# taz.de -- Angriff auf schwarzen Bürgermeister: Rassismus der primitivsten Art
       
       > Bally Bagayoko ist der frisch gewählte linke Bürgermeister der Pariser
       > Vorstadt Saint-Denis. Nun ergießen Rechtsextreme einen rassistischen
       > Shitstorm über ihn.
       
 (IMG) Bild: Die Rechtsextremen haben es auf ihn abgesehen: Bally Bagayoko
       
       Bally Bagayoko kam als Sohn einer Einwandererfamilie aus Mali auf die Welt
       – und seit gut einer Woche ist er der neue gewählte Bürgermeister von
       Saint-Denis, Vorstadt von Paris. Rassistisch motivierte Attacken ließen
       nicht lange auf sich warten: Bagayoko wies bei der Siegesfeier darauf hin,
       dass in Saint-Denis, wo vorwiegend ärmere migrantische Familien leben, in
       der Basilika Frankreichs Könige beigesetzt sind. Saint-Denis sei darum
       zugleich die „Stadt der Könige und des lebendigen Volks“, rief Bagayoko ins
       Mikrofon. Im französischen Original: „La ville des rois et du peuple
       vivant.“
       
       Mehrere rechtsextreme Politiker wie Jean Messiha oder Gilbert Collard
       wollten etwas phonetisch ähnlich Klingendes, aber inhaltlich völlig
       Unterschiedliches gehört haben: „Ville des noirs“ (Stadt der Schwarzen).
       Sie setzten eine Falschmeldung in die Welt, die rasch die Runde in den
       Fernsehsendern machte und die Stimmung gegen den schwarzen Maire von
       Saint-Denis anheizte.
       
       Bagayoko kam 1973 in Levallois bei Paris auf die Welt, er ist bereits seit
       2000 in der Lokalpolitik aktiv. Zudem ist er als ehemaliger Trainer eines
       Basketballklubs nicht nur bei den Jugendlichen sehr populär. Bagayoko wuchs
       in einem Sozialwohnungsviertel auf und arbeitete nach seinem Studium in
       Paris für das Verkehrsunternehmen RATP. Mit seiner Familie lebt er in
       Saint-Denis.
       
       Dass er am [1][15. März bei der ersten Runde der Kommunalwahlen] als
       Spitzenkandidat einer gemeinsamen Liste der Linkspartei La France insoumise
       (LFI) und des Parti Communiste Français (PCF) mehr als 50 Prozent der
       Stimmen geholt hat, war eine kleine Sensation. Zum ersten Mal werden die
       Linken eine Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern regieren. Bagayokos
       Gegner im rechtsextremen Lager konnten nicht offen sagen, dass es sie
       besonders provoziert hat, dass der neue Bürgermeister ein Schwarzer ist.
       Noch vor dem Amtsantritt wurde er allerdings verdächtigt, er werde
       kommunalpolitisch den „Wokismus“ praktizieren und die „Weißen“
       diskriminieren wollen.
       
       ## Affen-Vergleich der Rechtsextremen
       
       Der vermeintliche Anlass mit Bagayokos Rede auf der Siegesfeier wurde
       deshalb von den Rechtsextremen dankbar aufgegriffen. Im Nachrichtensender
       CNews des rechtsextremen Medienunternehmers Vincent Bolloré versuchten
       Diskussionsteilnehmer hernach, einen biologischen und anthropologischen
       Zusammenhang zwischen Bagayoko und seinem Auftreten herzustellen. Der als
       „Psychologe“ vorgestellte Jean Doridot wollte „daran erinnern, dass der
       Homo sapiens, wir also, zu den sozialen Säugetieren der Familie der großen
       Affen“ gehöre, was das „dominante“ Verhalten von Bagayoko erkläre.
       
       Am Tag darauf entwickelte auf demselben Sender der Philosoph Michel Onfray
       unter Berufung auf Darwin die These weiter, um das Verhalten des schwarzen
       Maire von Saint-Denis als „tribalistisch“ zu verurteilen. Man war damit
       nicht mehr weit vom Nullpunktniveau der Hooligans entfernt, die gegen
       schwarze Fußballspieler Primatenrufe imitieren: Rassismus der primitivsten
       Art. Das ging vielleicht sogar den Programmverantwortlichen von CNews zu
       weit, sie nahmen die fraglichen Sequenzen aus der Mediathek und luden
       Onfray kurzfristig für den nächsten Tag aus.
       
       Innenminister Laurent Nuñez äußerte sich „sehr schockiert“ über die
       rassistischen Entgleisungen. Bagayoko, der unterstützt von der
       französischen Menschenrechtsliga Klage gegen CNews eingereicht hat,
       bedauert, dass Präsident Emmanuel Macron bislang schweigt. Bagayoko aber
       ist wie sein Amtskollege in [2][New York, Zohran Mamdani], zur Symbolfigur
       des Antirassismus geworden.
       
       31 Mar 2026
       
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