# taz.de -- Waffenstillstand zwischen Iran und USA: Rauchsäulen über Beirut
> In Libanon geht der Krieg mit voller Wucht weiter. Israels Armee spricht
> von der größten Angriffswelle seit Anfang März.
(IMG) Bild: Israelischer Angriff auf ein Gebäude in Beirut am 8. April
Wackelnde Böden, vibrierende Fenster und Rauchsäulen, die an mehreren Orten
aufstiegen: Die libanesische Hauptstadt Beirut am Mittwochmittag. Israels
Armee gab an, innerhalb von zehn Minuten 100 Angriffe in Libanon
durchgeführt zu haben. Die Armee habe die größte Angriffswelle seit Anfang
März gegen das Land gestartet.
Die Angriffe galten Beirut, dem Bekaa-Tal und Südlibanon. Sie kamen ohne
Vorwarnung und versetzten die Zivilbevölkerung in Angst und Schrecken. Die
Operation sei „mehrere Wochen geplant“ gewesen, sagte ein israelischer
Armeesprecher.
[1][Dabei hatten die Menschen auf einen Waffenstillstand gehofft]. „Das
wäre eine enorme Erleichterung für alle in Libanon“, sagt die 30-jährige
Amani Abd al-Rahman. Sie lebt in Ostlibanon, in der dortigen Bekaa-Ebene
unterstützt sie mit der deutsch-libanesischen Initiative „Haddak“
Kriegsvertriebene in Notunterkünften. Über eine Million Menschen sind durch
den Krieg vertrieben worden – nicht nur im Süden des Landes, sondern auch
im Osten, aus der Gegend um Baalbek.
„Die Vertriebenen haben geplant, nach der Verkündung eines
Waffenstillstands in ihre Häuser zurückzukehren.“ Anders als im Süden, wo
ganze Dörfer zerstört sind, hofften die Menschen im Osten, ihre Häuser noch
vorzufinden oder zumindest bei Verwandten unterzukommen, erzählt Abd
al-Rahman. „Die israelische Erklärung, dass der Waffenstillstand nicht für
den Libanon gilt, hat die Hoffnung schwinden lassen.“
## Einmarsch geht weiter
Zwar hatte der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif gesagt, das
Abkommen „gilt ab sofort überall, einschließlich Libanon“. Israels
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte aber am Mittwoch gesagt, der
Waffenstillstand gelte nicht für Libanon. In den vergangenen Wochen hatte
Israels Regierung bereits angekündigt, die libanesische Front sei
„entkoppelt“ von einem USA-Iran-Deal.
Die Hisbollah hatte am Mittwochmorgen ihre Raketenangriffe auf Israel
gestoppt. Israel hingegen setzte die Angriffe in Südlibanon fort. An die
Bevölkerung der südlich gelegenen Stadt Abbassieh sowie von sieben
Stadtvierteln in Süd-Beirut erging die Aufforderung, ihre Häuser zu
verlassen – eine unvermissverständliche Drohung mit weiteren Angriffen. In
der Nacht auf Mittwoch wurden bei israelischen Angriffen fünf Menschen
getötet, sowie vier Rettungssanitäter verletzt.
[2][In Südlibanon setzen israelische Soldaten mit Panzern ihren Einmarsch
fort]. Israel hält derzeit 15 Prozent Libanons militärisch besetzt. Die
widersprüchlichen politischen Botschaften veranlassten die libanesische
Armee dazu, die Bewohner*innen vor einer Rückkehr in ihre Häuser zu
warnen. Auch die mit der Hisbollah verbündete schiitische Amal-Partei hatte
Bewohner*innen davor gewarnt, zurück nach Hause zu gehen.
## Ohrenbetäubender Lärm
„Der Krieg betrifft alle, nicht nur vertriebene Familien“, erklärt Abd
al-Rahman. „Selbst in sicheren Gebieten wie unserem ist es jede Nacht
extrem laut, oft ohrenbetäubend. Wir wissen nicht sofort, was passiert. Das
hält die Menschen in ständiger Angst.“
Bis zum 2. März, als die Hisbollah wieder Raketen nach Israel abfeuerte,
gab es bereits einen Waffenstillstandsdeal. Den hatte die israelische Armee
mit täglichen Angriffen gebrochen – mit der Begründung, die Hisbollah habe
nicht im gesamten Libanon ihre Waffen an den Staat abgegeben – so, wie es
der Deal und UN-Resolutionen vorsehen.
Die UN hatte zwischen dem 27. November 2024 und 27. November 2025 über
10.000 israelische Verstöße gegen den Waffenstillstand und 127 getötete
Zivilist*innen gemeldet. Israel hielt in der Zeit fünf Gebiete in
Südlibanon militärisch besetzt. Angebote der libanesischen Regierung für
direkte Verhandlungen hatte Israels Regierung bisher abgelehnt.
8 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
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