# taz.de -- Linken-Spitze: Pantisano läuft sich warm
> Der Parteivorsitzende Jan van Aken wird nicht wieder kandidieren. Der
> Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano will sein Nachfolger werden. Es
> wirkt, als sei das ausgemachte Sache.
(IMG) Bild: Könnte der erste Linken-Vorsitzende mit Migrationsgeschichte werden: Luigi Pantisano, hier im Bundestag
Der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano will neuer Parteivorsitzender der
Linken werden. Am Donnerstag kündigte der 46-Jährige an, sich auf dem
Parteitag Mitte Juni in Potsdam um die Nachfolge von Jan van Aken zu
bewerben. Dessen gemeinsame Linie mit der Co-Vorsitzenden Ines Schwerdtner
sei „richtig und erfolgreich“. In „großer Demut“ wolle er den Weg der
beiden „weitergehen und weiterentwickeln“. Die Linke sei „der Ort der
Hoffnung“ und darauf sei er „wahnsinnig stolz“, sagte er der taz.
Am Mittwoch hatte van Aken überraschend erklärt, [1][nicht wieder für den
Parteivorsitz zu kandidieren]. „In der nächsten Zeit werde ich mich
verstärkt um meine Gesundheit kümmern müssen“, begründete er seine
Entscheidung. Es sei keine lebensbedrohliche Krankheit, trotzdem müsse er
auf sich aufpassen. Ihm falle dieser Schritt „sehr schwer“.
Sein Amt werde er zum Parteitag im Juni niederlegen, so van Aken. Sein
Mandat im Bundestag wolle van Aken bis zum Ende der Legislaturperiode
ausüben und seiner Partei so gut wie möglich zur Verfügung stehen. Seine
Zusage für das [2][diesjährige taz lab am 25. April], bei dem eine
Diskussion mit ihm und der Grünen-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Katharina
Dröge geplant ist, bleibt ebenfalls bestehen.
Der Hanseat steht seit Oktober 2024 gemeinsam mit Schwerdtner an der Spitze
der Linkspartei. In ihrer Amtszeit nahm die zuvor bereits von vielen
totgesagte Partei [3][einen rasanten Aufschwung]. Mit 8,8 Prozent schaffte
sie bei der [4][Bundestagswahl im Februar 2025] ein sensationelles
Comeback, derzeit steht sie in den Umfragen zwischen 10 und 11 Prozent.
Seit dem Amtsantritt der derzeitigen Parteiführung verzeichnete die Linke
mehr als 76.600 Neueintritte und [5][zählt inzwischen mehr als 123.000
Mitglieder].
## Jünger, westlicher, migrantischer
Die Linke sei auf einem guten Weg, befand van Aken. Er sei zuversichtlich,
dass sie in den nächsten Jahren in diesem Land eine immer größere Rolle
spielen werde. „Ich freue mich sehr darauf, dabei zu sein – wenn auch in
einer anderen Funktion“, erklärte er.
„Jan war ein großartiger Vorsitzender“, resümiert Pantisano. Er wisse um
die großen Fußstapfen, die dieser an der Parteispitze hinterlassen werde.
„Die Linke ist jünger, westlicher und feministischer, aber auch
migrantischer geworden und ich finde, ich passe da als Kandidat gut rein“,
sagt Pantisano.
Ob er der einzige Kandidat für die Nachfolge bleiben wird, ist noch offen.
Wie auch immer: Seine Aussichten auf den Parteivorsitz stehen gut. Er hat
sowohl Unterstützung des scheidenden van Aken als auch von Ines
Schwerdtner, die wieder antreten will. „Ich freue mich sehr, dass Luigi
Pantisano sich bereit erklärt, für die Partei Verantwortung zu übernehmen“,
begrüßte sie seine Kandidatur.
## Schwerdtner und Reichinnek unterstützen Pantisano
Schwerdtner habe mit ihm bereits in der Vergangenheit vertrauensvoll
zusammengearbeitet und könne sich daher eine Doppelspitze mit ihm gut
vorstellen. „Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Partei, im Bundestag
und in der Kommunalpolitik bringt er wichtige Fähigkeiten mit, um die
Partei weiter gut aufzustellen.“
Auch die Fraktionsvorsitzende im Bundestag Heidi Reichninnek sprach sich
für ihn aus. Pantisano, aktuell stellvertretender Fraktionsvorsitzender,
sei „in seiner Arbeit immer nah bei den Menschen, egal ob
Industriearbeiter, Klimaaktivist oder Alleinerziehende“, schrieb sie auf
Instagram. Er schaffe es, bei linken Themen klare Kante zu zeigen und
zugleich Menschen zusammenzuführen.
Pantisano, von Beruf Architekt und Stadtplaner, ist seit 2017 Mitglied der
Partei. Dem Bundestag gehört der Vater von zwei Kindern seit dieser
Legislaturperiode an, davor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im
Bundestagsbüro des früheren Linkenchefs und [6][heutigen Vorsitzenden der
Rosa-Luxemburg-Stiftung Bernd Riexinger]. Bis 2025 hatte Pantisanos
politischer Schwerpunkt als Mitglied des Stuttgarter Gemeinderats auf der
Kommunalpolitik gelegen.
