# taz.de -- Wal in kritischem Zustand: Gestrandeter Buckelwal hat Wasser in der Lunge
> Der gestrandete Meeressäuger ist in einem schlechten Zustand, aber noch
> am Leben. Auch ein Gericht befasst sich damit, ob das Tier noch gerettet
> werden kann.
(IMG) Bild: „Er atmet noch“: der geschwächte Buckelwal vor der Insel Poel
dpa | Der vor der Ostseeinsel Poel gestrandete Wal lebt noch. „Die Lage ist
unverändert. Die Streifen konnten in der Nacht nicht feststellen, ob der
Wal noch atmet. Aber über den Stream sieht man, dass er noch atmet“, sagte
ein Sprecher des Umweltministeriums am Morgen der Deutschen Presse-Agentur.
Auf dem Livestream des Nachrichtenportals News 5, das mittlerweile ein
Wärmekamerabild sendet, ist der Wal orangefarben erkennbar. In regelmäßigen
Abständen stößt er Luft aus. Auch das ist auf dem eingefärbten Livebild gut
zu erkennen.
Allerdings geht es dem vor Insel Poel gestrandeten Wal nach Angaben von
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltministerium zusehends schlechter. „Inzwischen
gehen unsere wissenschaftlichen Berater davon aus, dass sich Wasser in der
Lunge des Wals sammelt“, teilte Umweltminister Till Backhaus (SPD) am
Montag mit. Dies sei ein Hinweis darauf, dass seine Organe schwer
geschädigt seien. „Dies mitansehen zu müssen, fällt allen Beteiligten
schwer.“ Bereits vor einigen Tagen war laut Backhaus festgestellt worden,
dass sich die Atmung des Tieres verändert hatte.
Am Wochenende hatte es einen erneuten Rettungsversuch gegeben, der
erfolglos blieb. Es wurde versucht, den Wal zu ermutigen, sich selbst zu
befreien, indem die eigenen Walgesänge des Tiers unter Wasser abgespielt
wurden. Hintergrund war, dass der Wal in den Nächten zuvor starke
Walgesänge von sich gegeben hatte.
Der kranke und geschwächte Buckelwal liegt bereits seit dem 31. März in der
Wismarbucht. Die letzten Rettungsversuche wurden am 1. April aufgrund des
Gesundheitszustandes des Tiers eingestellt, [1][um den Wal in Frieden gehen
zu lassen], wie der Minister mitteilte.
## Eilverfahren am Verwaltungsgericht
Private Initiativen [2][zu möglichen Rettungsmaßnahmen für den Wal]
scheiterten bislang vor dem Schweriner Verwaltungsgericht. Drei
Eilverfahren waren nach Angaben des Gerichts am Montagnachmittag noch
offen.
Der Antrag einer Organisation, der darauf abzielte, unverzüglich alle
geeigneten und erforderlichen Maßnahmen einzuleiten, um den Wal zu retten,
wurde mit Beschluss vom vergangenen Freitag (10. April) abgelehnt, so eine
Gerichtssprecherin. Für die Organisation komme die Erhebung einer
tierschutzrechtlichen Verbandsklage mangels gesetzlicher Grundlage nicht in
Betracht.
Es habe zudem bis zum vergangenen Freitag sieben weitere den Wal
betreffende Verfahren von Privatpersonen gegeben, die abgelehnt wurden.
Begründet wurde die jeweilige Ablehnung mit der Unzulässigkeit des Antrags
mangels Antragsbefugnis. Das heißt, dass dem Antragsteller kein Anspruch
auf die begehrte behördliche Maßnahme zusteht.
## Minister: Keine Pflicht, alles zu tun, um Wal zu retten
Backhaus beklagte „wüste Verschwörungstheorien“ im Internet. „In der
ohnehin schon aufgeheizten Lage ist solche Stimmungsmache wenig hilfreich“,
erklärte er. „Wir haben daher eine Liste von juristischen
Falschbehauptungen erarbeitet und die Aussagen richtiggestellt. Vielleicht
hilft das, damit die Menschen nicht [3][aufgrund von Fake News
Strafanzeigen stellen], die keine Aussicht auf Erfolg haben und nur die
Behörden behindern.“
So sei es nicht richtig, dass das Land verpflichtet sei, alles zu tun, um
den Wal zu retten. Eine solche Pflicht bestehe nicht. Das Grundgesetz
verpflichte den Staat zwar zum Schutz der Tiere, dies sei aber eine
Staatszielbestimmung und begründe keine konkrete Handlungspflicht im
Einzelfall. „Auch aus Tierschutz- und Artenschutzrecht gibt es keine
Handlungspflicht bei Wildtieren in der Wildnis.“
Auch sei es nicht richtig, dass es ein Verstoß gegen den Tierschutz sei,
wenn nichts unternommen werde. Backhaus: „Es ist verboten, einem Tier ohne
vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Das bedeutet:
Ein Eingreifen ist nur zulässig, wenn es dem Tier tatsächlich hilft.“
Maßnahmen ohne Erfolgsaussicht, die zusätzliches Leid verursachten, seien
rechtswidrig.
## Steinmeier interessiert sich für gestrandeten Wal
Auch das deutsche Staatsoberhaupt will sich über den gestrandeten Buckelwal
informieren. Im Rahmen eines ohnehin geplanten Besuchs im Ozeaneum in
Stralsund plant Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag einen
Austausch mit Experten über den Wal, wie das Bundespräsidialamt mitteilte.
Steinmeier führt seine Amtsgeschäfte diese Woche drei Tage lang von
Stralsund aus als 18. Station der Reihe Ortszeit Deutschland, mit der der
Bundespräsident Eindrücke abseits der Metropolen sammeln will.
Dazu sind in und um Stralsund Gespräche und Besuche verschiedener
Einrichtungen geplant. Zum Abschluss soll Steinmeier am letzten Tag nach
einem Rundgang durch das Ozeaneum dort engagierten Bürgerinnen und Bürgern
aus Mecklenburg-Vorpommern den Verdienstorden der Bundesrepublik
Deutschland verleihen. Das Ozeaneum ist eines der Museumsstandorte der
Stiftung Deutsches Meeresmuseum, deren Experten eng in die Bewertung der
Lage des gestrandeten Wals eingebunden sind.
14 Apr 2026
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