# taz.de -- CDU in Niedersachsen: Antisexismus kann man lernen
       
       > Wegen Fake-Videos hat Niedersachsens CDU-Fraktion einen Mitarbeiter
       > gefeuert. Das kann aber nur ein erster Schritt sein im Kampf gegen
       > Sexismus.
       
 (IMG) Bild: CDU-Veranstaltung in Langenhagen: Hier dienen Frauen nicht als schmückendes Beiwerk
       
       Manche behaupten, glauben heiße zweifeln. In dem Sinne ist das Versprechen
       des niedersächsischen CDU-Fraktionsvorsitzenden Sebastian Lechner
       glaubwürdig, alles werde „transparent und lückenlos aufgeklärt“, und es
       gebe „bei frauenfeindlichen Denk- und Verhaltensweisen in der CDU null
       Toleranz“: Damit begründete Lechner die Entlassung eines
       Fraktionsmitarbeiters.
       
       Dieser [1][soll mithilfe von KI-basierter Software ein Video angefertigt
       haben], in dem eine Frau im Bikini tanzt, der er die Gesichtszüge einer
       Kollegin verpasst hatte. Das geht aus der von dpa verbreiteten Darstellung
       der Staatsanwaltschaft Hannover hervor. Die hat das Material gesichtet. Es
       war zuvor in einer privaten Social-Media-Gruppe geteilt worden, zu der ein
       weiterer Fraktionsmitarbeiter gehört haben soll.
       
       Der Urheber des manipulierten Videos behauptet nun in aller vermuteten
       Unschuld, er habe mit diesem seine Digital-Freunde über die Gefahren von
       Deepfake-Bewegtbildern aufklären wollen: Der CDU und allen ihren
       Mitarbeitern und ihren Kumpels ist nämlich die glaubwürdige Aufklärung ein
       Anliegen.
       
       Nicht fehlen darf dabei ihre wichtigste strafrechtliche Errungenschaft:
       Dass die Unschuldsvermutung gelte, wurde laut Agentur eigens betont. Zu
       Recht: Um Schuld im rechtlichen Sinne geht es in dem Fall kaum. Zwar könnte
       die Betroffene Strafantrag stellen, wenn sie erfahren hat, dass ihr Bild
       zum Gegenstand – vermutlich unschuldiger! – Fantasien ihrer männlichen
       Kollegen gemacht worden war.
       
       ## Mit Ekelpaketen im Büro
       
       Vielleicht aber wird sie von ihrem fürsorglichen Arbeitgeber vor diesem
       Wissen im Zuge der Aufklärung bewahrt: Sie mit dem Vorgang zu
       konfrontieren, wäre ja bestimmt ein doller Schock für sie. Immerhin hat sie
       doch tagaus, tagein ihre Zeit mit Typen im selben Büro verbracht, die sie,
       zu einer Art Puppe gemacht, zwecks Aufklärung haben tanzen lassen. Und …
       ach, lassen wir das.
       
       Aber noch mal: Die rechtliche Seite ist nicht so wichtig. Dass
       orientierungslose Jungmänner meinen, solche digitalen Übergriffe seien
       irgendwie lustig, ist ein kulturelles Problem. Und das ist nicht auf die
       niedersächsische CDU-Fraktion beschränkt.
       
       Aber wenn die den [2][Kampf gegen Sexismus] führen will, hat sie die
       Möglichkeit, sich doppelt einzubringen. Auf betrieblicher Ebene empfiehlt
       das „Bündnis Gemeinsam gegen Sexismus“ [3][Awareness- und
       Sensibilisierungstrainings]. Die kann sie buchen. Fürs ganze Team. Wie das
       geht, kann sie im Zweifel bei der Grünen-Fraktion nachfragen.
       
       ## Hilfe zur Selbsthilfe
       
       Dank Djénabou Diallo-Hartmann führt die schon seit 2024 Antirassismus- und
       Antidiskriminierungs-Workshops durch. „Herr Lechner kann mich gerne
       kontaktieren“, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende. „Dann
       trinken wir einen Kaffee und ich erkläre ihm, wie das geht.“
       
       Die zuverlässigsten Anbieter solcher Kurse bekommen Zuschüsse vom Bund.
       Noch! Und schon ploppt das zweite Handlungsfeld für Lechner und die Seinen
       auf: das politische. Denn deren Parteifreundin Karin Prien,
       Bundesbildungsministerin, [4][will die dafür unverzichtbare „Demokratie
       leben!“-Förderung eliminieren].
       
       Um den Preis der Glaubwürdigkeit: Dem müsst ihr entgegentreten, liebe
       Niedersachsen-Christdemokraten! Das schadet ja allen und auch euch ganz
       direkt! Denn die [5][toxische Männlichkeit] in euren Reihen, die muss euch
       mental und moralisch ruinieren.
       
       Also auf die Barrikaden! Da in den Konflikt zu gehen, das wäre eine echte
       Tat. Die würde Lechners proklamierten Antisexismus über allen Zweifel
       erheben. Es müsste keiner mehr dran glauben. Er wäre dann nachgewiesen.
       Halleluja.
       
       2 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Digitale-Gewalt-gegen-Frauen/!6164816
 (DIR) [2] https://antifeminismus-begegnen.de/de/seminare-workshops-und-fortbildungen
 (DIR) [3] https://gemeinsam-gegen-sexismus.de/massnahmen/
 (DIR) [4] /Neuer-Kurs-der-Bundesregierung/!6160464
 (DIR) [5] /Hashtag-alpinedivorce/!6164711
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Benno Schirrmeister
       
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