# taz.de -- Vor Präsidentschaftswahl in Frankreich: Rechte und Linke bringen sich in Stellung
       
       > Erst im Frühling 2027 wird in Frankreich ein neuer Präsident gewählt.
       > Schon jetzt gibt es einen Favoriten: den Rechtsextremen Jordan Bardella.
       
 (IMG) Bild: Marine Le Pen (links) und Jordan Bardella (rechts) bei einer Wahlkampfveranstaltung der RN in Bordeaux am 14. September 2025
       
       In einem Jahr geht das zweite Mandat von Staatspräsident [1][Emmanuel
       Macron] zu Ende und er kann nicht erneut für eine Wiederwahl antreten.
       Hinzu kommt: Weil die Unzufriedenheit ihm gegenüber steigt, hätte er wohl
       auch nur geringe Chancen und kaum jemand will mit Macrons Bilanz angeben.
       Laut Umfragen geht Jordan Bardella, der gegenwärtige Parteichef des
       rechtsextremen Rassemblement National (RN), als gesetzter Favorit in den
       Wahlkampf.
       
       Er kandidiert anstelle [2][von Marine Le Pen], die wegen des Verlusts des
       passiven Wahlrechts nicht antreten darf. Bardella werden zwischen 34 und 38
       Prozent der Stimmen im ersten Durchgang vorausgesagt. Prognosen zufolge
       hätte allenfalls Macrons Ex-Premierminister Édouard Philippe eine Chance,
       Bardellas Wahl zu verhindern.
       
       Es sind noch etliche Monate bis zur Wahl. Und meistens war es nicht der
       Favorit der Meinungsforscher, der letztlich gewonnen hat. Groß ist darum
       die Zahl der Politiker, die sich entweder Chancen ausrechnen oder einfach
       aus Karrieregründen ein Zeichen setzen wollen. So auch im Fall des
       Konservativen Bruno Retailleau, der am Wochenende von den Mitgliedern der
       Partei Les Républicains (LR) als Präsidentschaftskandidat nominiert worden
       ist.
       
       77.000 Stimmberechtigte hatten die Möglichkeit, sich für die direkte
       Nominierung von Retailleau oder für Vorwahlen auszusprechen. Außer Bruno
       Retailleau stand aber kein anderer Name zur Auswahl. Für die LR-Mitglieder
       lautet darum die Frage: Wollt ihr Retailleau oder Retailleau?
       
       ## Nur einer ist out: Nicolas Sarkozy
       
       Der Senator der Vendée ist Vorsitzender von LR, seit sein Vorgänger Éric
       Ciotti ohne Skrupel und mit einer Handvoll treuer Anhänger für eine Allianz
       mit Marine Le Pens RN ins Lager der extremen Rechten übergelaufen ist.
       Retailleau muss sich also ständig sowohl von Macron wie vom RN abgrenzen.
       Er war rund ein Jahr lang Macrons Innenminister, doch für Macrons Politik
       der verpassten und verpatzten Reformen möchte er lieber keine
       Mitverantwortung übernehmen.
       
       Retailleau hofft nicht nur für LR, jetzt ein weit besseres Resultat zu
       erzielen als 2022 Valérie Pécresse, die mit nur 4,78 Prozent der Stimmen
       eine Schlappe einstecken musste. Er will 2027 in die Stichwahl kommen und
       dann gegen Bardella als relativ gemäßigte Stimme gewinnen. Dass sich sein
       Traum erfüllt, ist angesichts der Konkurrenz unwahrscheinlich.
       
       Abgesehen von Bardella, dem rechtsextremen Konkurrenten Éric Zemmour von
       Reconquête und dem Vertreter der Macronisten, Édouard Philippe von seiner
       Partei Horizons, haben auch mehrere Vertreter der Rechten die feste Absicht
       zu kandidieren: unter ihnen beispielsweise Jacques Chiracs ehemaliger
       Außen- und Premierminister Dominique de Villepin. Nur einer ist definitiv
       out: der mehrfach gerichtlich verurteilte Nicolas Sarkozy.
       
       ## Keine Einigkeit bei der Linken
       
       Auch die politische Linke kann sich nicht auf eine gemeinsame Kandidatur
       einigen. [3][Jean-Luc Mélenchon] von La France insoumise (LFI) hatte 2022
       mit fast 22 Prozent nur knapp die Stichwahl verpasst. Obwohl er sich in der
       öffentlichen Meinung und auch in [4][der Linken] viele Feinde gemacht hat,
       bleibt er für die LFI der einzig denkbare Kandidat ohne Konkurrenz.
       
       Die Kommunisten schicken erneut ihren Parteichef Fabien Roussel ins Rennen,
       die Sozialisten zögern noch zwischen dem Linksliberalen Raphaël Glucksmann
       und Ex-Präsident François Hollande, der seit Langem sein Comeback
       vorbereitet. Die Basis der linken Wählerschaft möchte allerdings eine
       möglichst offene Vorwahl für eine einheitliche Kandidatur mit echten
       Erfolgsaussichten. Doch die Parteien haben offenbar andere Pläne und
       Prioritäten.
       
       20 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Rudolf Balmer
       
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