# taz.de -- Pakistan und China als Vermittler: Vollbremsung mit Pekings Hilfe
       
       > Mit Briefträgerdiensten zwischen Washington und Teheran erzielt Pakistan
       > den diplomatischen Erfolg. Im Hintergrund machte China Druck auf Teheran.
       
 (IMG) Bild: Pakistans Außenminister Ishaq Dar spricht mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi am 31. März in Peking über den Irankrieg
       
       Vertreter der USA und Irans wollen ab Freitag in Pakistans Hauptstadt
       Islamabad über ein dauerhaftes Ende ihres jüngsten Krieges verhandeln. Das
       gab der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif am Mittwoch bekannt.
       Nach Agenturangaben werden in Islamabad bereits erste
       Sicherheitsvorbereitungen getroffen, um die Delegationen zu empfangen, die
       erstmals seit dem jüngsten Krieg direkt miteinander verhandeln sollen. Laut
       Sharif könnten auch Vertreter Saudi-Arabiens, der Türkei und Ägyptens an
       den Gesprächen teilnehmen.
       
       Der von Pakistan vermittelte zunächst zweiwöchige Waffenstillstand zwischen
       den USA und Iran ist ein großer diplomatischer Erfolg von Sharifs
       Regierung. Dabei wird die islamische Atommacht Pakistan, die immer wieder
       durch Militärputsche Schlagzeilen macht, manchmal fast schon selbst wegen
       ihres massiven Terrorproblems als Failed State wahrgenommen. Zurzeit führt
       Pakistan sogar selbst Krieg mit dem benachbarten Taliban-Regime in
       Afghanistan.
       
       Zu Pakistans Vermittlungserfolg beitragen hat, dass Sharif, sein
       Vizepremier und Außenminister Ishaq Dar sowie der Militärchef Asim Munir an
       einem Strang gezogen haben. So war es etwa Munirs Aufgabe, immer wieder
       US-Präsident Trump zu kontaktieren. Der ist Munirs größter Fan, seit dieser
       ihn für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen hat und seitdem mit ihm auch
       über Kryptogeschäfte verhandelt.
       
       Pakistan war auch schlau genug, nicht allein vermitteln zu wollen, sondern
       sich dabei eng mit den einflussreichen Regionalmächten Türkei,
       Saudi-Arabien und Ägypten abzustimmen. So trafen deren Außenminister sich
       bereits Ende März mit Dar in Islamabad. Der reiste direkt danach nach
       Peking, Pakistans international wichtigstem Partner.
       
       ## Selbst Trump erkennt Chinas zentrale Rolle an
       
       Islamabads Vermittlungsbemühungen hätten wahrscheinlich nicht ohne Chinas
       Intervention zum Erfolg geführt. Entsprechend zollte US-Präsident Donald
       Trump nach Verkündung des Waffenstillstands überraschenderweise auch Peking
       seinen Respekt in einem Interview: Ausgerechnet China habe die Iraner durch
       eine „Intervention in letzter Minute“ an den Verhandlungstisch gebracht. So
       schilderten es auch iranische Vertreter der [1][New York Times].
       
       Offenbar möchte das selbstbewusstere China, das zuvor vorsichtig und
       risikoscheu auf dem außenpolitischen Parkett agierte, verstärkt seinen
       diplomatischen Einfluss geltend machen. Doch möglichst weiter ohne
       öffentliches Aufsehen. So hielt sich das Außenministerium am Mittwoch
       auffällig bedeckt. Sprecherin Mao Ning sagte nur, die Volksrepublik habe
       die Vermittlungsbemühungen durch Pakistan und andere Länder unterstützt und
       sich stets für eine Feuerpause eingesetzt.
       
       Tatsächlich dringen kaum Informationen aus dem chinesischen
       Regierungsapparat über dessen diplomatische Aktivitäten in Nahost nach
       draußen. Aber es dürfte außer Frage stehen, dass Chinas Interventionen vor
       allem die eigenen nationalen Interessen absichern sollen. Und die sind
       höchst komplex. So ist Peking keineswegs ein neutraler Player. „China hilft
       dem Iran, sein Raketenprogramm wieder aufzubauen“, hieß es etwa zuletzt in
       einem Bericht des renommierten Washingtoner „Institute fort the Study of
       War“. Laut dem britischen Telegraph sollen zuletzt fünf Schiffslieferungen
       Chinas mit Natriumperchlorat, das essenziell für die Produktion von
       Raketentreibstoff ist, in Iran angekommen sein. Auch die Technologie, mit
       der Teheran das eigene Internet zensiert und seine Bevölkerung überwacht,
       dürfte zum Großteil aus China stammen.
       
