# taz.de -- Irankrieg: Wie Iran die Golfstaaten angreift
> Trotz Waffenruhe attackierte Teheran weiterhin die Infrastruktur der
> arabischen Länder am Golf. Können die Verhandlungen in Pakistan weitere
> Attacken verhindern?
(IMG) Bild: In Saudi-Arabien wurde unter anderem eine der Pumpstationen der Ost-West-Pipeline attackiert
Trotz offiziell vereinbarter Waffenruhe attackiert Iran weiter [1][die
Golfstaaten] und Jordanien. Die Zahl der Angriffe allein vom vergangenen
Mittwoch ist hoch: 32 auf Kuwait, 44 auf Bahrain, sieben auf Katar, 52 auf
die Vereinigten Arabischen Emirate, 14 auf Saudi-Arabien, zwei auf
Jordanien. Das dokumentiert das Gulf Research Center, ansässig in
Saudi-Arabien. Offenbar scheint die proklamierte Waffenruhe nur für
Angriffe seitens der USA auf Iran, sowie seitens Israel auf Iran und
umgekehrt zu gelten.
Die iranischen Angriffe in den Golfstaaten gelten nicht etwa den von den
USA genutzten Militärbasen, sondern der zivilen Infrastruktur, vor allem im
Bereich Energie. Ein Beispiel: In Saudi-Arabien wurde, wie die staatliche
Nachrichtenagentur Saudi Press Agency berichtet, eine der Pumpstationen der
Ost-West-Pipeline attackiert.
Seitdem Iran die Durchfahrt der [2][Straße von Hormus] kontrolliert, ist
diese Pipeline für Saudi-Arabiens Exporte umso wichtiger geworden. Sie
verläuft von den Ölfeldern im Osten des Landes zum Hafen Yanbu im Westen
des Landes, am Roten Meer. Die Output-Kapazität, so Saudi Press Agency,
wurde durch den Angriff um ganze 700.000 Barrel Öl pro Tag gemindert.
Auch in den Vereinigten Arabischen Emirate wurden Einrichtungen der
Energieindustrie beschädigt. Betroffen war unter anderem das Habshan
Gasfeld bei Abu Dhabi.
Auch in Iran gab es am Mittwoch Angriffe – zeitlich wohl nach den ersten
heftigen Attacken auf die Golfstaaten. Betroffen war die staatliche
betriebene Ölraffinerie Lavan. Israel und die USA erklärten, diesen Angriff
nicht geflogen zu haben. Iran warf dann den Vereinigten Arabischen Emiraten
vor, verantwortlich zu sein.
Darauf könnten auch online kursierende Bilder eines angeblich beteiligten
Flugzeugs hindeuten. Dabei handelt es sich wohl um eine Dassault Mirage
2000. Dieser Kampfjet wird unter anderem von der Luftwaffe der Vereinigten
Arabischen Emirate genutzt. Abu Dhabi hat den Angriff bislang nicht für
sich reklamiert.
## Wie Pakistan zu den Golfstaaten steht
Am Donnerstag und Freitag wurden zunächst keine Angriffe mehr vermeldet.
Die Vorbereitungen für die geplanten Gespräche zwischen den USA und Iran
[3][in Pakistan] sind derweil in vollem Gange.
Zwischen Pakistan und den Golfstaaten besteht eine besondere Beziehung: Zum
einen erhielt das Südasiatische Land in der Vergangenheit großzügige
Kredite in Höhe mehrerer Milliarden US-Dollar, vor allem aus Saudi-Arabien
und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zum anderen arbeiten mindestens 10
Millionen pakistanische Bürgerinnen und Bürger in den Golfstaaten. Das
Geld, das sie nach Hause senden, ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in
Pakistan.
Außerdem haben Saudi-Arabien und Pakistan [4][im vergangenen Herbst einen
Verteidigungspakt] unterzeichnet. Damit wurde eine bereits seit Jahren
existierende, enge Beziehung formalisiert. Zu dem Pakt gehört unter anderem
die Vereinbarung, sich im Aggressionsfall beizustehen. Im Ernstfall, so
bewerten Analysten die Vereinbarung, käme Saudi-Arabien damit unter dem
pakistanischen Nuklearschirm unter. Etwa 170 nukleare Sprengköpfe soll das
Arsenal Pakistans umfassen.
Hinzu kommt: Pakistan und auch Ägypten mit ihren großen konventionellen
Armeen mit reichlich Bodentruppen galten den Golfstaaten als eine Art
Beistand für Notfälle. Manche Analysten sagen deshalb: Die Existenz Irans
und das damit einhergehende Risiko für die arabischen Golfstaaten war auch
ein Garant für gute Beziehungen zwischen jeweils Pakistan und Ägypten mit
den Golfstaaten. Ein Ende des iranischen Regimes könnte den beiden Staaten
sogar zum Nachteil gereichen.
