# taz.de -- Israels Sicht auf den Irankrieg: Kein Interesse an einer Waffenruhe
       
       > Für Israel dürfte die Verkündung der Waffenruhe in Iran ein Rückschlag
       > sein. Seine Hauptziele im Krieg hat die Netanjahu-Regierung nicht
       > erreicht.
       
 (IMG) Bild: Israels Premierminister Benjamin Netanjahu war in die Gespräche zwischen den USA und Iran nicht eingebunden
       
       Kurz bevor eine Waffenruhe in Kraft tritt, verstärken die Kriegsparteien
       oft ihre Angriffe. Das soll für Verhandlungen Drohpotenzial aufbauen. Trotz
       militärischer Unterlegenheit kann das Regime in Teheran weiterhin Raketen
       auf Israel und den Golf schießen. So heulte in der Nacht auf Mittwoch, kurz
       vor Ablauf von Donald Trumps Ultimatum, mehrmals der Luftalarm in Israel.
       Um 3.38 Uhr Ortszeit zeigte sich auf den Telefonen im Schutzraum in Tel
       Aviv die vorerst letzte Entwarnung – zeitgleich mit der Verkündung der
       Waffenruhe.
       
       Doch wie blickt man [1][in Israel] auf die zweiwöchige Kampfpause? Zu
       Beginn des Krieges unterstützten über 90 Prozent der jüdischen Israelis den
       Irankrieg. Inzwischen sank die Zustimmung leicht auf 78 Prozent. Denn
       Israels vier Hauptziele bleiben weitgehend unerreicht. Die Zukunft des
       iranischen Atomprogramms ist ungewiss. Trump behauptet, durch Luftangriffe
       sei Irans angereichertes Uran unter Trümmern verschüttet worden. Doch es
       dürfte kaum überraschen, wenn Benjamin Netanjahu bald wieder vor einer
       [2][iranischen Atombombe] warnt – wie seit Jahrzehnten. Das Raketen- und
       Drohnenarsenal Irans wurde schwer beschädigt, aber nicht vernichtet. Die
       neue iranische Führung wird umso entschlossener versuchen, es wieder
       aufzubauen.
       
       Auch das israelische Ziel eines Regimewechsels wurde verfehlt. Stattdessen
       [3][haben die Hardliner aus den Revolutionsgarden ihren Einfluss
       vergrößert]. Sowohl Trump als auch ein iranischer 10-Punkte-Plan sehen
       dennoch Gespräche über eine Aufhebung internationaler Sanktionen vor. Aus
       israelischer Sicht ein Rückschlag.
       
       Trotzdem sehen manche Analysten und Politiker in Israel den Krieg als
       Erfolg. Das liegt daran, dass die israelische Führung in der Region kaum
       noch politische Lösungen sucht. Eine vorübergehende militärische Lösung
       gilt bereits als Erfolg. Israelische Medien verwenden für diese Doktrin mit
       Blick auf die besetzten Palästinensergebiete den makabren Namen
       „Rasenmähen“: Statt auf Diplomatie zu setzen, beseitigt man militärische
       Bedrohungen regelmäßig gewaltsam. So kommt ein Analyst der Webseite Ynet
       News zu dem Schluss, die militärischen Ziele seien schon erreicht, weil die
       iranische Bedrohung „möglicherweise auf Jahre“ beseitigt worden sei.
       
       ## Mehr als 100 Angriffe auf Libanon am Mittwoch
       
       Das mag Netanjahu in Israel als Erfolg verkaufen können. Dass er laut
       US-Medien in die Gespräche gar nicht eingebunden war, spricht jedoch Bände.
       Auf Trump stieg zuletzt in den USA der Druck, einen Ausweg aus dem Krieg zu
       finden. Die israelische Führung will genau das verhindern. Teile der
       Opposition stimmen dem zu: Avigdor Lieberman von der
       säkular-nationalistischen Partei Unser Haus Israel erklärte, die Waffenruhe
       bedeute lediglich, dass das Regime in Iran „durchatmen“ könne. Israel werde
       in Zukunft erneut angreifen müssen.
       
       Es dauerte daher am Mittwoch nicht lange, bis Israel klarstellte, dass die
       Waffenruhe, anders als von Pakistan kommuniziert, nicht für Libanon gelte –
       obwohl die Schiitenmiliz angekündigt hatte, ihre Angriffe einzustellen.
       Kurz darauf meldete das israelische Militär die größte Angriffswelle seit
       Kriegsbeginn auf mehr als 100 Ziele im Nachbarland. Der Konflikt mit der
       Hisbollah, die in Libanon zunehmend isoliert ist und eng mit Iran verbunden
       bleibt, könnte damit zum Fallstrick für ein Ende des Krieges mit Iran
       werden.
       
       8 Apr 2026
       
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