       Doch hat Peking kein Interesse an einem außer Kontrolle geratenen Krieg.
       Würde nämlich Trump wie angedroht Irans Energieinfrastruktur zerstören, so
       gefährdete dies ein wichtiges Geschäftsmodell der Chinesen: China ist
       schließlich der mit Abstand größte Abnehmer iranischen Rohöls, das zudem in
       Renminbi zu massiven Rabatten bezahlt wird. Abgesehen davon würde der Krieg
       langfristig auch den globalen Konsum schwächen, insbesondere in Europa –
       dem wichtigsten Importeur chinesischer Waren.
       
       Wie es nun in Nahost weitergeht, darüber herrscht auch unter chinesischen
       Kommentatoren große Skepsis. „Ich habe zwar nie daran gezweifelt, dass die
       USA und Iran genügend Spielraum für Kompromisse haben. Doch Sorgen macht
       mir, dass Israel diesen Prozess blockiert“, meint etwa der Iran-Experte
       Hongda Fan. Der Waffenstillstand habe nur dann eine nachhaltige Chance,
       wenn sich auch die Beziehungen zwischen Iran und Israel verbessern.
       
       ## Pekings Diplomatie zwischen Wunsch und Wirklichkeit
       
       Peking dürfte verstärkt gefordert werden. Irans Botschafter in Peking
       äußerte am Mittwoch bereits den Wunsch, dass „große Länder wie China und
       Russland“ als Sicherheitsgaranten fungieren sollten, damit die USA den
       Krieg nicht wieder aufnehmen.
       
       Die meisten internationalen Experten halten das allerdings für eine
       Wunschvorstellung. „Schon vor dem Krieg war Chinas Annäherung an eine
       regionale Sicherheitsrolle eher eine Frage der Außendarstellung als der
       tatsächlichen Fähigkeiten“, argumentiert Tuvia Gering vom Institute for
       National Security Studies in Tel Aviv. Peking fehlten sowohl der politische
       Wille als auch die militärischen Mittel, um ein glaubhafter
       Sicherheitsgarant sein zu können. Letztlich hat China dann wohl doch zu
       viel Angst, sich an regionalen Konflikten die Finger zu verbrennen.
       
       8 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.nytimes.com/2026/04/08/world/asia/china-iran-cease-fire.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sven Hansen
 (DIR) Fabian Kretschmer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Pakistan
 (DIR) China
 (DIR) USA
 (DIR) Waffenstillstand
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Irankrieg: Wie Iran die Golfstaaten angreift
       
       Trotz Waffenruhe attackierte Teheran weiterhin die Infrastruktur der
       arabischen Länder am Golf. Können die Verhandlungen in Pakistan weitere
       Attacken verhindern?
       
 (DIR) Waffenruhe in Iran: Merz will dauerhaftes Ende des Krieges
       
       Die Bundesregierung begrüßt die Waffenruhe im Nahen Osten und bleibt
       bezüglich eines deutschen Beitrags undeutlich. Die Linke fordert die
       Schließung Ramsteins.
       
 (DIR) Israels Sicht auf den Irankrieg: Kein Interesse an einer Waffenruhe
       
       Für Israel dürfte die Verkündung der Waffenruhe in Iran ein Rückschlag
       sein. Seine Hauptziele im Krieg hat die Netanjahu-Regierung nicht erreicht.
       
 (DIR) Mögliche Gespräche im Iran-Krieg: Der Briefträger aus Islamabad
       
       Pakistan spielt eine zentrale Rolle bei potenziellen Gesprächen zwischen
       Washington und Teheran. Zunächst agiert es aber als Überbringer von
       Forderungen.
       
 (DIR) Nachrichten im Irankrieg: Iran antwortet auf 15-Punkte-Plan
       
       Trump drängt auf Verhandlungen, Teheran antwortet über diplomatische
       Kanäle. Zugleich arbeitet Iran an einem Maut-System an der Straße von
       Hormus.
       
 (DIR) Nachrichten im Iran-Krieg: Gaza-Friedensplan liegt auf Eis
       
       Die Verhandlungen über den Gaza-Friedensplan liegen Insidern zufolge auf
       Eis. Modschtaba Chamenei wird neues geistliches Oberhaupt in Iran. G7 geben
       Öl frei.