Für bundesweite Aufmerksamkeit sorgte der Linke, als er im Jahr 2020 bei
der Oberbürgermeisterwahl [7][in Konstanz mit 45,1 Prozent] nur knapp dem
CDU-Amtsinhaber Ulrich Burchardt unterlag. Er sei „nicht nur im
Straßenwahlkampf ein echter Charmebolzen“, [8][schrieb die taz damals über
ihn].
In der Partei gilt Pantisano als Bewegungslinker. Er gehörte zu denjenigen,
die früh, deutlich und öffentlich [9][gegen das „linkskonservative“ Lager
um Sahra Wagenknecht Position bezogen haben]. Wäre es nach ihm gegangen,
wäre der Bruch mit Wagenknecht und Co nicht erst mit deren Abspaltung im
Oktober 2023 erfolgt.
Wie auch die amtierenden Parteivorsitzenden van Aken und Schwerdtner hat er
sein Abgeordnetengehalt auf das Niveau eines Facharbeiters gedeckelt. Den
Rest zahlt er in einen Sozialfonds ein. Ob das für alle Abgeordneten zur
Regel werden soll, ist derzeit einer der großen Streitpunkte in der
Linkspartei.
## Ein großer Konflikt
Ein anderer großer Konflikt ist der Umgang mit Israel. Pantisano zählt zum
palästinasolidarischen Flügel in der Linken. Ob er im Falle seiner Wahl zum
Vorsitzenden wie van Aken mäßigend auf die offen israelfeindlichen Kräfte
in der Partei einwirken will und kann, dürfte entscheidend für den
Zusammenhalt der Linken sein.
Nach dem früheren Grünen-Chef Cem Özdemir wäre Pantisano der zweite
Vorsitzende einer im Bundestag vertretenen Partei, der aus einer
sogenannten Gastarbeiterfamilie stammt. Seine Eltern Maria und Giuseppe
Pantisano [10][kamen in den 1960er Jahren aus Kalabrien als
Fabrikarbeiter:innen nach Deutschland]. Sein ältester Bruder Cataldo
wurde 1967 noch in Italien geboren, er und seine beiden älteren Brüder
Leonardo und Alfonso kamen im schwäbischen Waiblingen zur Welt.
Die Geschichte seiner Familie präge ihn bis heute und er sei „stolz darauf,
als Kind aus einem Arbeiterhaushalt mit Migrationsgeschichte studiert zu
haben“, betont Pantisano. Er besitzt die deutsche sowie die italienische
Staatsbürgerschaft und ist Mitbegründer von Linkskanax, einem migrantischen
Netzwerk in der Partei. Sein 51-jähriger [11][Bruder Alfonso] ist Mitglied
der SPD und seit 2023 Queerbeauftragter des Berliner Senats.
„Als Kind italienischer Gastarbeiter weiß ich, was es heißt, zu kämpfen“,
sagte Pantisano der taz. Außerdem kenne er als Hauptschüler, der erst über
den zweiten Bildungsweg studieren konnte, „die Erfahrung, die so viele
machen: von der Politik nur von oben herab behandelt zu werden“.
Sein Ziel sei es, die Arbeiter:innen für die Linke zurückzugewinnen. Er
sei „jemand, der sich nicht scheut, dorthin zu gehen, wo es auch mal
Gegenwind gibt, nur so gewinnen wir am Ende Mehrheiten“. Davon ist die
Linkspartei derzeit allerdings noch ziemlich weit entfernt.
16 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Die-Linke-braucht-neuen-Co-Vorsitzenden/!6171393
(DIR) [2] /programm/2026/tazlab2026/de/events/1798.html
(DIR) [3] /Parteitag-der-Linken/!6084373
(DIR) [4] /Wahlerfolg-der-Linkspartei/!6068514
(DIR) [5] /Mitgliederboom-bei-Linkspartei-2025/!6148490
(DIR) [6] /Perspektiven-der-Rosa-Luxemburg-Stiftung/!6139546
(DIR) [7] https://www.konstanz.de/konstanz/wahlen/OB-Wahl/08335043/html5/Oberbuergermeisterwahl_Neuwahl_Stadt_Konstanz_6_Wahlgebiet_Stadt_Konstanz_Gesamtgebiet.html
(DIR) [8] /Moeglicher-neuer-OB-von-Konstanz/!5717727
(DIR) [9] /Linken-Politiker-ueber-Sahra-Wagenknecht/!5764666
(DIR) [10] https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/das-leid-italienischer-gastarbeiter-kinder-meine-eltern-schickten-mich-ins-internat-um-in-deutschland-ans-fliessband-zu-gehen-15052560.html
(DIR) [11] /SPD-Debatte-um-Diversitaet/!5750919
## AUTOREN
(DIR) Pascal Beucker
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