die gemeinsamen Enkel seit letztem Jahr in New York leben,
       macht es für Orbán bequemer. So reist er nicht als Flüchtling, sondern als
       Großvater.
       
       Sollte der neue Tisza-geführte Staatsapparat in Budapest beginnen,
       unangenehme Fragen zu stellen, [4][könnte sich Orbán in den USA als
       verfolgter Patriot inszenieren.] Er hätte viel erzkonservative
       Gesellschaft: Die Heritage Foundation, die CPAC und weitere Think-Tanks,
       die über Jahre mit ungarischen Steuergeldern gepflegt wurden, könnten sich
       anbieten. Als Bühne und Auffanglager für eine politische Bewegung, die in
       der Heimat gerade ihre Koffer packt.
       
       26 Apr 2026
       
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