# taz.de -- Präsidentschaftswahl in Frankreich: Türöffner für die extreme Rechte
       
       > Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon will erneut versuchen, Präsident
       > von Frankreich zu werden. Der Linken tut er damit keinen Gefallen.
       
 (IMG) Bild: Der 74-Jährige versteht es, sich in seiner Partei La France insoumise unentbehrlich zu machen
       
       Muss die französische Linke bei den Präsidentschaftswahlen (zum vierten
       Mal) auf die Karte Mélenchon setzen? Wenn nicht, um zu gewinnen, so doch
       wenigstens, um den Vormarsch der extremen Rechten zu stoppen? Viele, die in
       der Vergangenheit links gewählt hatten und sich mit der Rechtswende unter
       Emmanuel Macron nicht abfinden wollten, hatten inständig etwas anderes
       gehofft: dass eine andere Persönlichkeit eine vereinte Linke repräsentieren
       würde.
       
       Der [1][Traum von der Einheit und einem möglichen linken Wahlsieg] ist mit
       der Kandidatur Jean-Luc Mélenchons nun geplatzt. Der 74-Jährige versteht
       es, sich in seiner Partei La France insoumise unentbehrlich zu machen. Die
       übrigen Linksparteien (Sozialisten, Grüne und Kommunisten) hat er mit
       seiner Teilnahme an den Präsidentschaftswahlen vor vollendete Tatsachen
       gestellt.
       
       Dafür hat er überzeugend klingende Argumente: Er hat mehr Erfahrung als die
       anderen, verfügt über eine Partei, die eingespielt als Wahlmaschine
       funktioniert, und auch über eine klar definierte Wählerbasis, vor allem bei
       den Jugendlichen und der Bevölkerung in den Vorstädten. Und er ist
       zweifellos am ehesten in der Lage, genügend Stimmen zu erhalten, um in die
       Stichwahl zu gelangen.
       
       Laut Meinungsforschern steht Mélenchon für die erste Runde gut da, doch als
       Teilnehmer am Finale ist er eine schlechte Wahl. Gegen den
       [2][voraussichtlichen Gegner in der Stichwahl], den Rechtsextremisten
       Jordan Bardella vom Rassemblement National, würde er haushoch (laut
       derzeitigen Umfragen mit 72 zu 28 Prozent) verlieren. Mélenchon hat seine
       Fans, aber vor allem hat er die negative Mehrheit einer soliden Abneigung
       gegen sich.
       
       Schon jetzt spaltet darum seine Kandidatur mehr, als sie eint. Man kann ihn
       hassen oder anbeten, doch so oder so bedeutet er für die Linke ein Dilemma:
       Als Favorit für die erste Runde, aber Katastrophe für den zweiten und
       entscheidenden Durchgang würde ausgerechnet der Kandidat, der mit seiner
       Kandidatur die extreme Rechte verhindern will, dieser das Tor zur Macht
       sperrangelweit öffnen.
       
       4 May 2026
       
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