# taz.de -- Achse China–Iran: Flugabwehr made in China?
       
       > Peking gibt sich im Irankrieg diplomatisch, soll Teheran aber direkt mit
       > Waffen beliefern wollen. Das berichten Medien übereinstimmend.
       
 (IMG) Bild: Wieviele Dual-Use-Güter bekommt die iranische Rüstungsindustrie auch China?
       
       Wenn China auf der internationalen Bühne agiert, tritt es oftmals mit zwei
       Gesichtern auf. Beide scheinen in direktem Widerspruch zu stehen. Nach
       außen hin gibt sich die Volksrepublik als neutrale Friedensmacht. Am Montag
       betonte etwa Guo Jiaokun, Sprecher des Außenministeriums in Peking, dass
       die jüngsten Gespräche zwischen den USA und Iran ein Schritt in die
       richtige Richtung seien: Beide Seiten sollten den Konflikt auf
       diplomatischem Wege lösen, heißt es.
       
       Und doch verdichten sich Hinweise, dass [1][China die Feuerpause nutzen
       möchte], um seinen strategischen Partner Iran militärisch aufzurüsten. Laut
       Informationen des US-Geheimdienstes steht Peking kurz vor einer Lieferung
       an Flugabwehrraketen nach Teheran. Der amerikanische Sender CNN berichtete
       dies zunächst exklusiv, später zog die Nachrichtenagentur Reuters nach –
       beide Medien berufen sich auf mehrere Quellen.
       
       Die chinesische Botschaft in Washington hat die Anschuldigungen sofort
       dementiert. Und doch bedeutet dies wenig: Im Vorjahr hat China ähnliche
       Anschuldigungen ebenfalls dementiert. Und seither gilt als nahezu
       gesichert, dass die Volksrepublik den Iran mit chemischen Vorprodukten für
       Raketentreibstoff sowie Einzelteilen zur Drohnenproduktion beliefert.
       
       Ob der aktuelle CNN-Report stimmt, lässt sich zwar nicht unabhängig
       überprüfen. Doch vieles spricht dafür, dass die Quellen die Anschuldigungen
       aus taktischen Gründen durchgestochen haben, um den öffentlichen Druck auf
       China zu erhöhen. Als US-Präsident Donald Trump auf die Causa angesprochen
       wurde, sprach er eine knappe Warnung aus: „Wenn China das tut, wird China
       große Probleme haben.“
       
       Bereits in Bezug auf den Ukrainekrieg ließ sich Chinas doppeltes Spiel
       beobachten: Nach außen gab sich der Staat als bemühter Friedensvermittler,
       doch tatsächlich hält man seit nun mehr vier Jahren Putins
       Kriegsmaschinerie am Laufen – indem chinesische Firmen einen Großteil jener
       [2][Dual-Use-Güter nach Russland] exportieren, ohne die der Kreml den Krieg
       gegen die Ukraine niemals in der Form hätte eskalieren können.
       
       ## Direkte Waffenlieferungen waren bisher eine rote Linie
       
       Doch direkte Waffenlieferungen in eine aktive Kriegsregion waren für China
       stets eine rote Linie. Sollte man diese diesmal überschreiten, würde dies
       eine immense Provokation für die Vereinigten Staaten darstellen. China
       könnte seine Militärtechnologie in einer realen Konfliktsituation testen –
       und dazu noch gegen den direkten Rivalen USA.
       
       Moralisch dürfte sich China im Recht sehen, weil es mit Iran einen
       strategischen Partner bei der Selbstverteidigung hilft. Und dass
       ausländische Geheimdienste davon mitbekämen, war eigentlich eher
       unwahrscheinlich: Bei den vermuteten Waffensystemen handelt es sich
       schließlich um sogenannte „MANPADS“, auf Deutsch
       „Einmann-Flugabwehr-Lenkwaffen“. Sie sind klein genug, um über den Luftraum
       transportiert zu werden – und laut CNN wäre geplant gewesen, die Exporte
       über Drittländer laufen zu lassen, um die wahre Herkunft zu verschleiern.
       
       13 Apr 2026
       
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 (DIR) Fabian Kretschmer
       
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