# taz.de -- Nach der Sudan-Konferenz: Alte Kontroversen und neue Angriffe
> Hilfszusagen, Einigkeit unter den sudanesischen Teilnehmern: Deutschland
> zieht positive Bilanz der Sudankonferenz. Aber Frieden ist nicht in
> Sicht.
(IMG) Bild: Fast wie eine echte Familie
Zum Abschluss der [1][internationalen Sudankonferenz in Berlin] am Mittwoch
haben die 40 angereisten zivilen Vertreter aus Sudan gemeinsam ein Ende des
Krieges, einen zivil und lokal geführten Friedensprozess und eine
Bestrafung von Kriegsverbrechern gefordert.
Der „Gemeinsame Aufruf, den Krieg zu beenden und einen sudanesisch
geführten politischen Prozess voranzubringen“, der der taz vorliegt, ruft
zur Deeskalation und zur Gewaltreduzierung in Sudan auf. Er fordert den
Schutz von Zivilisten und Infrastruktur, die Erleichterung des Zugangs für
humanitäre Helfer sowie einen von Sudanesen geführten Prozess zur
politischen Lösung der Krise Sudans. Ebenso sollen „Täter von
Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Rechenschaft“
gezogen werden.
Ein von Sudanesen geführter „inklusiver und transparenter politischer
Prozess“, so heißt es, sei der einzige Weg, „um die Grundlagen für einen
von Zivilisten geführten demokratischen Übergang zu legen“. Nötig dafür sei
ein „Umfeld für vertrauensbildende Maßnahmen zwischen den Sudanesen“.
Genannt wird ein Ende der Angriffe auf „Zivilisten, Krankenhäuser, Schulen,
Märkte, Stromkraftwerke, Wasserkraftwerke, Brücken und die gesamte zivile
Infrastruktur“ und allgemein eine „humanitäre Feuerpause“.
## Bemühungen um eine Feuerpause treten auf der Stelle
Die mehrere Dutzend Regierungen und internationalen Organisationen, die in
Berlin vertreten waren, konnten sich demgegenüber nicht auf eine gemeinsame
Erklärung verständigen. Wie mehrere Quellen der taz bestätigen, blockierte
Saudi-Arabien – ein Hauptverbündeter der Militärregierung Sudans im Krieg
gegen die paramilitärische Miliz RSF (Rapid Support Forces) – eine
Formulierung, die in der abstrakten Diplomatensprache des Sudankonflikts
als Distanzierung von der zentralen Rolle des Militärs in Sudans
Staatsstruktur und damit als Parteinahme gegen die Militärregierung
verstanden werden könnte.
Es wurde lediglich eine relativ allgemeine gemeinsame Erklärung der
Konferenzausrichter verabschiedet – Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, die USA, die EU und die AU. Darin findet sich nicht einmal
der auf der Konferenz ständig wiederholte Aufruf zu einer sofortigen
„humanitären Feuerpause“ wieder. Die Erklärung verlangt in erster Linie
ungehinderten Zugang zu humanitärer Hilfe in ganz Sudan und ein Ende der
kriegsfördernden ausländischen Unterstützung für die Kriegsparteien.
Konkrete Maßnahmen enthält sie nicht.
Internationale diplomatische Bemühungen, eine „humanitäre Feuerpause“ oder
zumindest ein Ende der Angriffe auf kritische Infrastruktur in Sudan zu
erreichen, treten derzeit auf der Stelle. Dennoch herrscht in Kreisen der
Bundesregierung ein relativer Optimismus, und insgesamt wird eine positive
Bilanz der Konferenz gezogen. Aber wie vermieden werden kann, dass nach
dieser dritten internationalen Sudankonferenz eine vierte am 15. April 2027
mit denselben Inhalten stattfinden muss, bleibt offen.
Immerhin wurden in Berlin Finanzzusagen in einem Umfang von 1,5 Milliarden
Euro für dieses Jahr erbracht, gut die Hälfte des von der UNO ermittelten
Minimalbedarfs, um [2][lebensrettende Hilfe für die Bedürftigsten] zu
leisten. Ein Großteil dieser Bedürftigsten ist aktuell aufgrund der
fortgesetzten Angriffe beider Kriegsparteien sowie administrativer
Behinderungen von Hilfe abgeschnitten.
Während in Berlin die Sudankonferenz tagte, flog Sudans Armee lokalen
Berichten zufolge Drohnenangriffe auf den RSF-kontrollierten Grenzübergang
Adukong zwischen Sudan und Tschad. Die lokale Nothilfegruppe ERR (Emergency
Response Rooms), die Vertreter nach Berlin geschickt hatte, berichtete von
fortgesetzten Angriffen seit Sonntag. Drei Lastenträger seien getötet
worden, es gebe Dutzende Verletzte vor allem tschadischer Nationalität, und
Fahrzeuge, Lebensmittel und Treibstoffe seien in Flammen aufgegangen.
16 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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