# taz.de -- Deepfake-Affäre in der CDU Niedersachsen: CDU streitet darum, wer den Elefantenpimmel gesehen hat
       
       > Die Affäre um das Deepfake-Video in der CDU geht weiter. Der
       > freigestellte Mitarbeiter wehrt sich und will die Fraktionsspitze früh
       > informiert haben.
       
 (IMG) Bild: Wer wusste was? Carina Hermann, parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Fraktion, und der Fraktionsvorsitzende Sebastian Lechner
       
       Da ist sie also, die nächste Runde in der [1][bizarren Affäre um ein
       Deepfake-Video in der CDU-Landtagsfraktion]. Dabei hatte sie das doch
       eigentlich ganz clever gemacht: Am 1. April (ausgerechnet) machte die
       Fraktion öffentlich, dass ein leitender Mitarbeiter ein KI-Video von einer
       Kollegin erstellt und in einer Whatsapp-Gruppe mit anderen Mitarbeitern
       geteilt hatte. In dem Video soll sie lasziv im Bikini herumtanzen.
       
       Und erst einmal setzt die Fraktion alles daran zu signalisieren: Wir nehmen
       das ernst, das hat Konsequenzen. Der Ersteller des Videos wurde gefeuert,
       die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Und der Fraktionsgeschäftsführer
       suspendiert. Ihm wird vorgeworfen, die Fraktionsspitze nicht rechtzeitig
       und umfassend genug informiert zu haben.
       
       Er hat zwar dafür gesorgt, dass das Video gelöscht wird und der Ersteller
       eine Abmahnung erhält – hat ihm also einmal auf die schmutzigen Finger
       geklopft. Er hat aber eben auch alle zum Stillschweigen verdonnert. Doch
       irgendwer in dieser Boygroup der besonderen Art hat das wohl nicht
       ausgehalten.
       
       Mit zwei Monaten Verspätung wurde das Geschehen an die Fraktionsleitung
       herangetragen – hieß es zumindest bisher. Doch dem widerspricht nun der
       suspendierte Geschäftsführer. Er habe die parlamentarische
       Geschäftsführerin Carina Hermann schon am 19. Januar informiert, zwei Tage
       nach dem Vorfall, heißt es in einer Erklärung, die er über seinen Anwalt an
       verschiedene Medien verteilen ließ.
       
       ## Wozu diente diese Whatsapp-Gruppe überhaupt?
       
       Carina Hermann widerspricht dem: Sie sei nur oberflächlich informiert
       worden, sagt sie. Ihr sei nicht nur das Video vorenthalten worden, sondern
       auch der Name der Whatsapp-Gruppe und das Profilbild. Die hieß „MitGLIEDER“
       und das Bild zeigte einen erigierten Elefantenpenis.
       
       Der schwebt nun wie ein Damoklesschwert über dem Bürgermeisterwahlkampf des
       suspendierten Geschäftsführers, Adrian Mohr, der eigentlich das Rathaus in
       Dörverden erobern wollte.
       
       Aber dieser ganze Hickhack darum, wer wann was gewusst hat, überdeckt
       natürlich einige der sehr viel spannenderen Fragen: Wozu diente diese
       [2][Whatsapp-Gruppe] überhaupt? Und wie lange bestand sie? Acht
       Fraktionsmitarbeiter sollen darin gewesen sein, natürlich nur Männer.
       
       Haben die da ihre gemeinsamen Vatertagsausflüge, Golfturniere oder
       Puffbesuche koordiniert? Oder war das so eine Art Selbsthilfegruppe, in der
       man sich darüber ausweint, dass die 50er-Jahre vorbei sind? Dass man jetzt
       mit so Weibsbildern zusammenarbeiten muss? Oder noch schlimmer: Mit Carina
       Hermann eine Frau vor der Nase hat, die mehr verdient, einiges zu sagen hat
       und sich nicht scheut, das auch zu tun?
       
       ## Für die Staatsanwaltschaft gibt es nicht viel zu ermitteln
       
       Und was läuft da in der Personalauswahl der CDU eigentlich schief, wenn man
       so viele Männchen mit altbackenem Pennälerhumor und der Sozialkompetenz von
       13-Jährigen auf einem Haufen versammelt? Machen die da so
       Assessment-Center, bei denen derjenige eingestellt wird, der am
       glaubwürdigsten „höhöhö“ macht, wenn der Chef schlechte Witze erzählt?
       
       Das ist ja das eigentliche Ärgernis für den Fraktionschef Sebastian
       Lechner: Da hat er sich solche Mühe gegeben, die CDU zu modernisieren und
       zu digitalisieren – und dann fahren ihm diese peinlichen Dummdödel einfach
       in die Parade.
       
       Leider werden diese Fragen wohl nie geklärt werden. Die CDU-Fraktion möchte
       das jetzt erst einmal intern aufarbeiten. Und die eingeschaltete
       Staatsanwaltschaft wird auch nicht groß ermitteln müssen, in deren Augen
       ist der Fall ja klar: keine sexuelle Belästigung, keine Beleidigung, nur
       ein Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz – sofern die Betroffene das
       anzeigen möchte.
       
       Merke: In diesem Land kann es zwar als Beleidigung gewertet werden, wenn
       man Polizisten duzt. Aber nicht, wenn man Kolleginnen virtuell auszieht und
       mit dem Arsch wackeln lässt.
       
       8 Apr 2026
       
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