# taz.de -- Waltransport in die Nordsee: Timmy fährt Schiffchen
       
       > Nach wochenlangem Hoffen und Bangen ist der in der Ostsee gestrandete
       > Buckelwal nun auf dem Weg Richtung Nordsee. Gerettet ist das Tier aber
       > noch nicht.
       
 (IMG) Bild: In diesem Kahn wird der Wal Timmy von der Ostsee in die Nordsee transportiert
       
       dpa | Der Schleppverband mit dem wochenlang an der Ostseeküste
       festsitzenden Buckelwal ist auf dem Weg Richtung Nordsee. Laut dem
       Schiffsortungsdienst VesselFinder befand sich der Verband am frühen Morgen
       circa 6 Seemeilen (rund 11 Kilometer) südöstlich von Fehmarn. Der Transport
       bewege sich mit „sehr langsamer Geschwindigkeit“ in Richtung der Insel,
       sagte ein Sprecher der begleitenden Wasserschutzpolizei. Nach Plänen einer
       privaten Rettungsinitiative soll der Wal in einer mehrtägigen Aktion um die
       Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und
       dann freigelassen werden.
       
       Am Abend übernahm der Schlepper „Robin Hood“ die Barge mit dem Wal am
       Ausgang der Kirchsee vor der Insel Poel. Anschließend fuhr er [1][samt dem
       mit Wasser gefüllten Lastkahn] in die Wismarer Bucht und weiter hinaus auf
       die offene Ostsee.
       
       ## Rettungsaktion in entscheidender Phase
       
       Kurz nachdem die „Robin Hood“ die Barge auf den Haken genommen hatte,
       machte auch das Mehrzweckschiff „Fortune B“ im Hafen von Wismar los und
       folgte dem Schleppverband. Laut den bisherigen Plänen soll eines der
       Schiffe den motorlosen Lastkahn schleppen, während das andere den Verband
       begleitet.
       
       Mit der Verlegung des Wals in die Barge ging die Rettungsaktion am Dienstag
       in die entscheidende Phase. Mehrere Stunden lang hatten Helfer das Tier in
       eine eigens gebaggerte Rinne bugsiert. Mitglieder des Teams zogen den Wal
       mit Gurten zu der Barge. Um 14.45 Uhr war das Tier schließlich in dem
       abgesenkten Kahn. Anschließend wurde ein Netz aufgespannt, um zu
       verhindern, dass der Wal wieder herausschwimmt. Kleinere Boote schoben die
       Barge dann hinaus aus der Kirchsee in die Wismarer Bucht, wo sie vom
       Schlepper „Robin Hood“ auf den Haken genommen wurde.
       
       ## Helfer zogen Wal stundenlang zum Lastkahn
       
       Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) zeigte sich nach
       der geglückten Aktion erleichtert. „Mir fällt wirklich ein Stein vom
       Herzen“, sagte er im Hafen von Kirchdorf. „Ich war auch kurz davor, ins
       Wasser zu springen, um ihm noch auf den letzten Meter mitzuhelfen.“ Der
       Minister gestand, er habe auf dem Schiff, von wo er die Aktion beobachtete,
       geweint.
       
       Nach der Aktion fielen sich [2][die Helfer] der privaten Rettungsinitiative
       im Hafen in die Arme, bei manchem rollte eine Träne der Erleichterung nach
       bangen Wochen voller Anspannung. Bei ihrer Ankunft im Hafen von Kirchdorf
       wurden sie von den Anwesenden teils mit Jubel und Klatschen empfangen. „Die
       Hoffnung haben wir nie aufgegeben“, sagte eine Schaulustige vor Ort.
       
       ## Experten bangen um Gesundheit des Wals
       
       Experten hatten vor der Bergung [3][Zweifel am Sinn des Unterfangens]
       geäußert. „Der Allgemeinzustand des Wales hat sich weiter verschlechtert“,
       betonten Wissenschaftler. Um den Gesundheitszustand des Wals zu überwachen,
       sollten nach Angaben der privaten Initiative Veterinärmediziner das Tier
       auf dessen mehrtägiger Reise in Richtung Nordsee begleiten.
       
       Offen ist nach Expertenansicht auch, ob der Wal den Transport überstehen
       wird und ob er in der Nordsee oder im Atlantik wieder in Freiheit leben
       kann. Wissenschaftler vermuten, dass er vor seiner Strandung immer wieder
       flaches Wasser aufgesucht hatte, weil er geschwächt war und sich ausruhen
       wollte.
       
       ## Erste Sichtung des Wals schon Anfang März
       
       Der Buckelwal war nach Angaben der Behörden erstmals Anfang März in
       Küstennähe aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23.
       März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in
       Schleswig-Holstein. Zwar gelang es dem Tier, das flache Wasser über eine
       ausgehobene Rinne zu verlassen. Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene
       Meer und Richtung Norden, sondern schwamm wieder Richtung Wismar.
       
       Schließlich schwamm es in die Kirchsee genannte flache Bucht der Insel
       Poel. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag
       aber wenige Stunden später am Ausgang der Bucht wieder fest. So kam es zu
       der nun laufenden Rettungsvariante.
       
       29 Apr 2026
       
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