# taz.de -- Springer übernimmt „Telegraph“: Pfoten-Versuch in UK
       
       > Springer kauft den „Telegraph“ und will in „bar“ zahlen. Wenigstens geht
       > das Blatt nicht an Larry Ellisons Pro-MAGA-Truppen aus den USA.
       
 (IMG) Bild: London, Bahnhof St. Pancras: Hier hält der Eurostar mit seinen Besuchern aus der Berliner Rudi-Dutschke-Straße
       
       Da dürfte sich Dr. Döpfner letzte Woche aber mehr als eine Flasche Black
       Print hinter die Binde gekippt haben. Nach einer fetten Abfuhr vor über
       zwanzig Jahren und ein paar weiteren vergeblichen Versuchen ist der
       Londoner [1][Daily Telegraph bald under new Management]. From Germany, aus
       der Rudi-Dutschke-Straße, was den Briten wahrscheinlich nicht ganz so viel
       sagt.
       
       Für schlappe 575 Millionen Pfund kauft Springer die „Bibel der
       Konservativen“ auf der Insel und zahlt bar. Nun fahren Mathias Döpfner und
       Friede Springer natürlich nicht mit Köfferchen und kleinen Scheinen im
       Eurostar rüber. Würde beim Zoll auch komisch nach Geldwäsche aussehen. Bar
       bedeutet ja bloß, dass die Verkäufer keine Aktien oder Anteile von Springer
       kriegen. Weil der Großkotzkonzern ja mittlerweile wieder ein kleines,
       feines Familienunternehmen ist. Und eine gut gefüllte Kriegskasse hat.
       
       Vor 20 Jahren spielte beim missglückten Versuch, den Telegraph zu kaufen,
       vielleicht auch ’ne Rolle, dass zumindest viele Telegraph-Pensionäre noch
       fehlerfrei „Mr Hitler, we’re hanging your washing on the Siegfried line“
       singen konnten. Weshalb ein deutsches Unternehmen als Eigentümer im
       britischen Establishment auch 60 Jahre nach Kriegsende nicht so willkommen
       war.
       
       Wie gut auch, dass der heutige Dr. Döpfner nicht derselbe ist wie vor ein
       paar Jahren. Damals hatte ein Springer-Vorstandschef namens Dr. Döpfner
       noch erklärt, Springer werde nie mehr eine gedruckte Zeitung erwerben.
       
       Wobei sich Döpfner hier nur zu gedulden braucht. Der Telegraph rückt wie
       die meisten Londoner Qualitätszeitungen schon seit Jahren keine
       Auflagenzahlen mehr raus. Denn das Ende von „Black Print“ auf Papier naht
       auch im Vereinigten Königreich. Lustig, wenn der Telegraph ausgerechnet
       unter Döpfner die taz macht und die gedruckte Auflage drangibt.
       
       ## Besser Springer als MAGA
       
       Zum Kauf erging sich Springer in schönster Verlegerverantwortungslyrik.
       „Wir wollen den Telegraph weiterentwickeln, dabei seinen unverwechselbaren
       Charakter und sein Erbe bewahren und dazu beitragen, ihn zum meistgelesenen
       und intellektuell inspirierenden, bürgerlich-konservativen Medium der
       englischsprachigen Welt zu machen“, [2][salbadert Mathias C. Döpfner]. Und
       erinnert daran, dass Übervater Axel C. Springer ja nach dem Krieg mit einer
       britischen Lizenz gestartet war.
       
       „Mich erinnert es an den Versuch, ‚Zeig uns erst deine Pfote, damit wir
       wissen, dass du unser liebes Mütterchen bist.‘ Hoffentlich sind seine neuen
       Wackersteine genießbar“, meint die Mitbewohnerin.
       
       Aber besser, der Telegraph geht an Springer, als an [3][Larry Ellisons
       Pro-MAGA-Truppen aus den USA]. Denn die standen hinter den Kulissen auch
       schon Schlange. Auch dass der ohnehin zu mächtige
       Daily-Mail-and-General-Trust-Konzern nicht zum Zuge kommt, ist gut. Denn
       der vergiftet mit seinen rechtskonservativen Kampfblättern für die nicht
       ganz so gebildeten Stände das politische Klima in UK noch professioneller
       als Bild hierzulande.
       
       Springer kann in London dann auch gleich eine neue „Premium-Group“
       aufmachen, denn Politico gibt es in Großbritannien ja auch schon etwas
       länger. Was die Frage aufwirft, ob [4][Helge Fuhst] eigentlich gut Englisch
       kann. Wir heben also unser Glas Black Print und wünschen „good luck“!
       
       10 Mar 2026
       
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 (DIR) [3] /US-Geschaeft-wird-abgespalten/!6146876
 (DIR) [4] /Von-der-ARD-zu-Axel-Springer/!6145738
       
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