## Wie viel Potenzial haben die Gespräche in Pakistan?
Der [5][Vorlauf der Gespräche] scheint nicht gerade vielversprechend
verlaufen zu sein. So scheint Pakistan an die USA und an Iran
unterschiedliche Versionen der jeweiligen Forderungen kommuniziert zu
haben. Das berichten Analysten.
Und die Unterschiede zwischen den öffentlich bekannten Forderungen beider
Staaten – 10 auf der iranischen Seite, 15 auf der US-amerikanischen – sind
gigantisch.
Die 15 Punkte seitens der USA, laut Medienberichten: Der Iran verpflichtet
sich, niemals Atomwaffen zu entwickeln. Der Iran darf kein Uran mehr im
eigenen Land anreichern und muss seine Bestände an bereits angereichertem
Uran an die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) übergeben.
Teheran soll sich verpflichten, der IAEA die Überwachung aller Teile der
verbleibenden nuklearen Infrastruktur des Landes zu gestatten. Die Straße
von Hormus muss wiedereröffnet werden. Die iranische Unterstützung für
regionale Proxies wie die Hisbollah im Libanon und die Houthis im Jemen
muss enden. Reichweite und Anzahl der iranischen Raketen müssen begrenzt
werden. Im Gegensatz sollen alle gegen Iran verhängten Sanktionen
aufgehoben werden.
Die 10 Punkte seitens Iran, laut Medienberichten: Dauerhafter
Waffenstillstand. Keine künftigen militärischen Aggressionen und
verbindliche Garantie, dass die USA und ihre Verbündeten den Iran nicht
erneut angreifen werden. Beendigung regionaler Konflikte, an denen
sogenannte Verbündete Irans beteiligt sind. Vollständige Aufhebung der
Sanktionen. Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte. Anerkennung
des Rechts seitens Iran auf Anreicherung von Uran. Abzug der
US-Streitkräfte aus der gesamten Region. Iran behält die Hoheit über die
Straße von Hormus. Entschädigung für Kriegsschäden und Wiederaufbaukosten.
Die Forderungen beider Seiten sind nicht zu vereinen. Es ist unrealistisch,
dass diese zügig überwunden werden können.
## USA verbringen weiter Equipment in die Region
Warum kommt diese Waffenruhe also gerade jetzt? Ein Faktor könnten die
[6][Weltwirtschaft] sein: So ist der Preis pro Barrel für die Ölsorte Brent
mit dem Beginn der Waffenruhe von etwa 110 US-Dollar auf etwa 95 US-Dollar
abgesunken. Der Preis pro Barrel Rohöl sank von etwa 177 auf derzeit 98
US-Dollar. Falls der Krieg also erneut beginnen sollte, würden die Preise
von einem niedrigeren Niveau als zuvor wieder anziehen.
Hinzu kommt: Iran hat in diesem Krieg gleichzeitig Israel, die gesamten
Golfstaaten und Jordanien angegriffen. Laut Gulf Research Center gab es am
Golf und in Jordanien insgesamt fast 7.000 einzelne Angriffe. Etwa 75
Prozent erfolgten mit Drohnen. Die sind für Iran günstig zu produzieren,
aber teuer abzufangen. Eine einzelne Abfangrakete für das in der Region
genutzt Thaad-Luftabwehrsystem kostet schon etwa 15 Millionen US-Dollar.
Und durch die massenhaften Angriffe Irans gingen die Abfangraketen zur
Neige. Diese Bestände sollen nun aufgefüllt werden.
Die USA verlegen außerdem weiteres Equipment in die Region, unter anderem
Reaper-Drohnen. Auch der Flugzeugträger USS George H.W. Bush ist auf dem
Weg in die Region, er wird Ende der kommenden Woche dort erwartet.
Insgesamt befinden sich dann drei Flugzeugträger mit Beischiffen in der
Region. Auch weitere Soldaten, unter anderem Marines, werden Berichten
zufolge jetzt dorthin gebracht.
Das bedeutet nicht unbedingt eine Rückkehr zum Krieg. Doch die Drohung
steht im Raum. Und vor dem Hintergrund der gigantischen Differenzen
zwischen der US-amerikanischen und der iranischen Position ist eine
Wiederaufnahme der Kämpfe wohl so wahrscheinlich wie ein Voranschreiten zum
Frieden.
11 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lisa Schneider
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