# taz.de -- Sudankonferenz in Berlin: Die richtigen Worte, aber keine Taten
       
       > Die internationale Sudankonferenz in Berlin fand den richtigen Ton. Aber
       > die wichtigste Frage zur Beendigung des Sudankrieges ließ sie
       > unbeantwortet.
       
 (IMG) Bild: Auf der internationalen Sudankonferenz wurden wichtige Hilfszusagen und Appelle getätigt: Doch der erste Schritt im Friedensprozess fehlt
       
       Die [1][internationale Sudankonferenz in Berlin] am Kriegsjahrestag, dem
       15. April, hat vieles richtig gemacht. Wichtige Hilfszusagen und Appelle
       wurden getätigt, die nötigen Schritte für einen Friedensprozess wurden
       besprochen und [2][zivile sudanesische Stimmen] bekamen Gelegenheit zur
       Positionierung und Teilnahme.
       
       Und dass Sudans Kriegsparteien und die international anerkannte Regierung
       des Landes nicht eingeladen waren, war kein Fehler. Dies war keine
       Friedenskonferenz der Kriegsbeteiligten, die einen Friedensprozess
       voranbringen soll. Es war eine Konferenz der Nichtbeteiligten, um
       gemeinsame Positionen im Hinblick auf einen möglichen zukünftigen
       Friedensprozess auszuloten.
       
       Gemessen am desaströsen Zustand der internationalen Diplomatie bei
       sonstigen Kriegen auf der Welt, wo meistens nicht einmal Einigkeit über das
       Gesprächsthema besteht, kann sich das sehen lassen. Und zugleich zeigt es
       auf, warum diese Konferenz folgenlos bleiben dürfte, so wie die
       Sudankonferenzen in Paris und London in den Jahren zuvor.
       
       Denn alle die vielen sinnvollen und vernünftigen Friedensschritte für
       Sudan, die in Berlin besprochen wurden, hängen davon ab, dass Sudans
       Kriegsparteien die Waffen schweigen lassen. Freier Zugang für humanitäre
       Hilfe, Schutz für die Zivilbevölkerung und ein sudanesisch geführter
       politischer Prozess – all das sind die Schritte zwei und drei. Bei Schritt
       eins sind die Warlords am Zug. Und die denken gar nicht daran.
       
       Auch auf der Konferenz wussten es alle, und manche sagten es auch: Eine
       sofortige humanitäre Feuerpause ist die Voraussetzung für alles andere. Wo
       soll die herkommen? Die Kriegsparteien genießen zwar [3][auswärtige
       Unterstützung], aber sie sind keine Marionetten fremder Mächte. Sie sind
       [4][zwei mächtige Flügel derselben allmächtigen autoritären Staatsmacht],
       die Sudan schon seit Jahrzehnten beherrscht und kujoniert. Und sie kämpfen
       erbarmungslos auf Sieg, egal was Diplomaten in Berlin sagen.
       
       Vor sieben Jahren erlebte Sudan einen einzigartig mutigen revolutionären
       Aufstand gegen das Militärregime. Er wurde von den Generälen im Keim
       erstickt. [5][Sudans Demokratiebewegung] kann sich zu Recht fragen, wieso
       sich die Welt nicht damals stärker um Sudan bemühte, also vor dem Krieg, in
       den Jahren des demokratischen Aufbruchs. Die Chance wurde verpasst. Jetzt
       verwüsten die Militärs im Machtkampf untereinander das Land.
       
       Um vom Krieg abzulassen, bräuchten Sudans Kriegsparteien ein verlockendes
       Angebot. Welche Gegenleistungen müssten ihnen gewährt werden, damit sie die
       Gewehre schweigen lassen? Diese Frage ist unappetitlich, denn jede Antwort
       würde vermutlich auf Kosten der sudanesischen Bevölkerung gehen. Aber
       solange darauf niemand eine Antwort findet, geht der Krieg weiter. Den 15.
       April 2027 können sich die Sudandiplomaten der Welt schon mal im Kalender
       für die nächste internationale Sudankonferenz vormerken.
       
       15 Apr 2026
       
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