# taz.de -- Bezüge von Bundestagsabgeordneten: Klare Mehrheit gegen höhere Diäten
> Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage ist eine Debatte über steigende
> Abgeordnetenbezüge im Gange. Auch eine Mehrheit der Bürger*innen ist
> dagegen.
(IMG) Bild: Sollen die Bezüge der Bundestagsabgeordneten weiter steigen?
taz/dpa | Eine deutliche Mehrheit der Bürger spricht sich in einer Umfrage
gegen eine Erhöhung der Diäten der 630 Bundestagsabgeordneten in diesem
Jahr aus. Nach der repräsentativen Erhebung des Instituts YouGov im Auftrag
der Deutschen Presse-Agentur sind 85 Prozent der Ansicht, die Abgeordneten
sollten angesichts der aktuellen Lage auf eine Anhebung verzichten. Nur 7
Prozent sprachen sich für die Erhöhung aus, 8 Prozent waren unentschlossen.
Eigentlich sollen die Diäten zum 1. Juli um 497 Euro steigen – auf rund
12.330 Euro. Das ergibt sich aus einem im Abgeordnetengesetz verankerten
automatischen Mechanismus, nach dem die Anpassung der Bezüge an die
Entwicklung der Durchschnittslöhne gekoppelt ist.
Am höchsten war in der Umfrage die ablehnende Haltung dazu unter
AfD-Anhängern (93 Prozent), aber auch die Sympathisanten von SPD und
CDU/CSU votierten mit 87 beziehungsweise 85 Prozent deutlich für einen
Verzicht der Abgeordneten.
## SPD will auf Erhöhung verzichten
Die Forderungen nach einem Verzicht kommen auch aus dem Koalitionslager
selbst. „Bürger, Gemeinden und Unternehmen stehen vor großen
Herausforderungen und wir führen harte Spardiskussionen. Es wäre das
falsche Signal, wenn die Abgeordneten mehr Geld erhalten würden“, sagte
Johannes Fechner, einer der Parlamentarischen Geschäftsführer der
SPD-Fraktion.
Einen für die einmalige Aussetzung notwendigen Gesetzentwurf habe er
bereits an Unionsabgeordnete geschickt. „Ich bin optimistisch, dass wir es
rechtzeitig schaffen, die Diätenerhöhung auszusetzen.“ Generell möchte
Fechner den automatischen Mechanismus mit der Kopplung an die allgemeine
Lohnentwicklung aber beibehalten und die Lage im kommenden Jahr neu
bewerten.
Die Unionsfraktion hat sich noch nicht abschließend festgelegt. Ihr Erster
Parlamentarischer Geschäftsführer Steffen Bilger erklärte, der vorhandene
Mechanismus schaffe Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Die Diäten könnten
durch die Kopplung an die Durchschnittslöhne im Vorjahr auch sinken. „Der
Vorschlag, diesen Mechanismus außerordentlich auszusetzen, kam auch bereits
aus der CDU/CSU-Fraktion“, sagte der CDU-Politiker. Die Beratungen dazu
liefen zurzeit in den Fraktionsgremien und mit der SPD.
## Bisher nur einmal gesunken
Dass die Abgeordnetenbezüge sanken, gab es bisher nur einmal in der
Geschichte des Bundestags, nämlich während der Coronapandemie 2021. Damals
war der Nominallohnindex zurückgegangen – und an den werden die Bezüge seit
2014 jedes Jahr automatisch angepasst. Vor der Neuregelung war es
regelmäßig zu heftigen Debatten um die Höhe der Diäten gekommen.
Durch die feste Kopplung an die Lohnentwicklung wollte der Bundestag solche
Diskussionen vermeiden und verhindern, dass der Eindruck der
Selbstbedienung der Abgeordneten entsteht.
Die Höhe der Abgeordnetenentschädigung – [1][momentan rund 11.833 Euro] –
orientiert sich laut Abgeordnetengesetz an den Bezügen eines Richters an
einem obersten Bundesgericht. Der Bundestag spricht von Amtsträgern, die in
vergleichbarer Verantwortung und Belastung arbeiten wie Abgeordnete.
Zum 1. Juli vergangenen Jahres waren die Diäten [2][um rund 600 Euro erhöht
worden]. Während der Coronapandemie verzichteten die Abgeordneten 2020
wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage auf die automatische Erhöhung.
Nullrunden gab es in der Parlamentsgeschichte häufiger.
## Das sagt die Opposition
Die oppositionelle Grünen-Fraktion fordert, die Diätenerhöhung in diesem
Jahr auszusetzen, aber den Anpassungsmechanismus generell beizubehalten.
„Er sorgt dafür, dass Diätenanpassungen transparent sind und sich an klaren
Kriterien orientieren“, sagte der rechtspolitische Sprecher der Grünen,
Helge Limburg. Der Mechanismus biete aber zugleich den Spielraum, die
Erhöhung in extremen Lagen auszusetzen.
Die Linksfraktion hat dagegen bereits [3][einen Gesetzentwurf eingebracht],
um den Automatismus auszusetzen. „Abgeordnete werden mehr als ausreichend
vergütet, es gibt keinen Grund, hier immer höhere Summen anzusetzen“, sagt
[4][Fraktionschefin Heidi Reichinnek]. Sollte es in diesem Jahr höhere
Diäten geben, [5][würden die Abgeordneten der Linken sie spenden].
Die AfD habe ebenfalls einen Vorschlag zur kompletten Abschaffung der
automatischen Diätenerhöhung vorgelegt, sagte Stephan Brandner, einer der
Parlamentarischen Geschäftsführer der Fraktion. Allerdings hatten sich
Spitzenpolitiker*innen erst im vergangenen Jahr ihre zusätzlichen
Zulagen per Fraktionsbeschluss verdoppeln lassen.
17 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bundestag.de/abgeordnete/mdb_diaeten/mdb_diaeten-214848
(DIR) [2] /Geplanter-Anstieg-der-Bundestagsgehaelter/!6092279
(DIR) [3] https://dserver.bundestag.de/btd/21/055/2105588.pdf
(DIR) [4] /Heidi-Reichinnek/!t6066315
(DIR) [5] /Linksfraktion-streitet-ueber-ihre-Diaeten/!6177843
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