# taz.de -- So schlecht geht es dem Buckelwal: Timmy liegt laut Experten im Sterben
> Noch atmet der seit Tagen vor der Insel Poel festsitzende Wal. Doch laut
> Fachleuten ist sein Zustand kritisch – und hat sich zuletzt
> verschlechtert.
(IMG) Bild: Der Buckelwal liegt vor der Insel Poel: zuletzt habe er auf Annäherung per Boot praktisch nicht mehr reagiert
dpa | Der [1][vor Wismar in der Ostsee gestrandete Buckelwal] befindet sich
laut Experten im Sterbeprozess. Dass er nicht auf die Boote reagiere, sei
ein Zeichen dafür, sagte Bianca König von der Tierschutzorganisation Whale
and Dolphin Conservation (WDC) Deutschland der Deutschen Presse-Agentur
(dpa). Wie lange der Sterbeprozess dauere, hänge von verschiedenen Faktoren
ab.
„Der Wal hat mehrere Baustellen, die ihn beeinträchtigen und dafür sorgen
werden, dass er sterben wird.“ Es könne heute Abend passieren, aber auch
erst in drei Tagen. Falls der Wal eine Stunde nicht atme, sei das ein
Zeichen dafür, dass er tot sei.
## Großes Gewicht kann zum Tod beitragen
Das Hauptproblem sei das Gewicht des Tieres und die geringe Wassertiefe:
„Wale brauchen die Schwerelosigkeit im Wasser, das Gewicht wird immer
weiter auf die Organe drücken, das führt zu Organversagen und
Kreislaufkollaps“, sagte König. „Es hängt davon ab, wie viel Auftrieb er im
Wasser hat und vom Gesamtzustand.“
Auch die durch den geringen Salzgehalt des Wassers geschädigte und
eingerissene Haut sei ein Problem: „Es bilden sich Blasen, und die werden
von Möwen angepickt.“ Dann könnten Pilze und Bakterien die Wunden besiedeln
und sich auf den ganzen Organismus auswirken, was den Wal zusätzlich
schwäche.
In den vergangenen Tagen gab es zudem Diskussionen über das mögliche
Fischereinetz im Maul. Ein großer Teil des Netzes – 50 bis 70 Meter – sei
bereits Anfang März entfernt worden, hatte das Umweltministerium in
Schwerin mitgeteilt. Reste des Netzes können sich aber möglicherweise noch
im Wal befinden.
## Erschießen ist keine Option
Den Wal zu töten und von seinem Schicksal zu „erlösen“ sei aktuell keine
Option, sagte König der dpa.
Die Option Einschläferung sei vom Tisch, weil darüber bei so großen
Säugetieren in der Praxis zu wenig bekannt sei. Es bestehe die Gefahr, dass
die sedierenden Medikamente, die vor der Tötung verabreicht werden, zu
gering dosiert werden. „Man kann nicht ausschließen, dass er die Tötung bei
vollem Bewusstsein miterlebt“, sagte die Expertin. Auch eine Überdosierung
könne zu Komplikationen führen.
Im besten Fall werden Tiere sediert, schlafen friedlich ein und bekommen
dann ein Mittel zur Tötung verabreicht. Das könne bei Timmy aber nicht
sichergestellt werden.
## Sprengung des Walkopfes
Auch das Tier zu erschießen, komme nicht infrage, unter anderem, weil
schwierig abzuschätzen ist, wohin der Schuss gesetzt wird. Mögliche
Mehrfachschüsse können dann nicht ausgeschlossen werden.
Die radikalste, aber wahrscheinlich effektivste Methode wäre es, einen
Sprengsatz unter den Kopf zu legen und den Kopf zu sprengen, sagte König.
Das sei aber ethisch nicht vertretbar und auch aufgrund der zuschauenden
Menschen keine Möglichkeit. Zudem könne die Methode dazu führen, dass der
Wal reißt und die Proben für eine spätere wissenschaftliche Analyse
unbrauchbar werden.
„Alle drei Möglichkeiten der aktiven Tötung wurden ausgeschlossen, und es
wurde entschieden, den Wal auf natürliche Weise sterben zu lassen“, betonte
König.
## Wal kann nicht gerettet werden
Nach diversen wissenschaftlichen Untersuchungen der vergangenen Tage hatten
Experten zuletzt bei einer Pressekonferenz auf der Insel Poel mitgeteilt,
dass das Tier weder lebend geborgen werden soll [2][noch sich aus eigener
Kraft werde befreien können]. Rettungsversuche werden ausgeschlossen. Würde
man versuchen, den Wal etwa mit Gurten oder Seilen anzuheben, bestehe die
Gefahr, die Haut abzuziehen.
Der Patient sei „schwerstkrank“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns
Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Dienstag.
8 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Gestrandeter-Buckelwal/!6168473
(DIR) [2] /Gestrandeter-Buckelwal/!6168562
## TAGS
(DIR) Meeresbiologie
(DIR) Ostsee
(DIR) Schwerpunkt Artenschutz
(DIR) Meeressäuger
(DIR) Wale
(DIR) Wale
(DIR) Meeresschutz
(DIR) Wale
(DIR) Gaffer
(DIR) Umweltminister
(DIR) Rettung
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Neue Hoffnung für Timmy: Minister erlaubt private Walrettungsmission
Der gestrandete Buckelwal könnte vielleicht doch gerettet werden.
Umweltminister Backhaus gibt grünes Licht für den Transport in die Nordsee.
(DIR) Walforscher über sterbenden Wal: „Es wird nach einfachen Lösungen gesucht“
Halb Deutschland nimmt Anteil am gestrandeten Wal Timmy. Meeresschützer
Fabian Ritter würde sich wünschen, dass dabei auch Meeresschutz Thema wird.
(DIR) Wal in kritischem Zustand: Gestrandeter Buckelwal hat Wasser in der Lunge
Der gestrandete Meeressäuger ist in einem schlechten Zustand, aber noch am
Leben. Auch ein Gericht befasst sich damit, ob das Tier noch gerettet
werden kann.
(DIR) Die Wahrheit: Walgaffer
Tagebuch einer Listenerstellerin: Ob etwas gut ausgeht oder schlecht wie
das Sterben eines Wals in der Ostsee wird ordnungsgemäß vermerkt.
(DIR) Gestrandeter Buckelwal: Hoffnung für Timmy schwindet wieder
Umweltminister Backhaus (SPD) prüfte eine Rettung des Wals mit einem
Katamaran. Entgegen einer Prognose ist der Wasserpegel vor Poel unerwartet
gestiegen.
(DIR) Gestrandeter Buckelwal: Anzeige ist raus
Umweltminister Till Backhaus, Greenpeace und weitere Beteiligte wurden
wegen des Umgangs mit dem Wal angezeigt. Der wird derweil mit Salzwasser
benetzt.