# taz.de -- Krise in Mali: Präsident Goïta ist wieder aufgetaucht
       
       > Malis Militärherrscher behauptet, die Lage sei unter Kontrolle – aber die
       > Kämpfe sind nicht vorbei. Regierungsanhänger verüben Übergriffe auf
       > Tuareg.
       
 (IMG) Bild: Die Lage im Land sei unter „Kontrolle“, erklärt Malis Junta-Chef Assimi Goïta in einer TV-Ansprache am 28. April 2026
       
       Malis Junta-Chef Assimi Goïta ist wieder aufgetaucht. Seit Beginn der
       schweren Angriffswelle, die das Land am Wochenende erschüttert hat, war es
       still um den General gewesen, es kursierten Gerüchte über einen Umsturz. Am
       Dienstagabend hielt Goïta eine [1][Ansprache im Staatsfernsehen]. Er
       bezeichnete die Lage als „äußerst ernst“, aber „unter Kontrolle“ und rief
       die Bevölkerung zur Ruhe auf.
       
       Von Samstag auf Sonntag verübten Tuareg-Rebellen der Befreiungsfront von
       Azawad (FLA) zusammen mit Terroristen der islamistischen Gruppe zur
       Unterstützung des Islam und der Muslime (JNIM) schwere Angriffe in
       zahlreichen Städten. Damit besiegelte sich auch eine neue Allianz zwischen
       den beiden Gruppen, die schon länger vermutet wurde.
       
       Die Kämpfe gelten als die blutigsten in Mali seit 2012. Während
       Staatsoberhaupt Goïta den Mut seiner Truppen lobte, wetterte er gegen das
       Ausland: Die Angriffe seien „Teil eines umfassenden Plans zur
       Destabilisierung“, der von bewaffneten Terrorgruppen und deren
       Unterstützern im Inland und Ausland ausgeführt werde.
       
       In der malischen Rhetorik ist dies kein neuer Vorwurf. Immer wieder wird
       vor allem Frankreich direkt oder indirekt vorgeworfen, terroristische
       Aktivitäten zu unterstützen, ebenso das Nachbarland Algerien, mit dem Mali
       eine 1.400 Kilometer lange Grenze teilt.
       
       ## Rebellen haben mehrere Städte eingenommen
       
       Die Lage bleibt unklar. Während Goïta versicherte, man habe den Angreifern
       „einen heftigen Dämpfer versetzt“ und die gute Zusammenarbeit mit den
       Russen lobte, konnte die Koalition aus JNIM und FLA mit Gao und Kidal
       gleich zwei wichtige Städte im Norden des Landes einnehmen. Videos vom
       Wochenende zeigten die Truppen des russischen Afrikakorps mit weißer Fahne
       beim Abzug aus Kidal. Statt zu kämpfen, haben sie Berichten zufolge mit der
       FLA ihren Abzug verhandelt und sollen die malische Armee im Stich gelassen
       haben. Malis Armee zieht sich nun aus weiteren Orten im Norden Malis
       zurück.
       
       Derweil häufen sich Berichte über mutmaßliche Übergriffe auf Angehörige der
       Tuareg- und Peul-Gemeinschaften. In Mali, Niger und Burkina Faso geraten
       diese Volksgruppen immer wieder pauschal in den Verdacht, Verbindungen zu
       bewaffneten islamistischen oder separatistischen Organisationen zu haben.
       Nach den schweren Angriffen vom Wochenende in Mali soll es in Bamako zu
       Lynchversuchen gekommen sein, bei denen Peul und Tuareg als Terroristen
       bezichtigt und angegriffen wurden.
       
       Malis nationale Behörde zur Bekämpfung der Cyberkriminalität reagierte
       inzwischen mit einem selten deutlichen [2][Appell], Online-Aufrufe zu Hass
       und Lynchjustiz zu unterlassen. Auch Assimi Goïta rief in seiner Ansprache
       zu Zusammenhalt auf.
       
       Während die Angriffswelle der FLA und JNIM sich vorerst beruhigt zu haben
       scheint, tut sich im Nordosten des Landes eine neue Front auf: Die
       grenzüberschreitend operierende Terrorgruppe „Islamischer Staat in der
       Sahel-Provinz“ (ISSP) verübte Raketenangriffe auf die Stadt Menaka und soll
       diese sogar zumindest zeitweise besetzt haben. Die IS-Gruppe operiert
       parallel zu JNIM und FLA, bekämpft diese aber auch.
       
       ## Islamisten wollen Malis Hauptstadt blockieren
       
       Unterdessen hat JNIM eine erneute Blockade angekündigt, mit der Bamako von
       der Versorgung abgeschnitten werden soll. Im Oktober und November 2025
       hatte eine solche Blockade die malische Hauptstadt bereits empfindlich
       getroffen.
       
       Auch in den Nachbarländern Niger und Burkina Faso sorgt die Lage für
       Nervosität. So wurden in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou zusätzliche
       Wachposten an strategisch wichtigen Punkten aufgestellt. In Niger wurden
       die Feierlichkeiten zum 1. Mai aus Sicherheitsgründen abgesagt.
       
       29 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.maliweb.net/nation/attaques-barbares-du-25-avril-2026-le-chef-de-letat-promet-la-neutralisation-complete-des-groupes-impliques-3116337.html
 (DIR) [2] https://pbs.twimg.com/media/HHBJRmdaUAAXMNj?format=jpg&name=large
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Helena Kreiensiek
       
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