# taz.de -- Offensive gegen Regierung in Mali: Die Sahelkrise meldet sich zurück
> Die Angriffe der Islamisten in Mali könnten zu einem Zerfall des Landes
> in Warlordgebiete führen. Es drohen Zustände wie im Sudan.
(IMG) Bild: Es wird nicht zwangsläufig einen Dominoeffekt geben
Seit Monaten war klar, dass die bewaffneten Islamisten der Sahelzone immer
stärker werden. Das Ausmaß des Großangriffs der radikalislamischen JNIM
(Gruppe zur Verteidigung des Islams und der Muslime) im Bündnis mit der
Tuareg-Rebellenallianz FLA (Front zur Befreiung von Azawad) am Wochenende
in Mali aber übertrifft fast die kühnsten Erwartungen. Zwar ist Malis
Militärregierung in der Hauptstadt Bamako formal noch an der Macht. Davon
abgesehen zerbröselt gerade alles.
Die Regierung ist abgetaucht. Das Hauptquartier der Streitkräfte ist
umkämpft. In der nördlichsten Provinzhauptstadt Kidal tief in der Wüste
Sahara weht die Flagge der Tuareg-Rebellen. Die [1][Truppen aus Russland]
dort ziehen sich zurück. Die prorussischen Militärregierungen in [2][Mali
sowie in Niger und in Burkina Faso] stehen mit dem Rücken zur Wand. Ihr
Rezept gegen Aufständische – mehr Gewalt, mehr Diktatur, mehr
Unterdrückung, mehr Zentralisierung – geht nach hinten los.
Islamistische Gruppen werben erfolgreich um lokale Gemeinschaften und
setzen sich fest. Die Hoffnung der malischen Generäle auf Moskau zerplatzt
wie eine Seifenblase: 2.000 russische Kämpfer sind nun einmal kein
gleichwertiger Ersatz für 20.000 UN-Blauhelme mit Luftunterstützung und
französischen Spezialkräften.
Und aller Propaganda zum Trotz sind die drei Militärregime nicht in der
Lage, sich im Krisenfall gegenseitig zu helfen, denn es mangelt an der
Infrastruktur zur raschen Überwindung von mehreren tausend Kilometern durch
die Wüste. Das gilt natürlich auch für die islamistischen Kämpfer, die aus
diesem Grund wenig Anstalten machen dürften, die Staatsmacht an sich zu
reißen. Sie können auch ohne Staatsmacht Bevölkerungen beherrschen.
## Drohendes Horrorszenario
Es wird nicht zwangsläufig einen Dominoeffekt geben, der in die anderen
Länder wirkt. Wahrscheinlicher ist ein Zerfall Malis in Warlordgebiete oder
politische Wirren an der Militärspitze – oder beides. Dann würde Mali in
den [3][Zustand Sudans] abgleiten. Auf dieses Horrorszenario fehlt bisher
jede Antwort. Als die Bundeswehr noch in Mali stand, fand Deutschland die
Region wichtig, Europa insgesamt auch.
„Die Instabilität und der Terrorismus in der Sahelzone stellen eine
unmittelbare Bedrohung unserer Sicherheit dar“, lautet [4][einer der
diplomatischen Standardsätze] aus der Ära vor Malis erstem Militärputsch
2020. Heute hat man die Sahelzone abgeschrieben. Die Probleme aber bleiben.
Die Sahelkrise ist zurück, drastischer als zuvor. Und diesmal ist niemand
in Sicht, der auch nur den Versuch unternimmt, sie zu lösen.
26 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Russische-Wagner-Gruppe-in-Mali/!6091537
(DIR) [2] /Gewalt-in-Afrikas-Sahelzone/!6162521
(DIR) [3] /Schwerpunkt-Krieg-in-Sudan/!t5930698
(DIR) [4] https://www.eeas.europa.eu/eeas/gemeinsam-f%C3%BCr-sicherheit-stabilit%C3%A4t-und-entwicklung-der-sahelzone_de
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
## TAGS
(DIR) Sahel
(DIR) Mali
(DIR) Islamismus
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Mali
(DIR) Mali
(DIR) Mali
(DIR) Mali
(DIR) Mali
(DIR) Sahelzone
(DIR) Mali
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Krieg gegen Islamisten in Mali: Malis Hauptstadt ohne fließendes Wasser
Ein mutmaßlicher Rebellenangriff verursacht eine „technische Störung“ an
Malis größtem Staudamm. Das trifft die Versorgung der Hauptstadt Bamako.
(DIR) Schwere Kämpfe im Norden Malis: Rebellenoffensive gegen Russlands Präsenz
Die Koalition von Tuareg-Rebellen und Islamisten geht erneut in die
Offensive. Sie will die Russen aus deren letzten Bastionen vertreiben.
(DIR) Krise in Mali: Präsident Goïta ist wieder aufgetaucht
Malis Militärherrscher behauptet, die Lage sei unter Kontrolle – aber die
Kämpfe sind nicht vorbei. Regierungsanhänger verüben Übergriffe auf Tuareg.
(DIR) Krise in Mali: Konfusion nach Rebellenangriffen
Malis Hauptstadt Bamako bleibt in Regierungshand, aber ein Teil der
Militärregierung ist unauffindbar. Russland zieht sich aus Nord-Mali
zurück.
(DIR) Militärregierung in Mali: Heimliche Gespräche mit bewaffneten Islamisten
Malis bedrängte Militärregierung lässt Gefangene frei und spricht mit der
bewaffneten Islamistengruppe JNIM. Offiziell lehnt sie Gespräche weiter ab.
(DIR) Gewalt in Afrikas Sahelzone: Terror und Krieg zerreißen Westafrika
In Mali, Niger und Burkina Faso sind bewaffnete Islamisten stärker denn je.
Mit Wirtschaftskrieg an den Grenzen schwächen sie die Militärregime.
(DIR) Bundeswehr in Mali: Einsatz kostet 4,3 Milliarden Euro
Für den Einsatz der Bundeswehr in Mali hat der Bund bislang rund 3,5
Milliarden Euro ausgegeben. Bis Mai 2024 kommen weitere rund 760 Millionen
Euro dazu.