# taz.de -- Krise in Mali: Konfusion nach Rebellenangriffen
> Malis Hauptstadt Bamako bleibt in Regierungshand, aber ein Teil der
> Militärregierung ist unauffindbar. Russland zieht sich aus Nord-Mali
> zurück.
(IMG) Bild: Die Tuareg-Rebellenallianz in der Stadt Kidal
In Malis Hauptstadt Bamako herrschte am Montag eine prekäre Ruhe. Aber
Normalität ist noch nicht eingekehrt nach der landesweiten Großoffensive
einer Rebellenkoalition gegen Malis Militärregime vom Wochenende. Stand
Montagnachmittag hat sich Staats- und Armeechef General Assimi Goita noch
immer nicht zu Wort gemeldet, sein Aufenthaltsort bleibt unklar. Quellen in
Bamako berichten der taz, der malische Juntachef habe sich aus der
Hauptstadt an einen sicheren Ort in Richtung des südwestlichen
Nachbarlandes Guinea begeben. Experten in den sozialen Netzwerken vermuten
ihn in einer Basis der Spezialkräfte, die Goita früher kommandierte, –
möglicherweise unter türkischem Schutz.
Von den fünf Putschanführern, die 2020 Malis gewählte Zivilregierung
gestürzt und mittlerweile ein autoritäres Militärregime errichtet haben,
sind zwei jetzt ausgeschaltet: Verteidigungsminister Sadio Camara, dessen
Tod die Regierung [1][am Sonntagabend bestätigte], und Geheimdienstchef
Modibo Koné, bei dem die offizielle Bestätigung noch ausbleibt – es gibt
auch Berichte, er sei schwerverletzt nach Marokko ausgeflogen worden.
Camara sowie seine Familie fielen einem Autobombenanschlag auf seine
Residenz am Samstagmorgen zum Opfer, als die Kämpfer der islamistischen
JNIM (Gruppe für die Unterstützung des Islams und der Muslime) die Stadt
Kati 15 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Bamako stürmten, wo Malis hohe
Generäle leben.
Die schweren Kämpfe um Kati, die noch am Sonntag andauerten, sollen
zahlreiche Opfer gefordert haben. Journalisten sahen am Montag ausgebrannte
Autos und andere Spuren von Gefechten in den Straßen des Ortes, ebenso in
der Nähe des internationalen Flughafens von Bamako, der entgegen einer
ersten Ankündigung auch am Montag noch nicht wieder für zivile Flüge
geöffnet war.
Umkämpft waren auch die Städte Mopti und Sévaré im Zentrum von Mali
gewesen, die beide am Samstag zeitweise unter JNIM-Kontrolle gerieten,
bevor sich die Aufständischen mit Plündergut eindeckten und zurückzogen.
Die Regierungsarmee festigt wieder ihre Präsenz, es zirkulieren
unbestätigte Fotos und Videos von Leichen auf den Straßen.
## Russen geben ihre Basen auf
Der Norden Malis, wo die Tuareg-Rebellenallianz FLA (Front zur Befreiung
von Azawad) ihren eigenen Staat „Azawad“ wiederherstellen will, entgleitet
derweil dem malischen Staat. Die Eingreiftruppen des Afrika-Korps aus
Russland, die in diesem Landesteil für Malis Armee die Kontrolle ausüben
sollten, geben lokalen Berichten zufolge einen Ort nach dem anderen auf und
übergeben ihre Einrichtungen an die FLA: erst Malis nördlichste
Provinzhauptstadt Kidal, am Montag auch die Stadt Tessit an der Grenze zum
Nachbarland Niger und schließlich die Garnissonsstädte [2][Tessalit] und
Aguelhok in der Wüste.
Die Tuareg-Rebellen sollen den Russen einen freien Abzug Richtung Libyen in
Aussicht gestellt haben, vermutlich auf dem Luftweg aus Gao heraus, der
größten Stadt der Region. Im Windschatten der FLA beziehen auch
JNIM-Islamisten Position in den geräumten Städten.
Dass die Rebellen auf diese Weise die Kämpfer aus Russland außer Landes
schaffen, die für zahlreiche Verbrechen an Malis Zivilbevölkerung
verantwortlich gemacht werden, erfreut Malis zivile Opposition, die sich
mittlerweile größtenteils im Exil befindet. Ein Exilvertreter sprach am
Sonntagabend der JNIM-FLA-Koalition [3][in einer Videobotschaft] seine
„Glückwünsche“ aus und äußerte die Hoffnung auf einen „neuen demokratischen
Übergang“ in Mali.
Das Bündnis CFR (Koalition der Kräfte für die Republik) des nach Algerien
geflohenen Oppositionsführers Imam Dicko äußerte sich zurückhaltender und
verurteilte [4][in einer Erklärung] „jeden Angriff gegen die
Zivilbevölkerung, öffentliche Orte, kritische Infrastruktur und das
Eigentum der Bürger“. Die Kämpfe seien aber ein „erneuter Beweis des
Scheiterns des Militärregimes“. Dicko hat in der Vergangenheit politischen
Dialog unter Einbeziehung von JNIM gefordert, um Malis Krise zu lösen.
27 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/SahelAlerte/status/2048497613700255927
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(DIR) [4] https://x.com/FranceAfrique23/status/2048443183084757423
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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