# taz.de -- Hertie School Berlin: Abwahl wegen BDS-Beschluss
> Die Studierendenvertretung der Hertie School wollte die
> Israel-Boykott-Kampagne unterstützen. Daraufhin sprach eine Mehrheit der
> Studierenden ihr das Misstrauen aus.
(IMG) Bild: Berliner Hertie School
Nach einem Misstrauensvotum haben die Student:innen der Berliner
Privathochschule Hertie School ihre eigene Student:innenvertretung
abgewählt. Diese hatte sich Anfang März hinter die Israel-Boykottkampagne
BDS gestellt. In Reaktion darauf hatten Studierende das Misstrauensvotum
beantragt. Damit steht die Hertie School aktuell ohne Hertie Student
Representation (HSR) da.
„Seit ich auf dem Campus bin, sehe ich ein großes Problem mit
Antisemitismus und dem Umgang mit dem Nahostkonflikt“, erzählt Marie Müser.
Sie ist seit vergangenem Jahr Studentin an der Hertie School und sagt, die
[1][Stimmung an der Hochschule habe schon seit längerer Zeit geköchelt].
„Diejenigen, die sich gegen Antisemitismus stellen, haben sich kaum noch
getraut, etwas zu sagen“, meint sie. Studierende würden [2][als
Faschist:innen oder Genozidunterstützer:innen bezeichnet, wenn
sie Kritik am Umgang] mit Antisemitismus äußerten.
Am vergangenen Mittwoch fand dann eine Aussprache statt, bestätigen
Student:innen der taz. Daraufhin folgte eine dreitägige Abstimmung. Laut
Statement der Hertie School haben von den 855 Studierenden fast 600
abgestimmt. Nach [3][eigenen Angaben] sprach sich eine knappe Mehrheit von
52 Prozent der Studierenden für eine Neuwahl der HSR aus. Die Hälfte des
Gremiums bestehend aus 16 gewählten Studierenden hatte ihr Amt bereits im
Vorfeld des Votums abgelegt.
„Viele Studierende, vor allem linke Studierende, haben ein sehr starkes
Gerechtigkeitsbewusstsein“, sagt Müser außerdem. Dieser Einsatz gegen
Menschenfeindlichkeit sei sehr gut, aber selektiv. „Bei Antisemitismus wird
weggeschaut“, sagt sie. Es ginge bei der BDS-Kampagne nicht um Kritik an
der israelischen Regierung, sondern mehr um die Isolation eines gesamten
Staates, kritisiert sie.
## Versuchter Druck auf den Staat Israel
Die [4][internationale Kampagne des BDS] ruft zu Boykott, Desinvestition
und Sanktionen gegen Israel auf. Seit 2005 versuchen pro-palästinensische
Aktivist:innen mit der Kampagne, Druck auf den Staat Israel wegen
völkerrechtswidriger Verbrechen auszuüben. Dabei ist die BDS-Bewegung
umstritten, da sie das Existenzrecht Israels mitunter infrage stellt und in
der Vergangenheit als extremistischer Verdachtsfall eingestuft wurde.
Den Vorwurf, dass die BDS-Kampagne antisemitisch sei, weist ein ehemaliges
Mitglied des nun abgesetzten HSR von sich. Der Student möchte seinen Namen
nicht öffentlich nennen. Aus seiner Sicht dreht sich der Konflikt um die
HSR eigentlich um Hochschulautonomie und Meinungsfreiheit und um die
Definition von Antisemitismus.
„Ist es antisemitisch, sich gegen die Handlungen des Staates Israel zu
stellen oder ist das einfach völkerrechtskonform?“, fragt er. Bei der
Aussprache vor dem Votum hätten jüdische Studierende gesagt, sich gegen den
israelischen Staat zu stellen sei nicht per se antisemitisch.
Er habe das Klima an der Hochschule zuletzt als einschüchternd empfunden.
Die Vorstandsvorsitzende der Hertie-Stiftung, Anette Schavan, hatte in
einem Statement auf LinkedIn nach der Unterstützung für die BDS-Kampagne
durch den HSR Konsequenzen angekündigt. Dagegen sagt der ehemalige
HSR-Vertreter: „Es geht hier auch um akademische Selbstbestimmung.“
Womöglich hätten Studierende Angst vor Repressionen gehabt. Er sei
überrascht, dass dennoch 47 Prozent der Studierenden gegen das
Misstrauensvotum gestimmt hätten. Fast die Hälfte der Studierenden habe
damit auch dem HSR den Rücken gestärkt.
## Studierendenvertretung weist Antisemitismus-Vorwurf zurück
Die ehemalige HSR gab in einem Statement an, Antisemitismus zu verurteilen
und als wachsende Bedrohung für jüdisches Leben in Deutschland und global
zu erkennen. Sie gab an, Kritik am Staat Israel oder die Unterstützung
gewaltfreier politischer Maßnahmen, die darauf abzielen, dessen Politik zu
beeinflussen, könnten an sich nicht als antisemitisch eingestuft werden.
Eine solche Maßnahme sei auch die BDS-Bewegung, die sich auf die Politik
des Staates Israel beziehe, nicht etwa auf jüdische Menschen.
Die Hochschulleitung begrüßte die „hohe Wahlbeteiligung“ und Diskussionen
„nach universitärem und demokratischem Leitbild“. Ebenso habe der Konflikt
gezeigt, „wie zentral die Repräsentation der Vielfalt unserer Gemeinschaft
für alle Beteiligten ist“ hieß es in einem Statement. Bis Ende März haben
die Student:innen nun Zeit, ihre Vertretung neu zu wählen.
16 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Nahost-Debatte-an-Hochschulen/!6124407
(DIR) [2] /Boykott-Konferenz-in-Berlin/!6147674
(DIR) [3] https://www.hertie-school.org/de/news/detail/content/vote-of-no-confidence-hertie-schools-student-representatives-to-be-re-elected
(DIR) [4] https://bds-kampagne.de/
## AUTOREN
(DIR) Martha Lippert
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